Abb. 9. Schneewächten am Feldberg. (Zu [Seite 25].)
Entstehung des Reliefs.
Auf diese Weise entstanden die durch die spätere Arbeit des spülenden und fließenden Wassers in ihrem Relief immerhin noch reich gegliederten Stufenländer von Lothringen und Schwaben, auf dieselbe Weise die schmalen Zonen von Schichtgesteinen in der Vorhöhenreihe zwischen der Rheinebene und den höheren Gebirgen. Sehr tief gehende Querverwerfungen von im allgemeinen westöstlicher Richtung wurden die Veranlassung zu den Einsenkungen von Zabern und im Kraichgau, während weiter nördlich, in der Hart und im Odenwalde, das Absinken wieder in geringerem Maße stattfand. In dem Netz der Verwerfungsspalten dürfen wir die ersten Voraussetzungen für die Anlage der jetzigen Flußsysteme erblicken, zu deren weiterer Ausgestaltung freilich das fließende Wasser selbst das meiste beigetragen hat.
Die Abtragung, Denudation, setzt, wie wir überall wahrnehmen können, aus klimatischen Gründen stets um so wirksamer ein, je höher ihre Angriffsfläche liegt. So erklärt es sich, daß die Kämme und Gipfel unserer südwestdeutschen Schollengebirge da, wo das Absinken in der Tertiärzeit am geringsten war, also im Süden, von ihren alten Decken sedimentärer Gesteine allmählich entblößt wurden und nun das Grundgebirge zutage treten lassen, während jene Sedimente in den tieferen Lagen der umgebenden Stufenlandschaften noch erhalten sind. Vielerorts sind Grundgebirge wie ältere Sedimente in weiter Ausdehnung von diluvialen, insbesondere von eiszeitlichen Bildungen überdeckt ([Abb. 4]), die uns zeigen, daß unsere Landschaften in jüngerer geologischer Vergangenheit auch die Wirkungen glazialer Kräfte über sich haben ergehen lassen. Wir werden mehrfach Gelegenheit haben, die von der Eiszeit modellierten Züge im Antlitze des Schwarzwaldes wieder zu erkennen.
Abgrenzung des Gebirges.
Soll nun unser Gebirge, das nach seiner Entstehung als Massen- oder Schollengebirge zu bezeichnen ist, gegen seine mit ihm durch gemeinschaftliche Geschichte eng verwandten Nachbargebiete abgegrenzt werden, so ist das im Süden und Westen, ja auch im Norden nicht schwer. Denn hier fallen die orographischen Gesichtspunkte der Höhenentwicklung, die wir zur naturgemäßen Umgrenzung benutzen können, mit den geologischen Kriterien gut zusammen.
Im Süden bildet von der Einmündung der Wutach ab auf eine Länge von mehr als 60 km der Rhein, zu dessen rechtem Ufer das Gebirge abfällt, die Grenze des Schwarzwaldes gegen den Schweizer Jura, der jenseits des Stromes ebenso unmittelbar ansteigt. Von Basel bis in die Gegend von Durlach bei Karlsruhe (116 m) ragt der Schwarzwald längs einer scharf hervortretenden, etwa 200 km langen Linie, die von Südsüdwest nach Nordnordost verläuft, aus den Flußgeschieben der Rheinebene auf; im Norden folgt unsere Grenze der schon erwähnten Eintiefung der Pfinztalfurche, welche bei 374 m verlassen wird, um sich nach Pforzheim an der Enz (247 m) hinabzusenken. Dieser nur etwa 25 km lange Nordrand fällt annähernd mit der Grenze des waldreichen Buntsandsteins gegen die Ackerböden des Muschelkalks zusammen und bildet so eine auch dem Laienauge auffällige Scheide des vom Walde benannten Höhengebietes gegen das fruchtreiche, niedrige Hügelland im Kraichgau.
Abb. 10. Schwarzwaldtannen im Winter.
Nach einer Photographie von Dr. W. Paulcke in Freiburg. (Zu [Seite 28].)