„Ja, ja, ich komm schon!“ rief der Eggebauer und wandte sich wieder zu Wolfrat. „Mir graust, weil ich nur wieder hinein muß ins Haus! Ich sag dir’s, Polzer, mir graust vor einer jedweden Stund! Und wenn eins anfangt, kommt gleich alles übereinander. Ich hätt schon genug an dem Weib, und jetzt fangt das Mädel auch noch an und dreht den Daum auf, heult in einem fort, oder schreit und haut alles kurz und klein, was ihr in die Händ kommt, als wär seit gestern eine Hex in sie gefahren. Ich sag dir’s, Polzer, jedes Stück Vieh in meinem Stall hat’s besser als ich, der Bauer. Umeinander steh ich wie eine Sulz, an der alles zittert, wenn einer mit dem Finger dran hinrührt. Mir schmeckt kein Bissen mehr und kein Trunk. Da schau her!“ Der Eggebauer stieß die Faust hinter seinen ledernen Gurt. „Schau! Zwischen Gurt und Bauch fahrt mir schon bald ein Wagen durch. Polzer, Polzer! Es muß doch wahr sein: man soll die Händ von allem lassen, was nit richtig ist. Was hast du davon? Nichts, nichts, nichts — als daß dir’s den guten Schlaf vertreibt und den schlechten Magen bläht!“
„Gelt? Kommst auch schon drauf?“
Und während Wolfrat lachte mit bleichen Lippen, kugelten dem Eggebauer dicke Zähren über die schwammigen Backen. Der Bauer fuhr sich mit dem Ärmel über die Nase. „Was ist denn, ist dein Mädel schon wieder heimgekommen?“
„Ich weiß nit.“
„Wenn du was hörst, wie’s droben ausschaut, so komm und sag mir’s!“
Wolfrat nickte; dann gingen sie auseinander.
Als der Sudmann in seinem Haus die Stube betrat, sprang ihm Lippele jubelnd entgegen; der Bub hatte dem Vater eine große Neuigkeit zu melden: in der Scheune begännen zwei ‚wutzikleine, butziliebe Vogerln‘ ihr Nest zu bauen.
„So, so?“ sagte Wolfrat und strich die zitternde Hand über den Kopf seines Buben. „Nachher geh nur, Lippele, und schau ihnen zu und paß recht auf! Da kannst du dir auch einmal ein Nestl bauen!“ Er schob den Knaben zur Tür hinaus.
Kaum war der Bub verschwunden, da richtete Sepha im Bett sich hastig auf. Alle Angst ihres Herzens zitterte in ihrer Stimme: „Polzer? Hat dich schon einer drum angeredet?“
Er schüttelte den Kopf. „Es kann noch keiner drum wissen.“ Als wären ihm alle Glieder gebrochen, so ließ er sich auf den Rand des Bettes nieder. Sie faßten sich bei den Händen und sahen sich stumm in die Augen. Wolfrat ließ den Kopf auf die Brust sinken, und Sepha weinte leise vor sich hin.