Jede geologische Karte des Gebietes läßt erkennen, daß der Schwarzwald wie der Wasgenwald im südlichen Gebirgsteile je einen großen, im allgemeinen südnördlich gerichteten Urgebirgskern aufweist, der im Norden unter immer weiter sich ausbreitenden Buntsandsteindecken verschwindet, wie auch die von der Rheinebene sich abwendenden Außenseiten der beiden Gebirge nach Schwaben und Lothringen zu eine starke Verbreitung des Buntsandsteins zeigen. Auf dessen fast ebene Hochflächen legen sich der Altersreihenfolge nach die jüngeren Sedimente des Muschelkalks und des Keupers, endlich die des Jura in der Weise auf, daß man von den Höhen des linksrheinischen Gebirges westwärts, des rechtsrheinischen ostwärts schreitend immer auf jüngeres Gestein stößt, während man abwärts steigt; nur der rechtsrheinische Jurazug ragt wieder in höheres Niveau auf. Auch die dem Rheine zugekehrten Innenseiten der Zwillingsgebirge sind auf lange Erstreckung hin von den genannten Sedimentbildungen in der Reihenfolge ihres Alters derart begleitet, daß man mit der fortschreitenden Entfernung von den Gebirgskernen stets auf jüngere Formationen stößt. Zumeist bilden aber hier diese Sedimentgesteine nur schmale, vielfach zerrissene und unterbrochene Streifen von Vorhöhen des eigentlichen Gebirges, die im nördlichen Schwarzwald sogar so gut wie gänzlich fehlen (s. Profil, [Abb. 2] u. [3]).
Das Grundgebirge des jetzigen südwestdeutschen Beckens und seiner weiteren Umgebung stellt sich als der heute vielfach in Einzelschollen zerrissene Rest eines alten Gebirges dar, das sich hauptsächlich aus Gneisen aufbaut, die aber gar mannigfach von Graniten und verwandten Gesteinen durchbrochen sind.
Abb. 7. Verschneite Schwarzwaldhäuser.
Nach einer Photographie von Dr. Hoek in Freiburg. (Zu [Seite 22].)
Vom Paläozoikum bis zum Tertiär.
Paläozoische Schiefer, Silur, Devon bis herauf zur Kohlenformation und dem Rotliegenden der Permformation, zeigen sich stark gestört und erscheinen als ein altes, von Südwest nach Nordost streichendes Faltensystem, dessen Erhebung in die späteren Zeiten des Paläozoikums fällt und dem der Name „Variskisches Gebirge“ beigelegt worden ist. Auf dem Rotliegenden, das noch gefaltet ist, liegen diskordant, aber unter sich wieder parallel, die Sedimente der Trias, nämlich des Buntsandsteins, Muschelkalks und Keupers, sowie die der jurassischen Bildungen Lias, Dogger, Malm, die in einer langen Zeit ruhiger Ablagerung teils festländischer, überwiegend aber mariner Natur das alte Gebirge unter sich begruben. Kreide- und ältere Tertiärschichten fehlen vollständig, das Land hat während der Zeit ihrer Bildung inselartig aus den umgebenden Meeren aufgeragt.
Abb. 8. Sägemühle im Winter.
Nach einer Photographie von Dr. Hoek in Freiburg. (Zu [Seite 22].)
Das mittlere Tertiär stellt sich, wie der erwähnte Abschnitt der paläozoischen Zeit, als eine Periode großartiger Gebirgsbildung dar, der wir in unseren Gegenden nicht nur die Entstehung des Faltengebirges der Alpen, sondern vor allen Dingen die Ausgestaltung des südwestdeutschen Beckens zu seinen heutigen Formen verdanken. Hier senkten sich im Gegensatz zu den Alpen, deren Entstehung wir auf die Wirkung mächtigen Seitendruckes zurückführen müssen, längs weithin verlaufender Verwerfungslinien einzelne Schollen in die Tiefe, andere blieben stehen oder erfuhren sogar eine Hebung. Die hauptsächlichsten dieser Spalten, welche für die jetzige Konfiguration unserer Landschaft maßgebend sind, verlaufen von Südsüdwest nach Nordnordost. In der Achse des Insellandes entstand die gewaltige Grabenversenkung der jetzigen Oberrheinischen Tiefebene, deren Boden lange Zeit vom Meere überflutet war und sich erst später sehr allmählich mit ungeheueren Mengen von Flußgeschieben bedeckte, die ihm durch die Wasserläufe der umrandenden Höhen, beziehungsweise durch den Rhein zugeführt wurden. An den vom Graben abgewandten Außenseiten der früher einheitlichen Landmasse aber sanken die Schollen weniger tief als in dem Graben selbst, doch so, daß das Ausmaß des Absinkens mit der Entfernung von den Gebirgskernen Wasgenwald und Schwarzwald immer bedeutender wurde.