Abb. 45. Scharfenstein.
Nach einer Photographie von G. Röbcke in Freiburg. (Zu [Seite 70].)

Der Schwarzwälder Bergbau spielte früher eine wichtige Rolle. Mancherlei Gänge im Urgestein, gern an dessen Verwerfungsspalten geknüpft, spendeten Kupfererze, z. B. im Kinziggebiet, silberhaltigen Bleiglanz an sehr vielen Orten, so bei Badenweiler, Sulzburg, im Wiesen- und Münstertal, bei Freudenstadt; Eisenerze verschiedener Art wurden einst abgebaut bei Pforzheim und Kandern, an der Oberen Alb und im Wutachtal; Kobalt gab es im Kinzigquellgebiet, Nickel bei St. Blasien usw. Eisenschmelzen bestanden in ansehnlicher Zahl, doch gingen sie seit etwa fünfzig Jahren alle ein bis auf die von Friedrichstal und Christophstal bei Freudenstadt. Am Erzkasten (Schauinsland) bei Freiburg, der von seinen alten Gruben den Namen hat, ist seit kurzem ein in großem Stil betriebenes Erzwerk auf Zinkblende und silberhaltigen Bleiglanz wieder eröffnet worden. Steinkohle (Anthrazit) lieferte bis zur jüngsten Zeit in bescheidenem Umfang das einzige Kohlenbergwerk Badens bei Berghaupten (Offenburg). Salz spendet in reichem Maß die Saline Dürrheim im Muschelkalk bei Villingen.

Abb. 46. An der Schützenbrücke in Donaueschingen.
Nach einer Photographie von H. Schönbucher in Donaueschingen. (Zu [Seite 72].)

Nicht hoch genug kann der Wert des Schwarzwaldes an Mineralquellen und Thermen angeschlagen werden. Seit den Römerzeiten haben sie Erholungsbedürftige von allen Seiten angezogen und durch die Geheilten ihren Ruhm und den der landschaftlichen Schönheit ihrer Umgebung nach allen Richtungen der Windrose getragen. Ihnen verdankt unser Gebirge zweifellos die ältesten Anregungen, die allmählich zur Entwicklung der jetzt so blühenden Fremdenindustrie führten und heute Hunderttausende anziehen, sei es in den Zaubergarten des Weltbades, das unserem Lande den Namen gab, sei es in irgendein anderes der kleineren, aber um so anheimelnderen Bäder im stillen Waldesfrieden ihrer lauschigen Landschaft.

Daß schon früh die Knappheit der natürlichen Lebensbedingungen den Schwarzwälder zu gewerblicher Tätigkeit zwang, ist bereits angedeutet worden. Waldarbeit, Holzflößerei, Kohlenbrennen ([Abb. 13], [15], [16], [17]), Harzgewinnung, Betrieb von Sägemühlen mit dem typischen oberschlächtigen Wasserrad ([Abb. 18]), Küblerei und Verfertigung kleiner Holzgeräte allerart, auch Strohflechterei ([Abb. 19]), das waren die nächstliegenden Beschäftigungen von alters her. Das Flößen, Brennen und Harzen ist fast völlig verschwunden, die vielbesungenen kleinen Sägewerke am rauschenden Wildbach sind an vielen Orten von großen fabrikmäßig betriebenen Schneidemühlen abgelöst worden, zu denen sich leider nur allzu häufig Zellstoffabriken gesellt haben. Die „Holzschneflerei“ wird immer noch viel geübt, besonders in Bernau und überhaupt in der weiteren Umgebung von St. Blasien. Mit der Zeit entstand die Industrie der Zunderbereitung und Bürstenherstellung, hauptsächlich am Südfuße des Feldberges, dazu kommen Blechlöffelschmieden, an die das „Löffeltal“ bei Hinterzarten schon durch seinen Namen gar deutlich erinnert, ferner Glasbläsereien — der Ortsname „Glashütten“ ist stark verbreitet ([Abb. 20]) —, Granatschleifereien u. a. m. Am berühmtesten ist aber die Schwarzwälder Uhrenmacherei geworden.

Der Glashändler Lorenz Frey brachte 1683 eine Holzuhr von der Wanderschaft nach Hause, und seither entstand aus kleinsten, ärmlichsten Anfängen auf den Höhen von Waldau und Umgebung eine Hausindustrie, die sich durch ihren überall hin tätigen Hausierhandel ([Abb. 21]) seit etwa 1750 Weltruhm verschaffte. Jetzt sind an Stelle der Holzwerke ([Abb. 22]) längst die feinsten Präzisionsuhren getreten. Die Hausindustrie ([Abb. 23]) ist mehr und mehr in den Dienst großer Fabriken getreten. Das Gebiet der Uhrmacher dehnt sich von Triberg und Schramberg bis nach Neustadt und Lenzkirch aus, beschäftigt Tausende von fleißigen Händen und setzt dem Werte nach alljährlich viele Millionen Mark um. Aus den Spieluhren entwickelten sich die Orchestrions, die heute in großer Zahl von den stillen Schwarzwaldhöhen ihren Weg in die weite Welt, besonders nach Rußland und Amerika einschlagen; auch die Herstellung von physikalischen, besonders elektrischen Apparaten und anderen Erzeugnissen der Feinmechanik ist hoch entwickelt.

Abb. 47. Die Donauquelle.
Nach einer Photographie von H. Schönbucher in Donaueschingen. (Zu [Seite 72].)