Abb. 38. Säckingen. Nach einer Photographie von G. Röbcke in Freiburg. (Zu [Seite 55].)
Römische Reste in großer Zahl geben Kunde von den zum Teil glanzvollen Niederlassungen der südlichen Eroberer, die bis ins vierte Jahrhundert hinein in unseren Gebieten weilten. Längs der Heerstraße von Vindonissa (Windisch) an der Aare nach Arae Flaviae (Rottweil) am Neckar, die den Rhein bei Zurzach überschritt, dann im oberen Rheintal von Waldshut bis Basel, am westlichen Gebirgsrande von hier bis Ettlingen und Pforzheim haben wir an Straßen, Brücken, Befestigungen, Militärstationen, Kultusstätten, Bädern, Ziegeleien, Villen eine so große Menge, daß wir uns von der römischen Machtentfaltung und Kultur im Oberrheingebiet ein deutliches Bild machen können. Das Gebirge hieß Silva Abnoba und war der Diana Abnoba geweiht; einer ihrer Altäre steht im wohlerhaltenen Römerbade zu Badenweiler, das an Glanz den Thermen von Aquae Aureliae (Baden-Baden) wohl nur wenig nachgestanden hat.
Alemannen und Franken.
Das innere, höhere Gebirge war von den Römern nicht besetzt, vielmehr ist erst die nachrömische, alemannische Besiedlung der Ausgangspunkt der heutigen Volksverteilung geworden. Des Frankenkönigs Chlodwig Sieg zwang 496 die Alemannen, sich auf das Gebiet im Süden der Murg und Oos zu beschränken und die fränkische Hoheit anzuerkennen. Bis zur heutigen Stunde wirkt jene Katastrophe mit ihren Folgen nach; im Norden von Baden und Rastatt, im „Unterlande“, herrscht die fränkische Mundart, im Süden, dem „Oberlande“, die alemannische, die durch den trefflichen Johann Peter Hebel, einen Sohn des Schwarzwälder Wiesentals, in die Literatur eingeführt wurde und vom nördlichen Schwarzwalde ab über den Rhein hinüber durch die ganze deutsche Schweiz bis zum Fuße des Monte Rosa gesprochen wird, freilich mit mancherlei, nur dem vertrauten Ohre merkbaren Abänderungen. Die Schwaben im Osten des Gebirges sind mit ihren westlichen Nachbarn, den Alemannen, als eine größere ethnographische Einheit aufzufassen, deren Glieder sich eigentlich nur mundartlich unterscheiden.
Abb. 39. Isteiner Klotz.
Nach einer Photographie von Dr. Hoek in Freiburg. (Zu [Seite 64].)
Aus der Zeit der Frankenherrschaft stammt die Einteilung in Gaue: Pfinzgau, Ortenau, Breisgau, Albgau, Klettgau, Baar; Siedlungen und Kultur jener Tage kennen wir aus den fränkisch-alemannischen Reihengräbern, die in der Baar, auf den Randhöhen des südöstlichen und südlichen Schwarzwaldes und in der westlichen Vorhügelzone weit verbreitet sind. Doch auch in dieser Periode war der hohe Schwarzwald noch unbewohnt. Interessant ist, daß unter 100 Schädeln der entsprechenden Gräberfunde 69 reine Langköpfe (Germanen), 9 Rundköpfe (Kelten) und 22 Misch- oder Übergangsformen gefunden werden, während das heutige Geschlecht nur noch 16% Lang-, dagegen 32% Rundköpfe und 52% Zwischenstufen aufweist. Der Schwarzwald erscheint hiernach als Ausstrahlungspunkt von keltischen Rundköpfen, deren Träger seit der Periode der Reihengräber sich stark vermehrten, aus dem Gebirge heraustraten und sich mit den langköpfigen Germanen, den jüngeren Ansiedlern, vermischten.