Nach einer Weile fragte sie: „Wo liegt’s denn?“
„Bei der Mauer im Eck.“
Wieder nach einer Weile: „Hast du das Brettl mit heimgebracht?“
Er nickte.
„Geh, laß mich’s anschauen!“
„Wozu denn? Schau, Seph, was hast du denn davon? Nur daß du dich kümmern mußt!“
„Ich möcht’s aber sehen! Mehr hab ich eh nimmer von ihm als das Brettl.“
Er ging und holte das Totenbrett. „Gelt, schön hat er’s gemacht?“
Sie wischte sich die Tränen aus den Augen, um besser sehen zu können. Mit beiden Händen hielt sie das kleine Brett vor sich hin; um seinen Rand war ein Kränzl gemalt, welches blühende Schneerosen vorstellen sollte; in der Mitte stand, blau und rot, der Name — und darunter ein schwarzes Kreuz. Mit brennenden Augen starrte Sepha die Zeichen an, die sie nicht lesen konnte, von denen sie nur wußte, was sie bedeuten sollten. „Mariele! Mariele!“ Aufschluchzend drückte sie das Brett an ihr Herz und umschlang es mit den Armen.
Abermals verging eine lange, stumme Weile. Dann fragte Wolfrat: „Wie nimmt’s denn der Bub auf? Hat er schon einmal gefragt nach ihr?“