Seine Worte finden Widerhall in ganz Deutschland und darüber hinaus. Wen er haßt, der sorge dafür, daß er nur bald in Sicherheit komme, sei er ein Dichter oder ein Minister. Natürlich wurde auch ihm von den zünftigen Zeitungsschreibern arg zugesetzt, aber sie hatten doch keine gesetzlichen Mittel, diesen »Eindringling« von einer Tätigkeit auszuschließen, zu der er – wenn einer – den inneren Beruf hat. Anfangs witzelte man natürlich über den »frechen Preßbengel« – Mannhaftigkeit gilt bei uns bekanntlich als Frechheit – jetzt sehen wir ihn umworben von all den Mächten, die man als »tonangebend, maßgebend, autoritativ« oder wie sonst ehrend bezeichnet.

(Große Ursachen – kleine Wirkungen.)

Was uns Harden jüngst mitgeteilt hat, das war für mich mitbestimmend, ja geradezu entscheidend für diese Schrift. Mit Schaudern las ich nämlich die Enthüllungen über die Amtstätigkeit des Herrn von Holstein. Da erfuhren wir, daß ein dem deutschen Volke unbekannter, aber amtlich abgestempelter Mann im Ministerium saß und von da aus das Wetter in Deutschland und Europa machte. Er wünschte auch Krieg mit Frankreich, meinte, daß die Marokkofrage zum Ausbruch Gelegenheit bieten müsse und arbeitete höchst gefährlich auf dieses Ziel hin. Ein dunkler Ehrenmann, nein, ein Giftmischer, der sich

»in Gesellschaft von Adepten
In die schwarze Küche schloß,
Und nach unendlichen Rezepten
Das Widrige zusammengoß.
– – – – – – – – – – – –
Hier war die Arzenei –
Die Patienten starben,
Und niemand fragte, wer genas.

So hat dieser Mann

– – mit höllischen Latwergen
In diesen Tälern, diesen Bergen
Weit schlimmer als die Pest getobt.«

Diesem Manne also hätten wir beinahe einen Krieg mit den verbündeten Engländern und Franzosen zu danken! So Ungeheuerliches wagt bei uns ein angeblich dazu »Beamteter«!

Gut, sagte ich mir, wenn es in Deutschland möglich ist, daß ein einzelner Mann das Leben und Lebensglück von Hunderttausenden, den Bestand unseres Reiches und unseres ganzen Volkes so leichtfertig aufs Spiel zu setzen wagt, wenn er sich durch seine Examina und seine amtliche Tätigkeit den »Befähigungsnachweis« zu einem solchen Verbrechen glaubt erworben zu haben, dann kann ich wahrhaftig mit gutem Gewissen einer Entwicklung unseres öffentlichen Lebens entgegentreten, die solche Gefahren erst möglich macht und aufkommen läßt. Oder muß man sich seine Vaterlandsliebe und das Recht, sie zu betätigen, auch erst auf dem Amte bestätigen und abstempeln lassen?