Der westliche Ast des großen Höhenweges I ist in mancher Hinsicht noch lohnender als der im Osten des Wiesentals. Zu allermeist fällt da ins Gewicht, daß er in der Hauptsache ziemlich nahe dem Fuß des Gebirges hinzieht, so daß die relativen Höhenunterschiede, die man unmittelbar überblickt, bis zu 1200 m anwachsen. Dazu kommt der lebhaftere Formenreichtum dieser westlichen Gebiete, von dem schon die Rede war. So gewährt es hohen Genuß, vom Feldberg bald aussichtsreich, bald durch herrlichen Hochwald über die Todtnauer Hütte (1321 m) und den Stübenwasen (1388 m) bis zur Straßenhöhe des Notschrei (1121 m) zu wandern, deren Denkstein uns anschaulich macht, wie lange die beteiligten Gemeinden mit ihrem „Notschrei“ die Behörden bestürmen mußten, bis endlich die Straße von Todtnau hinüber nach Oberried und Kirchzarten im Dreisamtal gebaut wurde. Nun geht’s zur Wiedener Eck (1037 m), der Paßhöhe zwischen Wiesen- und Münstertal, weiter zum Sattel der Krinne (1119 m), wo der kürzeste Weg von Schönau nach Staufen geschnitten wird, und endlich hinauf zum Belchen (1413 m). Der Belchen bildet mit seiner von allen Seiten sich schroff erhebenden, die weite Umgebung stolz überragenden Kuppe die ausgeprägteste Berggestaltung im Schwarzwald und wird darum von vielen auch als die schönste aufgefaßt. Mag man nun in dieser Hinsicht denken, wie man will, herrlich ist es auf alle Fälle, von dem freien Gipfel ringsum in die Tiefe zu blicken, zu welcher sich der Koloß in schön geschwungenen Linien hinabsenkt, und von fernher Vogesen, Jura und Alpen grüßen zu sehen. Vom Wiesental, von Badenweiler, Sulzburg und Staufen führen eine Menge guter Wege herauf, von Schönau insbesondere eine herrliche Kunstfahrstraße, oben lockt das Rasthaus zu behaglicher Einkehr ([Abb. 101]). Auch längerer Aufenthalt auf der luftigen Höhe wird keinem gereuen, dem es Freude macht, statt in hastiger Eile kurz nacheinander möglichst vielerlei zu sehen, in stiller Ruhe sich einsam zu sonnen. Der kraftstrotzende Hochwald am steilen Nordwesthang, die Felswelt des Hochkelch, die Abhänge gegen Schönau hinab und manche andere Stelle an dem schönen Berg bieten des Besuchenswerten gar mancherlei für viele Tage.
Abb. 112. Waldkirch. Nach einer Photographie von G. Röbcke in Freiburg. (Zu [Seite 110].)
Abb. 113.
Frauentracht im Elztal. Aus der
Sammlung Spiegelhalter. Nach einer
Photographie von M. Ferrars in
Freiburg. (Zu [Seite 112].)
Westlicher Ast des Höhenwegs. Blauen.
Unser Höhenweg senkt sich zum Haldenhof bei Hinterheubronn (931 m), wo die Straße von Staufen nach Schopfheim geschnitten wird, folgt dann der Sirnitzstraße, die nach Badenweiler und Müllheim führt bis auf den Kreuzwegsattel (1072 m), von wo der nahe, tief im Walde versteckte Nonnmattweiher besucht werden kann, und zieht sich weiter auf dem schön bewaldeten Kamm zwischen Kander- und Klembachtal zum Ringwall des Stockberges und zum Blauen (1165 m) über Badenweiler. Der Niederblick auf das Markgräflerland und die vielgestaltige Landschaft um das Basler Rheinknie, auf das Oberelsaß und die Burgundische Pforte ist entzückend, selbst wenn die Kämme des Wasgauwaldes und die Eishäupter der Alpen von einem tückischen Dunstschleier verhüllt sein sollten.
Vom Aussichtsgerüste und dem nahen Gasthaus führt eine bequeme Fahrstraße nach dem unfernen Badenweiler; unter den zahlreichen Wegen, die sonst nach allen Seiten einladen, wählen wir den mit der roten Raute nach der Ruine Sausenburg und nach Kandern, von wo die Bahn über Haltingen oder das Schlußstück des Höhenweges über Rötteln und Tüllingen nach Basel führen.