Umfaßt die Zeit vom ersten bis zum letzten Schneefall eines Winters am Rand der Rheinebene im Mittel 140 Tage, so steigt sie am Feldberg auf 246 Tage an (22. September bis 26. Mai), und die Schneedecke, welche da oben bis 2,6 m mächtig wird und an steilen Gehängen ganz prachtvolle Wächten bildet ([Abb. 9]), dauert natürlich mit Unterbrechungen im Herbst und Frühwinter rund 200 Tage; in karartigen Nischen des hohen Gebirges, die der Sonnenstrahlung unzugänglich sind, schmilzt der letzte Schnee manchmal erst Ende Juli.

Die Bewässerung.

Die so stark schwankende Niederschlagsmenge ist in Verbindung mit der geologisch bedingten Veränderlichkeit in der Durchlässigkeit des Bodens eine der bestimmendsten Ursachen für die Menge und räumliche Verteilung des fließenden Wassers. So erklärt es sich, daß die Flußdichte, d. h. die Länge der Wasserläufe, auf die Flächeneinheit bezogen, am Westabhange des Schwarzwaldes viermal so groß ist als am Ostabhang. Der abtragenden und zerstörenden Wirkung des fließenden wie des abspülenden Wassers ist also auf der dem Rhein zugekehrten Seite des Gebirges ein viel größerer Spielraum gewährt, woraus es sich wesentlich mit erklärt, daß diese Westseite reicher gegliedert und in ihrem Relief mannigfaltiger gestaltet ist als die Ostseite. Daß viele Wasserläufe der Westseite ihre Quellregion an den Ostabhang der Haupterhebungen vorgeschoben haben und ihre Täler im Oberlauf als Durchbruchstäler erscheinen lassen, ist mit auf diese Ursache zurückzuführen. Auf diese Weise wird der scheinbar unregelmäßige Verlauf der hauptsächlichsten Wasserscheiden, das Überspringen derselben von einem Kammstück auf ein anderes verständlich. Am interessantesten in dieser Hinsicht ist der Anteil des Schwarzwaldes an der europäischen Hauptwasserscheide zwischen Rhein und Donau oder Nordsee und Mittelmeer.

Abb. 28. Bauernhäuser des siebzehnten, achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts.
In der Mitte der Rauferhof (bei Lenzkirch) vom Jahre 1686.
Nach einer Photographie von M. Ferrars in Freiburg. (Zu [Seite 46].)

Während die Wutach vom Feldberg erst weit nach Osten fließt, um dann bei Achdorf nach Südwesten umzubiegen, und während auch die Nebenflüsse der Kinzig, nämlich Gutach und Schiltach, ihre Quellgebiete östlich von bedeutenden Hauptkämmen des mittleren Schwarzwaldes liegen haben, drängt sich zwischen diese Flußsysteme das der Donau stark nach Westen, so daß die vorgeschobensten Punkte, von denen das Wasser dem Schwarzen Meer zueilt, vom Rand der Rheinebene keine zwanzig Kilometer entfernt liegen. Eigentlichen Gebirgskämmen von ansehnlicher Höhe folgt diese Wasserscheide nur auf der ziemlich kurze Strecke vom Höchst bei Neustadt bis zur Sommerau über Triberg, vorher und nachher ist sie mancherorts kaum nachweisbar, so unmerklich zieht sie über einförmige Hochflächen von verschwindend kleiner Neigung.

IV. Pflanzengeographisches.

A

ls ursprüngliche Vegetationsform des Schwarzwaldes im großen und ganzen ist für die Zeit, in welcher der Mensch zuerst anfing, die natürlichen Verhältnisse des Gebietes zu beeinflussen, ebenso wie im übrigen nordalpinen Europa der Wald zu betrachten. Aber selbstverständlich ist heutzutage, nachdem zahlreiche Generationen von Bewohnern über unsere Landscholle hingegangen sind, die Dichte und Art der Bewaldung im einzelnen nicht nur von der Höhe, Bodenform und Bodenbeschaffenheit, vom Klima und der Bewässerung abhängig, sondern auch von der Dauer und Intensität der menschlichen Besiedlung. Wenn nun in Baden 37% und in Württemberg 31% der Landesfläche bewaldet erscheinen, so sind das schon recht hohe Werte. Unser Gebirge ist aber noch wesentlich besser daran.