Was aber geschah nun? Auf das Revolutionsjahr von 48 folgte die Demagogenverfolgung, und unser lieber, sanfter Fröbel wurde demagogischer oder sozialistischer Tendenzen beschuldigt. Das damalige preußische Unterrichtsministerium von Raumer verbot aus politischen Bedenken die Kindergärten. Fröbel, für sein schönes, frommes, edles Lebenswerk zitternd, bat in seiner Eingabe mit beigelegten Druckschriften, sich über Geist und Ziele seiner Kindergärten besser zu unterrichten. Vergeblich, »das von mir reichlich erwogene Verbot«, schrieb v. Raumer, »der nach Ihrem System eingerichteten und geleiteten Kindergärten« bleibt bestehen! Und die Gründe? »Ihre beiden Systeme stimmen im wesentlichen darin überein, daß sie dem Christentum entschieden abgewandte Theorien zugrunde zu legen beabsichtigen.« – Hat man je von einem gröberen Blödsinn einer hohen Behörde gehört? Freilich, die Kindchen von 3–6 Jahren trugen langes Haar und Sommer und Winter keine Kittel – entsetzlich!

Die Schulen mußten geschlossen werden; Fröbel, bis dahin ein Mann von jugendlicher Frische und unermüdlicher Rüstigkeit, war im tiefsten Lebensnerv getroffen, da er sein Werk dahinsinken sah, und starb bald an gebrochenem Herzen.[13]

So wurden deutsche Männer, die für ihr Volk mit ihrem Herzblute stritten, rangen und litten, von ihrer Regierung behandelt! Wer mochte sich da noch aufrecht erhalten?

Aber getrost! Es gibt noch einen Richter, dem selbst preußische reaktionäre Minister sich beugen müssen: das Urteil der künftigen Geschlechter, das Zeugnis der Gerechtigkeit, Wahrheit, Mannhaftigkeit.

Das sinnlose Verbot gegen die Kindergärten mußte in den sechziger Jahren aufgehoben werden. An Fröbels Grab sprach Pfarrer Rückert die stolzen Worte, die ihm jetzt die ganze gebildete Welt aus Überzeugung nachspricht: »Hier ruht ein großes, edles Herz von seiner Arbeit. Er hat gearbeitet für die früheste Kindheit und für die späteste Zukunft, gearbeitet auf Hoffnung, und seine Hoffnung war nicht verloren.«

In allen Städten der Erde blühen Fröbelsche Kindergärten auf, ein Strom des Segens ergießt sich von ihnen auf die Kindheit und damit auf die ganze Menschheit, die Ehre des kleinen närrischen Schulmeisterleins, den der Unwille des Ministers mit einem Hauche still machte, ertönt von Mund zu Mund, von Geschlecht zu Geschlecht. Von dem Minister selbst aber gilt, was ich in der neuesten Fröbelbiographie lese: »Er hat sich durch das Verbot der Kindergärten in einer für ihn wenig schmeichelhaften Weise den Ruhm der Unsterblichkeit erworben.«

Wenn man in künftigen Jahrhunderten Fröbels Namen preisen wird, dann, aber auch nur dann, wird man auch den eines engherzigen und beschränkten Ministers nennen, etwa wie man den Namen des Herostratus nennt, der auch einen Tempel, freilich nur einen von kaltem, harten Stein, vernichtete, um sich berühmt – berüchtigt zu machen.

Das sei denen gesagt, die vor jedem Minister in Bewunderung platt auf den Bauch fallen und die im kleinen Schulmeister ein Nichts sehen, eine zum Dienen und Gehorchen bestellte Maschine, ein willenloses Werkzeug höherer behördlicher Einsicht; sei allen denen gesagt, die da meinen, ein Mann sei gerichtet und vernichtet, wenn sich ihm die Gnadensonne des hohen Vorgesetzten entzieht; sei all den Unmännlichen gesagt, die im Leben nie aus der Schulbubengesinnung herauskommen, nicht leben können ohne ein Wohlverhaltungszeugnis ihres Meisters, die verstummen, sowie sich ein Urteil oder Wille von »autoritativer Seite« kund tut; sei all den feigen und kriechenden Schranzen gesagt, die wie hungrige Hunde die Ministerien umschleichen und gierig nach Gnadenbrocken schnappen; sei allen denen gesagt, die das stolze Wort des Obersten von Butler noch nicht an sich selbst erlebt haben:

»Ein jeder gibt den Wert sich selbst. Wie hoch ich
Mich selbst anschlagen will, das steht bei mir.
So hoch gestellt ist keiner auf der Erde,
Daß ich mich selber neben ihm verachte.
Den Menschen macht sein Wille groß und klein.
Und weil ich meinem treu bin, muß – – –«