Abb. 118. Straßenbild in Triberg.
Nach einer Photographie von G. Röbcke in Freiburg. (Zu [Seite 116].)

Von Freiburg bis Waldkirch.

Die freundliche Bergwelt der Hünersedelgruppe, wie unsere Vorhöhenzone nach ihrem höchsten Gipfel zweckmäßig benannt werden kann, ist bequem zugänglich. Von der Hauptbahnlinie Basel-Heidelberg führen zwischen Freiburg und Offenburg mehrere Nebenbahnen ins Innere des Gebirges, so von Denzlingen ins Elztal bis Elzach hinauf, von Orschweier ins Ettenbachtal nach Ettenheimmünster, von Dinglingen nach Lahr und im Schuttertal aufwärts bis Seelbach. Dazu kommt noch für die uns interessierende Landschaft die Kinzigtalbahn von Offenburg bis Haslach und Hausach. Alle Stationen dieser Linien können als Ausgangspunkte lohnender Wanderungen benutzt werden.

Am Westrand des Gebirges hinfahrend kommen wir von Freiburg, das sich gerade von dieser Seite her in hervorragend günstigem Lichte zeigt, unmittelbar am Fuß des Burgberges von Zähringen vorbei, auf dem sich die Ruine des Stammschlosses unseres badischen Fürstenhauses erhebt ([Abb. 108]). Dann öffnet sich der Blick ins weingesegnete Glottertal, bei Denzlingen mit seinem höchst eigentümlichen alten Kirchturm mündet das Elztal aus, vom Hünersedel kommt der Brettenbach her, hinter der großen Ruine der Hochburg ([Abb. 109]) liegt tief im waldumrandeten Wiesengrund Thennenbach versteckt, dessen romanische Klosterkirche vor achtzig Jahren abgetragen, Stein für Stein nach Freiburg gebracht und hier als evangelische Ludwigskirche wieder aufgebaut worden ist.

Bald erreichen wir Emmendingen, eine Stadt mit 8300 Einwohnern und lebhafter Industrie. Dem Goetheverehrer ist sie dadurch ans Herz gewachsen, daß des Dichters geliebte Schwester Cornelia hier als Gattin des badischen Oberamtmanns und Hofrats Schlosser lebte und starb. Ihr Grab ist unbekannt, doch erinnert an sie eine Gedenktafel auf dem alten Friedhof. Der Marktplatz soll, wie manche meinen, Goethe, der seine Schwester wiederholt hier besuchte, das Vorbild gegeben haben für die Szenerie im ersten Gesang von Hermann und Dorothea.

Von dem unfernen Riegel, einer wichtigen Fundstätte römischer Altertümer, zweigen zwei Äste der Kaiserstuhlbahn ab und gestatten bequem, das interessante Vulkangebirge des Kaiserstuhls zu besuchen. Weiterhin erreichen wir das Städtchen Kenzingen, von wo eine Straße ostwärts ins Bleichtal abzweigt, dann Herbolzheim, den aufstrebenden Mittelpunkt der oberbadischen Tabakindustrie, hinter Orschweier liegt auf einzeln aufragendem Basalthügel höchst malerisch das alte Mahlberg, und bald jenseits Dinglingen geht es auf stattlicher Brücke über die Kinzig nach Offenburg.

Auf der ganzen Fahrt stellt sich uns das fruchtbare und dichtbesiedelte Vorhügelland und über ihm das waldige Gebirge mehr lieblich als großartig vor Augen. Auch wenn wir die Hauptbahn verlassen, um taleinwärts vorzudringen, bleibt der erstere Charakterzug vorwaltend. Nur das untere Elztal macht da eine bemerkenswerte Ausnahme. Denn über seinem Eingang ragt der unmittelbar von der Talsohle aufsteigende Kandel zu 1241 m Höhe empor und erinnert in seinem kühnen Aufbau an die gewaltigsten Berggestalten des südlichen Schwarzwaldes. Der beste Ausgangspunkt zu seiner Besteigung ist die Stadt Waldkirch ([Abb. 112]). Sie zählt mit dem anstoßenden Kollnau zusammen etwa 8300 Einwohner und bildet einen der bedeutendsten Mittelpunkte der Breisgauer Industrie. Unter den zahlreichen Fabriken werden den fremden Besucher der Gegend in erster Reihe die Steinschleifereien interessieren. Sie sind aus den früher hier wie auch in Freiburg häufigen Granatschleifereien, die aber überall sonst zu bestehen aufhörten, hervorgegangen und verarbeiten Halbedelsteine jeder Art zu Schmuck und den verschiedensten Gerätschaften. Die Betriebe wie die Fabrikate sind in höchstem Grade sehenswert ([Abb. 110], [111]).