Abb. 119. Triberg. Nach einer Photographie von G. Röbcke in Freiburg. (Zu [Seite 116].)

[❏
GRÖSSERES BILD]

Elztal. Lahr.

Über die hervorragend schöne Lage Waldkirchs gewinnt man den besten Überblick von der Höhe der Kastelburgruine jenseits der Elz, von wo zahlreiche prächtige Wege nach allen Seiten führen, besonders auch nordwärts zum Hünersedel, dem gern besuchten Zentralpunkt unserer Vorhöhenregion. Von ihm ist durchs Brettental oder über die aussichtsreichen, besonders in der Obstbaumblütenzeit entzückenden Höhen von Ottoschwanden und über Thennenbach die Stadt Emmendingen, oder durchs Bleichtal das im prächtigsten Buchenwald versteckte Bad Kirnhalden hinter Kenzingen, oder das ehemalige Kloster St. Landolin bei Ettenheimmünster und weiter Ettenheim, endlich im nordwärts streichenden, wohlangebauten Schuttertal die bedeutende Fabrikstadt Lahr zu erreichen. All diese Wanderungen sind lohnend in jeder Hinsicht, nicht minder empfiehlt sich das trachtenfreudige Elztal selbst dem Besuch ([Abb. 113], [114], [115]), besonders seit die Bahn bis zum freundlichen Städtchen Elzach (383 m) hinaufführt und es ermöglicht, von hier zum Hünersedel oder über die Heidburg nach dem forellenberühmten Gasthaus zu den drei Schneeballen in Hofstetten und weiter nach Haslach im Kinzigtal abzusteigen, wenn man nicht ostwärts die Haupthöhen des mittleren Schwarzwaldes gewinnen will.

Lahr wird schon vor dem Jahre 1300 als Stadt bezeichnet; es war zuerst im Besitz der Herren auf der nahen Burg Geroldseck, später gelangte es unter nassauische Hoheit und erst 1803 wurde es badisch. Heute zählt die Stadt über 15000 Einwohner und nimmt mit ihren zahlreichen blühenden Industrien unter den gewerbtreibenden Orten Badens eine hervorragende Stelle ein. Wer kennt nicht den Lotzbeckschen Schnupftabak, wer nicht den Kalender des Lahrer hinkenden Boten, der nun schon auf mehr als hundert Jahrgänge zurückblickt? Nicht nur hat der Hinkende mit seinen Erzählungen aus der einfachen Welt des Bauern und Kleinbürgers Millionen von Herzen gerührt und erbaut, er hat auch das literarische Verdienst, Geist, Gesinnung und Stil des Altmeisters Hebel, wie wir sie in den Erzählungen des Rheinländischen Hausfreundes schätzen, erhalten und den jüngeren Geschlechtern wertvoll gemacht zu haben. Auf die Anregung des Hinkenden ist auch, und das gereicht seinem Fühlen und Streben zur hohen Ehre, das Bestehen des ersten Reichswaisenhauses zurückzuführen, jener echt humanen Anstalt, die vom Abhang des Altvaterberges freundlich in die Stadt herabgrüßt. Lahr eignet sich seiner Lage nach ganz ausgezeichnet als Stützpunkt für eine große Anzahl lohnender Ausflüge in die Berg- und Waldlandschaft zwischen dem untern Kinzigtal und der Rheinebene. Von der Straße, die aus dem Schuttertal über den niedern Schönbergsattel (569 m) nach Biberach an der Kinzig führt, zweigt bei der Paßhöhe ein Pfad nördlich zum burggekrönten Porphyrkegel der aussichtsreichen Geroldseck ab, zahlreiche Wege verzweigen sich von hier aus ins Gebiet des Steinfirst und gegen Gengenbach zu oder in die Richtung zu dem Kohlenbergwerk bei Diersburg-Berghaupten, dem einzigen, das der Schwarzwald aufweist. Westlich in der Ebene liegt das Dorf Meißenheim, das die Goetheverehrer zu einer Wallfahrt auf das Grab der hier 1813 entschlafenen Friederike von Sesenheim einlädt.

XII. Die Schwarzwaldbahn von Offenburg nach Donaueschingen.

Offenburg.

O

ffenburg liegt gegenüber dem mächtigen Straßburg an der Stelle der rechtsrheinischen Bergstraße, wo diese die Kinzig überbrücken muß. Von diesem 95 km langen Flusse wissen wir schon, daß er an der Ostseite des Schwarzwaldes entspringt, also einen natürlichen Weg quer durch das ganze Gebirge eröffnet. Die Lage unserer Stadt, dazu noch auf einer natürlichen Terrasse hoch über dem Überschwemmungs-Lande des vor seiner Korrektion einst sehr wilden Flusses, ist demnach eine in jeder Hinsicht günstige, und so begreift es sich, daß aus dem schon im zehnten Jahrhundert genannten „Kinzigdorf“ allmählich ein bedeutender Ort, der erste der Ortenau, lange Zeit freie Reichsstadt, erwachsen mußte. Heute zählt Offenburg beinahe 17000 Einwohner und blüht in lebhaftem Gewerbebetrieb, Handel und Verkehr. Seine belebten Straßen mit stattlichen Gebäuden jeder Art lassen die Stadt recht schmuck erscheinen ([Abb. 116]). Daß wir auf dem Marktplatz ein Standbild des Seefahrers Francis Drake finden, dem Europa in der Hauptsache die Einführung der Kartoffel verdankt, ist auf einen freundlichen Zufall zurückzuführen. Der Schöpfer des Denkmals, Bildhauer Friedrich in Straßburg, hat nämlich sein Werk der Stadt geschenkt.