Sie zeugten im Lotterbette
Den deutschen Volksverrat,
Der geht nun durch die Straßen
Frech schamlos früh und spat.

Wie Stickluft, bleiern und drückend
Liegt's über dem Jammer all',
Kein Aufwärtsjauchzen zur Höhe –
Ein deutscher Sündenfall.

Bräch' doch ein wildes Wetter
In diese deutsche Nacht,
Bis die Gewissen alle
Zum Mahneramt erwacht.

Und auf den deutschen Wangen
Schamröte wieder glüht,
Wenn die entnervte Masse
Des Stammes Elend sieht. –

Ein heiliges großes Ringen
Tut unserem Volke not,
Ein Reitersäbelklingen
Wie einst bei Gravelott'.

Ein blutig Kämpfen und Streiten
Für Ehre, Hab und Gut
Muß durch die Adern treiben
Das alte Heldenblut!

Und aus dem schaurigen Sterben
Ein neu Geschlecht ersteh'n,
Das seinem deutschen Gotte
Kann frei ins Auge seh'n.

Das wieder groß und edel
Und mannhaft, stolz und stark –
Ein Hüter und ein Schirmer
Der freien deutschen Mark.

Heuerts 1906. (Unverfälschte deutsche Worte. 5. Heft 1906. Wien.)

Es wäre unmännlich und feig, all die Sorgen und Befürchtungen zu verschweigen, die uns heute beunruhigen. Deshalb fort mit allen Bedenken! Es hat jeder Bürger das Recht, »Feuer!« zu rufen und Löscheimer herbeizuschaffen, wenn er aus dem Dachstuhle Rauch aufsteigen sieht. Noch schlagen zwar im deutschen Reichsbau die Flammen nicht empor, aber im Nachbarhause wütet der Brand, und das wissen wir klassisch Gebildeten ja aus Vergil, daß es um unsere Sache geht, wenn die nächste Wand brennt. – Bei uns herrscht jetzt doch auch eine gar schwüle, drückende Luft. Es ist, als ob es heimlich schon unter den Dielen schwele. Wie leicht schlägt die Flamme über, wenn sie so aufgehäuften Zündstoff findet!