Abb. 68. Zipfelhof im Bärental mit dem Feldberg.
Nach einer Photographie von Dr. Hoek in Freiburg. (Zu [Seite 95].)
Der Isteiner Klotz.
Nun geht es weiter durch eine kleine weingesegnete Ebene voll stattlicher Ortschaften, alles beliebte Ausflugsziele für die Basler, bis sich im Jurakalkrücken des Isteiner Klotzes ([Abb. 39]) das Gebirge unmittelbar zum Rhein vorschiebt und die Bahnlinie zwingt, in drei Tunnels die weißen Felsen zu durchbrechen. Mancherlei Sagen und Legenden knüpfen sich an diesen Punkt, die stimmungsvollste verarbeitete Scheffel zu seinem „Hugido“. Seit etlichen Jahren ist die Felszinne des Isteiner Klotzes in eine starke Befestigung umgewandelt worden, die das Rheinknie und Oberelsaß beherrscht. Damit ist auch die Zugänglichkeit dieses einst so gefeierten Aussichtspunktes unmöglich gemacht worden. Früher gab es hier ein genußreiches Wandern und Klettern, und niemand, der sich Zeit lassen konnte, hat es bereut, von Istein aus den malerischen Felssteig zu benutzen und zu der in die senkrechte Kalkwand hineingehauenen Veitskapelle und weiter in die Höhe hinaufzusteigen, wo seiner die herrlichste Aussicht harrte. Unmittelbar zu Füßen strömt der majestätische Rhein in seinem kanalisierten Bett, läßt aber in zahlreichen Altwassern und Verlandungen sein früheres Überschwemmungsgebiet und zugleich den Gewinn der großen Flußkorrektion erkennen. Darüber hinaus breitet sich das Elsaß aus, überragt vom Wasgenwald und vom nahen Schweizer Jura. Über dem Klotz erhebt sich in nächster Nähe der eigentliche Schwarzwald mit seinen dunklen Waldbergen, an deren Fuß, soweit das Auge blickt, reiche Rebgelände sich anschmiegen.
Abb. 69. Der Feldberger Hof im Winter.
Nach einer Photographie von Dr. Hoek in Freiburg. (Zu [Seite 96].)
Müllheim.
Noch geht’s eine kurze Zeit hoch über dem Rhein hin, dann tritt das Gebirge und mit ihm die Bahnlinie allmählich mehr nach Osten zurück und bald ist Müllheim erreicht, ein behäbiges Landstädtchen, ganz in den rebenbewachsenen Lößhügeln und etwas höher ansteigenden Vorbergen versteckt, zwischen denen sich eine Nebenbahn durchschlängelt, die uns in einem halben Stündchen durch das Klembachtal hinauf nach Badenweiler (427 m) führt.
Das ist nun einer der bevorzugtesten, fast möchte man sagen gottbegnadetsten Punkte des Schwarzwaldes ([Abb. 40]). Er liegt 200 m über der nahen Rheinebene windgeschützt auf einer Terrasse des höher ansteigenden Gebirges derart, daß gar häufig die herbstlichen und winterlichen Nebel der Niederung nicht bis zu ihm hinauf dringen, und daß schon hier sich die Wärmeumkehr der Höhen geltend macht. Dazu kommen die Thermen von 26 bis 28° C, die an der hier durchlaufenden Hauptverwerfungsspalte des Schwarzwaldes austreten und schon vor 1800 Jahren zur Anlage des Römerbades und einer nicht unbedeutenden Siedlung geführt haben. Auch der Bergbau, hauptsächlich auf silberhaltigen Bleiglanz, der längs eines weithin zu verfolgenden Quarzitganges durch lange Jahrhunderte lebhaft blühte, hat einst zur Hebung des Ortes beigetragen. Heute erinnern daran nur noch die den Sammlern von Mineralien bekannten Halden an der Sophienruhe, am Felsen des Alten Mannes über der freundlich gelegenen Kuranstalt Haus Baden und an anderen Orten.
Badenweiler.
Das Landschaftsbild von Badenweiler und Umgebung ist berückend schön. Wandert man durch den wohlgepflegten Kurpark mit seiner überraschenden Fülle von herrlichen Baumgestalten, unter denen viele Vertreter ferner Florenreiche nicht fehlen, wie z. B. prachtvolle Zedern, Wellingtonien, überhaupt Nadelhölzer allerart, so wird man die Geschicklichkeit bewundern, mit welcher hier die an sich schon so schöne Natur wahrhaft künstlerisch noch gehoben worden ist. Bald ist der Hügel erstiegen, auf dem sich weit nach Westen vorgeschoben die Schloßruine erhebt. Das altbadische Herrenhaus wurde 1678, wie so viele andere am Oberrhein in jenen schweren Zeiten, von den Franzosen zerstört und bietet von seiner obersten Warte einen entzückenden Blick auf den gesegneten Gau zu Füßen. Im Osten das Klembachtal, von hohen Waldbergen umrahmt, unter denen der nahe Blauen bis zu 1165 m aufragt, nach Süden die fruchtbare Vorbergzone, unten das Tal mit seinen in Obstgärten verhüllten Ortschaften, dann die weite Rheinebene, der silberglänzende Strom, drüben im Westen das Elsaß mit den schön gezeichneten Bergkonturen der Vogesen.