Abb. 23. Schwarzwälder Uhrmacher.
Nach einer Photographie von M. Ferrars in Freiburg. (Zu [Seite 45].)

An den sanften Böschungen der frei aufragenden Erhebungen strömt die kalte, schwere Luft fast unmerklich langsam ab und gelangt mit beinahe unveränderter Temperatur in die Tiefen. Zu ihrem Ersatz sinken die oberen Luftschichten rasch vertikal abwärts, wobei sie sich stark verdichten, erwärmen und gleichzeitig ihre relative Feuchtigkeit ganz wesentlich vermindern. Daher haben wir oben ansehnliche Luftwärme, die unter dem herrlichsten blauen Himmel tagsüber durch die Wirkung der Strahlungswärme am Boden noch bedeutend gesteigert wird; gleichzeitig erfreuen wir uns der entzückendsten Klarheit der Luft, die uns die wunderbarsten Fernsichten gestattet. Unten in den Niederungen dagegen herrscht gleichzeitig meist grimmige Kälte unter bleierner Nebeldecke, die bei den Bewohnern der Tallandschaften meist nicht ahnen läßt, daß weiter oben der Winter so gut wie wirkungslos ist. Dieses Hochdruckswetter mit Temperaturumkehr ist in unserer Gegend erst seit dem strengen Winter 1879/80 allgemeiner bekannt geworden. Wie in solchem Falle die Wetterlage sich gestaltet, mag ein Beispiel veranschaulichen. Die mittlere Tagestemperatur war 1898 am

16. Januar: in Höchenschwand +3,9°, in Karlsruhe -2,0°
17. +2,7°, -3,3°
18. +1,9°, -3,8°
19. +2,7°, -3,9°
20. +3,9°, -0,6°

Der Unterschied steigt also bis auf 6,6° an. Noch bezeichnender ist folgende Zusammenstellung aus dem Jahre 1888:

Monatsmittel
des Dezember, ° C

18. Dezember

Normal

1888

Größte
Wärme,
° C

Niedrigste
relative
Feuchtigkeit

Todtnauberg, 1022 m

–1,4

+3,3

+11,1

25%

Schopfheim, 385 m

–0,9

–0,4

+ 1,9

74%

Karlsruhe, 127 m

+0,8

+0,2

– 2,5

78%

In neuerer Zeit hat sich nicht zum wenigsten auch unter der Einwirkung der Wärmeumkehr ein lebhafter Winterhöhensport, besonders der des Schneeschuhlaufens, mächtig entwickelt, und die früher monatelang vereinsamten Berggasthäuser haben jetzt vom Dezember zum März vielfach mehr Besuch als vor zwei Jahrzehnten noch im Juli und August.

Abb. 24. Stickereien vom Schwarzwald. Aus der Sammlung Spiegelhalter.
Nach einer Photographie von M. Ferrars in Freiburg. (Zu [Seite 46].)