Nicht leicht wird man in anderen Gauen auf höchster Höhe oder fern vom belebenden Schienenstrang und von der großen Heerstraße, im abgelegensten Dorfe oder Weiler so gute Unterkunft finden wie im Schwarzwald, wo kein verständiger Wunsch an Quartier oder Verpflegung unerfüllt zu bleiben braucht. Vom großen Hotel ersten Ranges der Städte, Bade- und Luftkurorte bis zum bescheidensten, aber sauberen, urbehaglichen und billigen Bauerngasthaus finden sich alle Übergänge, so daß jeder Geschmack Befriedigung finden kann.

II. Orographische und geologische Übersicht.

Wasgenwald und Schwarzwald.

U

m den Schwarzwald als Gebirgsindividuum verstehen zu können, muß er im Zusammenhang mit seiner Umgebung betrachtet werden. Und da ist nun vor allen Dingen die sich lebhaft aufdrängende Wahrnehmung von Belang, daß unser Gebirge im Wasgenwald jenseits des Rheines eine Art von Spiegelbild besitzt mit einer auffallend großen Anzahl von übereinstimmenden Zügen, die jedem aufmerksamen Beobachter den Gedanken an einen inneren Zusammenhang der beiden Erhebungssysteme nahelegen. Von Basel, das 243 m hoch liegt, bis gegen Mainz (82 m) hinab bildet die im Mittel 30 km breite Rheinebene auf eine Länge von 300 km die Symmetrieachse für ihre beiderseitigen Randgebirge. Im Westen steigen die Vogesen aus der Burgundischen Pforte (350 m) rasch zu ihren höchsten Gipfeln an und erreichen im Gebweiler Belchen eine Höhe von 1423 m. Weiter nach Norden nimmt die Höhenentwicklung allmählich ab, der Paß von Zabern senkt sich bis zu 404 m, und jenseits desselben steigt dann der Kalmitgipfel der pfälzischen Hart wieder bis auf 683 m an. Die genannten Gebirge fallen gegen die Rheinebene im Osten ziemlich unvermittelt ab, während sie nach der entgegengesetzten Richtung im Lothringer Stufenlande einen allmählichen Abfall aufweisen, der sich in treppenförmigen Absätzen verfolgen läßt bis zum Rande des Pariser Beckens.

Ganz entsprechend steigt vom oberen Rheintale zwischen Waldshut und Basel der Schwarzwald in kurzem Abstande zu seiner beherrschenden Kuppe, dem Feldberg (1493 m) auf, vermindert nach Norden seine Gipfel- und Kammhöhe mehr und mehr, bis das Gebirge nördlich auf der Wasserscheide zwischen Pfinz und Enz an der Straße von Karlsruhe nach Pforzheim sich auf 374 m herab senkt, um jenseits dieser Eintiefung, einer der wichtigsten ihresgleichen im Kraichgauer Hügellande, wieder zum Odenwald anzusteigen und hier im Katzenbuckel eine Höhe von 626 m zu erreichen. Auch diese rechtsrheinischen Erhebungen weisen ihren Steilabfall dem großen Strome zu und zeigen auf der ihm abgewandten Seite ein wesentlich schwächeres, ebenfalls stufenförmiges Gefälle in die Terrassen- und Hügelländer Schwabens im Süden, Frankens im Norden.

Abb. 6. Verschneite Schwarzwaldhöfe.
Nach einer Photographie von Dr. Hoek in Freiburg. (Zu [Seite 22].)

Nach dieser auffälligen und klar übersehbaren Symmetrie der Oberflächenformen erscheint das ganze südwestliche Deutschland nebst dem im Westen angrenzenden Frankreich, also das Gebiet von der Maas bis zum Fichtelgebirge, von der Burgundischen Pforte bis zum Taunus als eine orographische Einheit, innerhalb welcher nunmehr der Schwarzwald nur als Glied dieses größeren Ganzen, des „Südwest-deutschen Beckens“, zu betrachten ist. Noch inniger als hinsichtlich der Höhenverhältnisse treten uns diese Zusammenhänge vor Augen, wenn wir sie geologisch zu ergründen suchen.

Geologischer Bau.