Volksverteilung.
In späteren Zeiten sind durch die Bedürfnisse der Waldarbeiter, Glasbläser usw. gelegentlich wohl noch da und dort kleinere Orte neu entstanden, aber im großen und ganzen hat sich die Volksverteilung seit lange nur noch der Zahl nach verschoben, aber nicht mehr hinsichtlich des Bildes ihrer geographischen Ausbreitung. In bezug auf diese geographische Verteilung der Schwarzwaldbevölkerung muß vor allen Dingen eines Verwunderung erregen, nämlich ihr weites Vorrücken nach oben. Während in den Vogesen das höchstgelegene Dorf, Altweiler, sich zwischen 800 und 900 m ausbreitet, zieht sich Hofsgrund im Schwarzwald bis gegen 1150 m hinauf, und abgesehen von dem das ganze Jahr bewohnten Touristenhaus des Feldberger Hofes mit 1278 m ist der Rinkenhof in dessen Nähe mit 1200 m Meereshöhe die höchstgelegene alte Siedlung des Gebirges. Im Gegensatz zu den Vogesen mit ihrem ausgeprägt schmalen, steilabfallenden, darum auch verkehrsfeindlichen Hauptkamm neigt der Schwarzwald weithin zur Hochflächenbildung; er setzt hiernach dem Verkehr wie der Bewohnbarkeit nach seiner orographischen Gestaltung keine allzugroßen Hindernisse in den Weg. Längst ist er darum zu einem straßenreichen Durchgangsland geworden, und wie sich die Volkszahl zur Höhenlage der Wohnsitze verhält, ist aus folgender Zusammenstellung ersichtlich:
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Einwohner überhaupt | in Proz. | auf 1 qkm | |
| unter 200 m | 17000 | 4,5 | 300 |
| 200–400 m | 221000 | 56,4 | 165 |
| 400–600 m | 60000 | 16,0 | 43 |
| 600–800 m | 41000 | 11,0 | 37 |
| 800–1000 m | 40000 | 10,7 | 37 |
| 1000–1200 m | 5000 | 1,4 | 13 |
| Summa | 374200 | 100,0 | 69 |
Diese einer Untersuchung aus dem Jahre 1892 entnommenen Angaben beziehen sich nur auf den badischen Schwarzwald; entsprechende Zahlen für den württembergischen Gebirgsanteil würden die höheren Stufen noch schwerer ins Gewicht fallen lassen.
Abb. 44. Inneres von St. Trudpert.
Nach einer Photographie von G. Röbcke in Freiburg. (Zu [Seite 70].)
Siedlungsverhältnisse.
Leicht wird den zahlreichen Bewohnern des hohen Schwarzwaldes der Kampf ums Dasein nicht, und er ist es auch niemals gewesen. Schon früh machten sich die Folgen der zu dichten Besiedlung, wie sie von den Klöstern nach und nach durchgeführt worden war, in zu geringem Ausmaß der bäuerlichen Lehen unangenehm fühlbar, und manche schwere Katastrophe im Wirtschaftsleben führte allmählich zur Einführung des Anerbenrechtes, das sich zum Hofgüterrecht ausbildete, wonach im Interesse der Erhaltung des Besitzes und um die zu weitgehende Parzellierung zu verhindern, der bäuerliche Hof ([Abb. 14]) vom Vater auf den jüngsten Sohn oder die älteste Tochter übergeht, während die übrigen Geschwister mit Abfindungsgeldern sich begnügen müssen. Sie werden Knechte, Mägde, Tagelöhner, heiraten auf andere Höfe oder wenden sich der Industrie zu, und diese hat auf dem Schwarzwalde längst eine ruhmvolle Heimstätte erworben. Ohne sie wäre seine heutige dichte Bevölkerung undenkbar. Hinsichtlich des Erwerbslebens der Schwarzwälder mag daran erinnert werden, daß neben dem naturgemäß längst nicht mehr genügend ergiebigen Ackerbau — Brotfrucht wird überall gekauft — die Viehhaltung eine hohe Bedeutung erlangt hat. Milch, Butter und Käse geben sichere Einnahmen, deren Wertschätzung die Schwarzwälder Viehzucht durchweg auf eine mustergültige, weitum anerkannte Höhe brachte, die zu erhalten die Organe des Staates, der Kreise und Gemeinden aufs lebhafteste bemüht sind.
Die Jagd kann zumeist als eine gute bezeichnet werden. Sie erstreckt sich auf Rot- und Damwild, Rehe, Hasen, auch Füchse, Dachse, Marder, Wildschweine, Fischottern, auf Auer- und Birkhähne, Fasanen, Rebhühner, Enten usw. Die Fischerei gewinnt im Oberrhein den vielbegehrten Lachs, die vielen Gebirgsbäche mit ihrem beweglichen reinen Wasser beherbergen die muntere Bachforelle, wohl den köstlichsten aller Fische, dessen Erhaltung durch die Wirksamkeit mehrerer Fischzuchtanstalten gewährleistet wird.