Ein Doppelposten steht vor dem Gartentor, und im Hause sieht man zwei Diener.

Der Tag unter diesem Dache ist militärische Arbeit, Vortrag und Beratung, nur unterbrochen durch den Ausritt zu den Stellungen an der Front.

Mittags speisen die Generale des Stabes mit dem Prinzen, am Abend sind im Wechsel die höheren Offiziere des Kommandos zu einer Tafel von acht oder zehn Gedecken geladen.

Der Salon des abgereisten Besitzers dient als Empfangsraum. Inmitten einer typisch französischen, dem Empirestil nachempfundenen Einrichtung gewahrt man mit Vergnügen zwei Dinge, die gut münchnerisch sind: Adolf Hengelers »Tagebuch von 1914«, jene entzückende, aus vaterländischem Zorn und spielender Ironie geborene Künstlergabe – und auf dem Marmorgesimse des prunkvollen Kamins, zwischen kostbaren Bronzen, liegt neben einer kleinen Spielmarkenschachtel ein heimatliches Remedium für müde Abendstunden, in denen der Kopf sich ausruhen möchte – ein nicht mehr ganz neues Päckchen bayerischer Tarockkarten. – Heimat ist Heimat; bei allem, was in der feindlichen Fremde die Erinnerung an das Heimatliche wachruft, schätzt man das Wertvolle und das Bescheidene mit einander ebenbürtigen Ziffern ein.

Das köstliche Werk Meister Hengelers und diese sechsunddreißig Kartenblättchen hatten für mich, wenn auch nicht die gleiche kunstgeschichtliche Bedeutung, so doch den gleichen Gefühlswert des Augenblickes. Ich empfand so was Ähnliches, wie es unsere Feldgrauen in ihren feuchten und dunklen Lehmhöhlen fühlen, wenn sie ein kleines, zerknittertes, von daheim gekommenes Zettelchen zärtlich streicheln und glätten, um dann leise und inbrünstig zu singen:

»In der Heimat, in der Heimat,

Da gibt's ein Wiedersehn!«

– Während im Empiresalon die paar Gäste sich versammeln, klingt durch die Glaswand des anstoßenden Raumes die Stimme eines vortragenden Offiziers, und manchmal hört man eine rasche und knappe Zwischenfrage des Kronprinzen. Auch diese Worte, wie streng und ernst ihr Klang ist, haben heimatliche Wärme.

Nun kommt er – eine schlanke, straffe Soldatengestalt, lebhaft und elastisch. In der Art, wie er die Gäste begrüßt und mit ihnen plaudert, ist heitere Freundlichkeit.

Sieben Kriegsmonate, die Fülle des Geschehens und der militärischen Verantwortung, wie auch persönliches Erleben und Überwinden haben diesen charakteristischen Fürstenkopf noch schärfer gemeißelt, noch herber geformt. Die blaugrauen Augen sind von einer Ruhe, die wie ein Schleier ist. Doch immer wieder leuchten sie bei raschem Gespräche blitzartig auf, und dann hört man auch immer ein Wort, das man sich merken muß, weil etwas Starkes und Aufrichtendes aus ihm redet.