Das Wiesental.
Johann Peter Hebel, ein Sohn des Wiesentals, hat dem Flusse seiner Heimat eines seiner besten Gedichte in alemannischer Mundart gewidmet und ihn darin begleitet von der Quelle bis zu dem Punkt, wo des Feldbergs liebliche Tochter freudebebenden Herzens dem stattlichen Schweizerburschen Rhein in die Arme fliegt. Desselben Dichters stimmungsvoller „Geisterbesuch auf dem Feldberg“ führt uns auch in die Gegend an der Wiesenquelle. Es ist darum nicht mehr als recht und billig, daß der neue schöne Weg vom Zeiger längs der jungen Wiese ins Tal hinab „Hebelweg“ heißt, und daß durch sinnige Verse an seinem Anfang und Ende des heimischen Dichters dankbar gedacht ist.
Die Städte des Wiesentals: Todtnau, Schönau, Zell, Schopfheim und Lörrach, die der Reihe nach 2300, 1900, 3600, 3900, 14700 Einwohner zählen, sowie fast alle zwischen ihnen liegenden, zum Teil sehr volkreichen Dörfer treiben lebhafte Industrie. Zur Zunder-, Bürsten- und Bürstenholzfabrikation im obersten Tal gesellt sich vor allen Dingen die lebhaft betriebene Baumwollspinnerei und -weberei, wozu noch zahlreiche andere Betriebe jeder Art kommen, die in ihrer Gesamtheit das Tal zum bedeutendsten Industriebezirk des Schwarzwaldes machen.
Abb. 110. Steinschleiferei in Waldkirch.
Nach einer Photographie von M. Ferrars in Freiburg. (Zu [Seite 110].)
Westlicher Ast des Höhenwegs. Belchen.
Die landschaftliche Schönheit leidet aber durch die Fabriken kaum, und es ist wirklich eine helle Freude, mit der Bahn von Todtnau nach Zell und Basel zu fahren, all die wechselvollen Bilder voll Felswildnis, Einsamkeit, gartengleichen Anbaues und dichter Besiedlung an sich vorbeiziehen zu sehen. Auch der längere Aufenthalt in den freundlichen Talorten ist lohnend, da er an jedem von ihnen gestattet, eine Fülle abwechslungsreicher Ausflüge nach allen Richtungen zu machen. Todtnau (643 m), nach dem Brand 1876 in schmucker Frische neu erstanden, hat seinen herrlichen Wasserfall ([Abb. 91]) und darüber den sonnebegnadeten Kurort Todtnauberg (1021 m); Schönau (542 m) liegt in lieblicher Talweitung vielleicht am günstigsten im ganzen Tal ([Abb. 92]) und hat den großen Vorzug bequemster Wegverbindungen ins Wehragebiet, zum Belchen, ins Münstertal und in der Richtung auf Badenweiler. Besonders die Höhen auf der linken Talseite gewähren entzückende Aussichten ([Abb. 93]). Unterhalb Zell ([Abb. 94]), von wo Schweigmatt und die Hohe Möhr leicht zu erreichen sind, grenzt das einst St. blasianisch-vorderösterreichische an das altbadische Gebiet. An dieser Stelle trennt sich auch heute noch scharf und bestimmt Konfession, Tracht ([Abb. 95], [96]) und Mundart. Hebels Heimatsdorf Hausen ist der erste Ort der einstigen Markgrafschaft ([Abb. 97]). In das nunmehr breite, überaus freundliche Tal mündet bei Schopfheim das der Kleinen Wiese, die vom Belchen herkommt und manchen stillen Waldpfad erschließt. Etwas wenig oberhalb der lebhaften Stadt Lörrach ([Abb. 98]) grüßt vom grünen Bergwald herab die ernste Ruine des großen Röttler Schlosses, das wie so manches andere im Rheingebiet um 1680 von den Franzosen zerstört worden ist ([Abb. 99], [100]).
Abb. 111. Polieren der Achate in Waldkirch.
Nach einer Photographie von M. Ferrars in Freiburg. (Zu [Seite 110].)