Wir kennen alle Rousseau, Pestalozzi, Fröbel – wer aber im deutschen Volke weiß etwas von den Beamten, die diese Männer von Staats wegen bewachten, zum Teil sogar verfolgten und peinigten? Viel schon, wenn wir noch ihre Namen kennen.
Wie hell leuchten die Namen der Arbeiter auf allen Feldern geistigen Lebens! Wie geachtet leben in dem Andenken der Menschen die Entdecker auf den Gebieten der Wissenschaft und Technik, der Chemie, der Physik, alle Bahnbrecher unter den Naturforschern, Ärzten, alle Schöpfer neuer Werte unter den Künstlern, den Malern, Bildhauern, Architekten, Musikern, Dichtern, Kunstschriftstellern, Lehrern und Predigern: wie selten haben sich Verwaltungsbeamte um die Menschheit gleiche Verdienste erworben! Woher nehmen also diese Staatsdiener das Recht und die Anmaßung, unser Volk zu schulmeistern und unwürdig zu behandeln!
Als im vorigen Jahre Prof. Lehmann-Hohenberg im Berliner Architektenhause einen Vortrag über »Reform der deutschen Rechtspflege« hielt, nahmen zwei Polizisten neben dem Redner Platz. Ja, leben wir denn in einem Zuchthaus? Sind alle deutschen Männer unter polizeiliche Aufsicht gestellte entlassene Sträflinge? Muß man das alles schweigend ertragen?
Ich sagte in jener Versammlung selbst, die nur ehrbare stille Bürger und Bürgerinnen, nur Menschen von gesellschaftlicher Kultur besucht haben, daß ich nicht begreifen könne, wie man uns von Staats wegen eine solche Behandlung antue. Engländern dürfte man so etwas nicht bieten.
Die Polizei mag in solchen Fällen vor der Türe warten, ob wir ihre Hilfe wünschen und, falls wir klingeln, hereinkommen, aber recht schnell, recht bescheiden. Das wäre eher ihres Amtes.
Unsere Beamten haben dem Volke zu dienen. Minister ist ein lateinisches Wort und heißt Diener. Man sollte zur Aufklärung des deutschen Volkes diese deutsche Benennung wieder einsetzen: »Kgl. preußischer Diener für Bauwesen etc.«.
Es wird gut sein, in einer Zeit, die das preußische Volk wieder zu den trübsten Besorgnissen nötigt, an die harten Verfolgungen zu erinnern, die treue, edle, fleißige, fromme Vaterlandsfreunde von seiten einer geistlich erleuchteten Regierung zu erdulden hatten. Wir müssen uns mit Proben begnügen, denn sonst entstände uns unter der Feder ein starker Band. Also ein Glanzstück!
Als Lützower Jäger kämpfte Friedrich Fröbel für die Befreiung seines Vaterlandes. Als ihm Körners Tod gemeldet wurde, verband er sich im Felde mit zwei Freunden unter Schwüren, dem heiligen Gedanken treu zu bleiben, deren Erkenntnis ihm im Kriegsgetümmel aufgegangen war, ihr Leben der Erziehung der kleinen Kinder zu weihen, dafür zu arbeiten »daß das Christentum Wahrheit werde«. Er arbeitete dann demgemäß mit beiden Freunden an seiner Schöpfung, dem Kindergarten in Keilhau, und brachte ihn zu Ansehen und zur Blüte.
Seine Grundsätze lauteten: »Alle Erziehung, soll sie Frucht bringen, muß sich auf Religion gründen« – »Alle und jede Erziehung, die sich nicht auf die christliche Religion, auf die Religion Jesu gründet, ist mangelhaft und einseitig.« Ich halte diesen Ausspruch selbst für mangelhaft und einseitig, aber einerlei, er beweist jedenfalls Fröbels streng christliches Denken und Fühlen.
Und so sah man denn diesen Mann mit dem reinen Kinderherzen täglich unter Kindern von 3–6 Jahren auf der Wiese spielen und umherhüpfen, daß ihm die langen Haare und die Rockschöße flogen und die Leute stehen blieben, um über den Narr zu lachen. Er aber ließ sich nicht beirren, in den Kinderherzen den Ausgang seiner Lehre und seines Wirkens zu suchen; das Christentum zur Wahrheit zu machen.