ie im südlichen Teile des Gebirges lernen wir auch hier wieder die Höhenregion am besten kennen, wenn wir dem mit roter Raute bezeichneten Hauptkammweg folgen, den wir vom Titisee bis Basel und Waldshut schon gewandert sind, und der uns in entgegengesetzter Richtung schließlich bis nach Pforzheim gelangen läßt. Vom Titisee führt uns der Höhenweg I nordwärts auf die Weißtannenhöhe (1190 m), von wo die imposante Berggestalt des Feldbergs im Süden und der scharf gezeichnete, schartenartige Einschnitt des Höllentales im Westen als besonders auffällige Einzelbilder unsere Aufmerksamkeit erregen. Dann erreichen wir die Hochfläche des Turner (1035 m) mit seinem viel besuchten und aussichtsreichen Gasthaus in typischer Schwarzwaldumgebung. Von hier führen Wege nach allen Himmelsrichtungen, so durch das stille Joostal nach Neustadt, über die Höhe nach Breitnau und weiter unmittelbar zur Höllentalbahn, oder hoch über dieser hin und mit großartigen Niederblicken über den Hohwart und die Nessellache nach Himmelreich hinab, oder endlich ebendahin auf dem alten Heerweg durch das Spirzen- und Wagensteiger Tal. Überaus lohnend ist vor allen Dingen aber die schöne Hochstraße auf der Wasserscheide zwischen dem Wildgutach- und dem Dreisamgebiet nach den ehemaligen Klöstern St. Märgen (890 m) und St. Peter (722 m), deren zweitürmige Kirchen weither sichtbar sind. In St. Peter ([Abb. 122]) liegen mehrere Herzöge von Zähringen begraben, der große Klosterbau ist jetzt katholisches Priesterseminar. Zahlreiche Wege führen von da zur Dreisam hinab ([Abb. 123]), ein herrlicher Waldpfad hält sich auf den Höhen und senkt sich schließlich vom Roßkopf und Schloßberg direkt nach Freiburg. Er kann jedem wanderfrohen Naturfreund aufs beste empfohlen werden, ebenso der Abstieg von St. Peter durch das im oberen Teil wildfelsige, im unteren Teil liebliche und mit Obst wie herrlichem Wein reich gesegnete Glottertal, dessen Mädchen und Frauen sich ähnlich kleiden wie ihre Schwestern im Elzgebiet; der gelb lackierte Zylinderhut wird dem Fremden an der sonst nicht unkleidsamen Tracht am sonderbarsten erscheinen.

Abb. 126. Frauentracht von Schonach.
Nach einer Photographie von G. Röbcke in Freiburg. (Zu [Seite 122].)

Der Kandel.

Endlich können wir von St. Märgen und St. Peter aus bequem den Kandel (1241 m) besteigen, den weit nach Westen vorgeschobenen höchsten Gipfel im mittleren Schwarzwald. Er ragt von der Rheinebene und von dem unteren Elztal ähnlich schroff auf wie weiter südlich der Belchen und erscheint darum in seiner massigen Gestalt auch als ein Berggewaltiger ersten Ranges. Oben finden wir im Rasthaus gute Unterkunft, beim Signal der internationalen Erdmessung eröffnet sich uns eine unvergleichlich schöne Rundsicht, im Süden bis zu den Alpen. Zumeist wird nach Waldkirch abgestiegen, wohin zahlreiche bequeme Wege uns in kurzer Frist gelangen lassen.

Abb. 127. Frauentracht von Schonach.
Nach einer Photographie von G. Röbcke in Freiburg. (Zu [Seite 122].)

Simonswälder Tal.

Der Nordostfuß des Höhenzuges Turner-Kandel liegt an der Sohle des Simonswälder Tales, das mit seinen freundlichen Gehöften, seinen malerischen Baumgruppen und seiner stolzen Bergumrahmung vielen als eines der allerbesuchenswertesten des Gebirges gilt. Der Abstiege gibt es mancherlei. Es sollen nur genannt sein der nach Glashütten und zum forellenberühmten Dreistegenwirtshaus in Wildgutach, sowie der zum mächtigen Wasserfall des Zweribaches in seiner Felsschlucht ([Abb. 124]). Durch das Tal zieht seiner ganzen Länge nach eine prachtvolle Kunststraße, die schließlich bei der Bahnstation Bleibach ([Abb. 125]) ins Elztal ausmündet.

Auf unserem Haupthöhenweg liegt in kurzem Abstand vom Turner der Hohle Graben (1033 m), eine die Kämme und Täler weithin beherrschende Stelle, die darum früher, als die Hauptverbindung von der Donau nach dem Breisgau hier durchführte, auch strategisch bedeutsam war. Im Dreißigjährigen Krieg und in den Tagen des Prinzen Eugen war der Punkt stark verschanzt und viel umkämpft, gewaltige Heeresmassen sind gar oft über diese einsamen Höhen gezogen, in schlechter wie in guter Jahreszeit. Beim Lachenhäusle (1077 m) überrascht der Niederblick in das tief eingeschnittene Wildgutachtal, auf der anderen Seite liegt in weltabgeschiedenster Einsamkeit das stille Pfarrdorf Waldau. Bei der „Kaltenherberg“ (1030 m) — der Name bezeichnet den Klimacharakter der Lokalität wohl deutlich genug — senkt sich das Gebirge sanft der Donau zu, und auf abgelegenen Waldpfaden längs der Wasserscheide kann man von hier ab zum Höchst (1033 m), der Paßhöhe an der schönen Straße gelangen, die von Neustadt ins Tal des Eisenbächle und nach Hammereisenbach führt; auch der Höhenkurort Friedenweiler (902 m), eine frühere Klosterniederlassung, liegt in diesem Revier.