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GRÖSSERES BILD]

Diese so interessante Reliktenflora aus der Eiszeit weist auf einstige Beziehungen zu den Florengebieten der Alpen hin, und es erscheint auch wohl begreiflich, daß sie viel Gemeinschaftliches mit den Hochvogesen hat. Manche Einzelheit ist aber doch nicht aufgeklärt. Warum fehlt z. B. die Soldanella in den Vogesen, und warum sind die hier ansehnlich verbreiteten Arten Anemone alpina und narcissiflora, Viola alpestris, Androsace carnea dem Schwarzwalde fremd? Vielleicht ist es berechtigt, die Vogesen noch lange nach ihrer orographischen Trennung vom Schwarzwalde als im floristischen Ausstrahlungsgebiet der Pyrenäen gelegen anzunehmen, während für unser Gebirge die Annahme einer derartigen Verbindung nicht zulässig erscheint. Wie dem auch sei — der Wanderer, der auf unsern Höhen nicht achtlos Fuß vor Fuß setzt, wird viel Befriedigung daran finden, wenn er seinen Blick nicht nur in die Ferne schweifen läßt, sondern auch dem Nächsten, was sein Auge trifft, den zarten Kindern Floras, freundliche Aufmerksamkeit schenkt, und das um so mehr, als er unter ihnen wirklich seltene und in ihrer eigenartigen Verbreitung höchst beachtenswerte Erscheinungen treffen kann, wenn er nur mit dem nötigen Eifer und einigem Geschicke sucht und gelegentlich sich das Abweichen von den gebahnten Wegen der Allgemeinheit nicht verdrießen läßt.

V. Die Bevölkerung des Schwarzwaldes.

Bevölkerung bis zur Römerzeit.

D

ie Ortslagen prähistorischer Fundstätten gestatten ziemlich sichere Schlüsse über die Besiedlungsgeschichte des Schwarzwaldes. Aus der älteren Steinzeit stammen die im Löß der Rheinebene bei Munzingen, im Keßlersloch bei Schaffhausen und am Schweizersbild ebendaselbst gefundenen, zum Teil unveränderten, zum Teil bearbeiteten Renknochen und -geweihe, sowie Steinwerkzeuge, Tonscherben und Holzkohlen. Neben diesen zeitlich ersten Spuren des menschlichen Daseins nahe dem Schwarzwaldrande sind die zahlreicheren Reste aus der jüngeren Steinzeit und der älteren Metallzeit bedeutungsvoll, die aus den Pfahlbauten nicht nur des Bodensees, sondern auch aus denen der Baar auf uns gekommen sind, jener Hochfläche an der jungen Donau, deren ausgedehnte Ried- und Moorbildungen für Pfahlbauniederlassungen gut geeignet erscheinen mußten. Waffen, Geräte und Schmucksachen derselben Art wie in den Pfahlbauten, aber fern von solchen gefunden, z. B. bei Unadingen im Westen von Donaueschingen, bei Istein unfern Basel, bei Ettlingen in der Karlsruher Gegend, sind beweiskräftig für die Auffassung, daß die jüngere Steinzeit den Schwarzwaldrand besiedelt sah, und zwar von einem Volke mit nicht zu verachtendem Kulturbesitz. Welcher Rasse dasselbe angehörte, wird nicht mit Bestimmtheit zu sagen sein, und auf Hypothesen einzugehen, ist hier nicht der Ort.

Die vorrömische Metallzeit, die wir aus Ringwällen, Hochäckern, Urnenfeldern, Flach- und Hügelgräbern kennen, läßt uns in der geographischen Verbreitung ihrer nicht seltenen Spuren den Fuß und die Vorhöhenzone des Gebirges fast in seiner ganzen Grenzlänge verhältnismäßig dicht besiedelt erscheinen; wir finden die Bewohner dieser Zeit, die wir als Kelten bezeichnen, vergleichsweise hoch entwickelt nach der Art, wie sie Ackerbau, Viehzucht, Gewerbe, Handel und Verkehr trieben. Beim Eindringen der Römer sehen wir die Kelten zum größten Teil durch jene Germanen vertrieben, die unter Ariovist durch Cäsar vom linken auf das rechte Rheinufer zurückgedrängt worden waren, aber bald nachher mit Marbod nach Nordosten abzogen, um der drohenden römischen Vergewaltigung zu entrinnen.

So war, als die Römer anfingen, sich häuslich im Lande einzurichten, dessen Bewohnerzahl sehr gering. Doch bestand damals schon der Gegensatz zwischen einer kleinen, brünetten, schwarzhaarigen, dunkeläugigen Rasse und einer großen, blonden hellhäutigen, blauäugigen. In der ersteren erkennen wir unschwer die verscheuchten Keltenreste, die soweit als möglich in die Täler des Gebirges eingedrungen waren und so den Grundstock zur späteren eigentlichen Schwarzwaldbevölkerung abgeben konnten, in der anderen die Germanen.