[1] Unter diesen verdienen die schönen Karten in 1 : 50000 besondere Anerkennung.

Der mittlere Schwarzwald.

XI. Die westlichen Vorhöhen zwischen Freiburg und Offenburg.

D

er mittlere Schwarzwald steigt in dem Gneisgebirge zwischen Dreisam und Kinzig noch bis zu 1241 m auf, das Granitmassiv in der Umgebung von Triberg bleibt hinter dieser Höhe um fast 200 m zurück. Der Abfall zu den Donauquellflüssen senkt sich in der Buntsandstein- und Muschelkalkhochebene der Baar ganz allmählich bis auf 700 m herab, während der Nordwestfuß des Gebirgsteiles am Austritt des Kinzigtales in die Rheinebene etwa 160 m über dem Meere liegt. Durch die Täler der Gutach und Brege längs der Linie Hausach-Escheck-Donaueschingen werden zwei nordsüdlich gerichtete Haupterhebungsmassen voneinander getrennt; eine niedere Vorhöhenzone, die im Hünersedel 744 m kulminiert, wird durch das untere Elztal und den Sattel zwischen Elzach und Haslach im Westen des höheren Gebirges abgeschnürt. Diese Vorhöhen bestehen in der der Rheinebene zugekehrten Seite zumeist aus Buntsandstein und jüngeren Sedimenten; eine größere Anzahl von typisch geformten Porphyrkegeln geben der Landschaft größeren Formenreichtum.

Abb. 117. Frauentracht im Gutachtal.
Nach einer Photographie von G. Röbcke in Freiburg. (Zu [Seite 116].)

Siedlungen. Schellenmarkt.

Während südlich von der Dreisam und obern Wutach die Dorfschaften und Weiler in geschlossener Bauweise überwiegen, wie das ganz besonders im Südosten des Feldbergs der Fall ist, findet sich im mittlern Schwarzwald und auch noch im nördlichen bis zur Rench und Acher das Hauptverbreitungsgebiet der einzeln liegenden Hofgüter mit ihrem Anerbenrecht, das erst neuerdings wieder gesetzlich festgelegt worden ist unter möglichst enger Anlehnung an die alte Überlieferung, sowie sie sich den Bedürfnissen zweckentsprechend angepaßt hat. Da auf manche Gemeinden über 200 Einzelhöfe kommen, und jeder Hof wenn möglich inmitten seines Acker-, Wiesen-, Weide- und Waldlandes liegt, so begreift sich die große räumliche Ausdehnung solcher Gemeinden, die häufig nur einen einzigen nennenswerten Häuserkomplex mit Kirche, Schule, Pfarrhaus und Wirtshaus aufweisen. Einstündige und noch wesentlich größere Schulwege sind für die Kinder nichts Seltenes, und was das in einem kalten und schneereichen Winter für die Kleinen von wenig über sechs Jahren zu bedeuten hat, bedarf keiner weiteren Darlegung. Welche Stählung aber für Körper und Geist der Bevölkerung in der frühgewohnten Überwindung solcher Schwierigkeiten liegt, darf man anderseits auch nicht hoch genug anschlagen. Die Amtsbezirke Freiburg, Waldkirch, Emmendingen, Wolfach und Offenburg zeichnen sich in ihren gebirgigen Teilen besonders durch zerstreut liegende Einzelsiedlungen aus. In denselben Gegenden nimmt auch die Weidefläche einen ansehnlichen Raum ein, und die „Hirtenbuben“ mit ihren Herden bilden im Sommer die häufigste Staffage des Landschaftsbildes. Freilich erfüllt die Poesie des Hirtenlebens auch im Schwarzwald nicht ganz die Erwartungen, welche sich auf das Studium der Schäferdichtung stützen, es entspricht nicht den Vorstellungen, welche durch die Schäferbilder einer bekannten Richtung in der Malerei erweckt werden. Die Lehrer unsrer Hirtenschulen schildern gern die Kehrseite der Medaille. Und wenn die jugendlichen Hirten gar häufig nicht allzuviel Rühmendes von der Güte und vom Wohlwollen ihrer bäuerlichen Brotherren zu sagen wissen, so haben sie doch in der langen Sommerszeit mit ihrer Einsamkeit und schweren Arbeit, mit ihren mannigfachen Unbilden der Witterung, mit ihrer oft recht kärglichen Nahrung und mangelhaften Unterkunft einen schönen Tag, den Schellenmarkt an Pfingsten ([Abb. 106]). Da kommt mit den Hirtenbuben und ihren Bauern viel Volk von weither aus den Talschaften zwischen Kinzig und Elz beim hochgelegenen Wirtshaus auf der Biereck zusammen und es werden nun bei fröhlichem Gelage die Glocken des Weideviehes ([Abb. 107]) auf ihren Ton geprüft, und durch Kauf und fortgesetztes Tauschen wird zu erreichen gesucht, daß jede Herde ein möglichst melodisches Geläute erhält. Bei dem klingenden Geschäfte geht es hoch her, und die Hirtenbuben mögen noch lang nachher, wenn ihnen der hungrige Magen knurrt, sich der Erinnerung an die reiche Atzung beim Schellenmarkt freuen.