4. Ihr Völker, die ihr viel gelitten,
Vergaßt auch ihr den schwülen Tag?
Das Herrlichste, was ihr erstritten,
Wie kommt's, daß es nicht frommen mag?
Zermalmt habt ihr die fremden Horden,
Doch innen hat sich 's nicht gehellt,
Und Freie seid ihr nicht geworden,
Wenn ihr das Recht nicht festgestellt.
5. Ihr Weisen, muß man euch berichten,
Die ihr doch alles wissen wollt,
Wie die Einfältigen und Schlichten
Für klares Recht ihr Blut gezollt?
Meint ihr, daß in den heißen Gluten
Die Zeit, ein Phönix, sich erneut
Nur um die Eier auszubruten,
Die ihr geschäftig unterstreut?
6. Ihr Fürstenrät' und Hofmarschälle,
Mit trübem Stern auf kalter Brust,
Die ihr vom Kampf um Leipzigs Wälle
Wohl gar bis heute nichts gewußt:
Vernehmt! an diesem heut'gen Tage
Hielt Gott, der Herr, ein groß' Gericht,
Ihr aber hört nicht, was ich sage,
Ihr glaubt an Geisterstimmen nicht.
7. Was ich gesollt, hab' ich gesungen,
Und wieder schwing' ich mich empor;
Was meinem Blick sich aufgedrungen,
Verkünd' ich dort dem sel'gen Chor:
»Nicht rühmen kann ich, nicht verdammen,
Untröstlich ist's noch allerwärts,
Doch sah ich manches Auge flammen,
Und klopfen hört' ich manches Herz.«
Damit vergleiche man, um sich der Stimmungsgemeinschaft bewußt zu werden, ein modernes Gedicht des Wiener Palamentariers und Schriftstellers Karl Iro:
Entnervt!
Viel deutsches Lärmen und Schreien
Hört man ringsum im Land –
Doch all' die Schreier halten
Beim Schlagen niemals Stand.
Beim Zechen brüllt man sich heiser
Mit deutschem Sing und Sang –
Ruft man zu deutschen Taten
Wird all' den Zechern bang.
Im Geisterkampf der Tage
Ein marklos schwach Geschlecht –
Kein männermutig Streiten
Für Ehr' und deutsches Recht!
Das Tänzeln und Scharwenzeln
Ist jetzt die deutsche Art,
Und Kriechertum und Feigheit,
Die haben sich gepaart!