Abb. 53. Der Titisee. Nach einer Photographie von Ph. Bussemer in Baden. (Zu [Seite 78].)
Abb. 54. Titisee-Moräne. (Zu [Seite 78].)
Die strategische Bahn.
Um den bedeutenden Höhenunterschied zum Rhein hinab zu überwinden, muß unsere strategische Bahn, die in Rücksicht auf die Schnelligkeit und Sicherheit großer Truppentransporte in der Richtung auf die burgundische Pforte kein stärkeres Gefälle als 1 : 100 hat, eine Luftlinienentfernung von 9,6 km auf eine Streckenlänge von 23 km ausdehnen, sie macht also, bis sie die Talsohle der untern Wutach gewinnt, ungeheure Schleifen, darunter in dem 1700 m langen Stockhalden-Kehrtunnel eine solche über sich selbst weg. Die Strecke bis nach Weizen hinab ist eine Gebirgsbahn allerersten Ranges und steht an Schwierigkeit der technischen Probleme, welche der Bau in den hier weit verbreiteten weichen Tonen und Schiefern der Juraformation stellte, kaum der Albula- oder Gotthardbahn nach. Die Viadukte bei Epfenhofen und Fützen ([Abb. 32]), die Wutachbrücke unterhalb Blumegg, die überraschenden Ausblicke über weite Hochflächen und dann wieder in die schauerliche Gebirgswildnis, die bei den zahlreichen Richtungsänderungen der Linie ununterbrochen wechseln, machen diese im höchsten Grade interessant.
Bei Weizen zweigt die neue, bei dem Städtchen Stühlingen, das von dem Schlosse Hohenlupfen überragt ist, die alte Landstraße nach Bonndorf und damit auf den hohen Schwarzwald ab, deren Fortsetzung um den Juraklotz des Randen herum nach Schaffhausen gerichtet ist; vor der Eisenbahnzeit war diese Straße eine der wichtigsten von Freiburg und der Rheinebene her nach Südosten. In dem nun einförmiger gewordenen Wutachtal ist bald die Station Oberlauchringen an der Linie Konstanz-Schaffhausen-Basel, und bald darauf das Städtchen Thiengen erreicht, von wo es nun hoch über dem nahen Rhein nach Waldshut geht ([Abb. 33]), nachdem man kurz vor der Einfahrt in den Bahnhof gerade gegenüber der Aaremündung einen schönen Blick in die Schweiz hatte, bei klarem Wetter auch einen solchen auf die Eishäupter der Alpen.
Waldshut.
Von Waldshut führen Bahnlinien über Winterthur in die Ostschweiz, über Baden im Aargau nach Zürich und am linken Flußufer hin nach Basel, wozu natürlich noch die rechtsrheinische, direkte Linie Konstanz-Basel kommt. Da außerdem die Wutach und ihre Zuflüsse, sowie manche kleinere Tälchen eine ansehnliche Zahl von Zugängen zum inneren Schwarzwald eröffnen, so ist Waldshut, das heute gegen 4300 Einwohner zählt, seit alters ein wichtiger Mittelpunkt für die Umwohner geworden und hat neben den drei anderen „Waldstädten“ am Oberrhein, Laufenburg, Säckingen und Rheinfelden, in der Geschichte der Landschaft stets eine bedeutsame Rolle gespielt. Die Hauptstraße macht einen sehr malerischen, altertümlichen Eindruck, der durch Türme und Tore, Stadtmauer und Graben noch stark gehoben wird. Die freien Ausblicke von den bequem zugänglichen Höhen der Umgebung, besonders auch der Niederblick auf die grünen Fluten des mächtig hinströmenden Rheins in seinem tiefgegrabenen Bette, bieten eine Fülle schönster Bilder.