Abb. 72. Kartrichter am Feldberg und Zastler-Loch mit Zastler-Hütte.
Nach einer Photographie von Dr. Hoek in Freiburg. (Zu [Seite 97].)
Wie im Süden von Badenweiler, so haben wir auch im Norden dieses Kurortes einen reichen Wechsel von lieblichen Landschaftsbildern voll freundlicher Ortschaften in ihrem reichen Garten-, Obst- und Rebenschmuck mit ernsteren Wald- und Berggegenden, die vom Rande der Ebene bis zu den höchsten Kämmen des Gebirges ansteigen. Der Blick, den die Eisenbahnfahrt von Müllheim bis Freiburg auf den Schwarzwald gewährt, ist an manchen Stellen geradezu großartig, besonders von Heitersheim bis Krotzingen, wo die mächtige Kuppe des Belchen (1413 m) gewaltig aufragt, mit dem südlich anstoßenden Horn des Hochkelch eine imponierende Berggestaltung. Zu diesen Höhen erschließen kurze und im oberen Teil steil ansteigende Täler prächtige Zugänge. So gelangen wir von Heitersheim mit seinem Deutschordensschloß aus dem Jahre 1524 nach dem eng zwischen die Berge geschobenen Sulzburg, einem alten Bergwerksstädtchen am Fuße des weinberühmten Kastelbergs, dessen Ruine vielfach als die eines Römerturmes angesehen worden ist. Etwas weiter oben im traulichen Waldtale liegt das Sulzburger Bad, für Ruhe- und Erholungsbedürftige wie geschaffen, aber auch ein Stützpunkt für Wanderungen nach allen Richtungen.
Das Münstertal.
Bei Krotzingen mündet das vom Neumagen durchströmte Münstertal in die Ebene; eine Nebenbahn, deren Verlängerung durch das reich gesegnete Hügelland nach Sulzburg führt, läßt uns in kurzer Fahrt das hübsche Städtchen Staufen erreichen, dessen Hauptstraße und Marktplatz einen malerisch-altertümlichen Eindruck machen. Vom rebenumpflanzten Schloßberg grüßt altes Gemäuer auf das frische Leben der Gegenwart herab. Die Aussicht, die sich uns oben erschließt, steht in nichts der von der Burg Badenweiler nach. Hinter Staufen ragt der Belchen in unmittelbarer Nähe dräuend auf, die Höhen-Differenz von mehr als 1100 m wirkt fast erschreckend ([Abb. 42]); aus anderen Mittelgebirgslandschaften läßt sich der Anblick mit dem der Schneekoppe vom Riesengrund aus vergleichen. Vor dem Fuße des Bergkolosses gabelt sich das Münstertal, dessen früherer Bergwerkssegen sich erschöpft zu haben scheint. Der eine Talast, Untermünstertal, führt zum Sattel am Haldenhof (931 m), nicht weit von der Sirnitz, und dann ins Gebiet des mittleren Wiesentals; der andere, Obermünstertal, am alten Kloster St. Trudpert ([Abb. 43], [44]) vorbei zum mächtig aufragenden Porphyrfelsen des Scharfensteins ([Abb. 45]) und auf die Wiedener Eck (1137 m), von wo ins obere Wiesental abgestiegen wird.
Rasch ist nun von Krotzingen ab Freiburg im Breisgau erreicht, die natürliche Hauptstadt des Schwarzwaldes. Auch diese Fahrtstrecke wird jeden befriedigen, der sich offenen Sinnes und frischer Genußfähigkeit erfreut. Denn die gartengleich angebaute, dicht besiedelte Landschaft, welcher die Ebene, sanft geböschte Lößhügel und kräftiger modellierte Vorberge stets wechselnde, aber immer schöne Züge verleihen, hat etwas unendlich Liebliches, am meisten in den Frühlingstagen der Obstbaumblütenpracht, wo besonders die anderwärts selteneren Pfirsichbäume mit ihrem entzückenden, zarten Rot ganz bezaubernd zur Geltung kommen.
Abb. 73. Am Zeiger.
Nach einer Photographie von Ph. Bussemer in Baden. (Zu [Seite 98].)