Stöcklewald. Galgen.

Die Gegend zwischen den Tälern der Brege und Brigach ist im südlichen Teile einförmig. Erst nördlich der Straße Villingen-Vöhrenbach nimmt sie gebirgigen Charakter an. Von Villingen durchs Kirnachtal oder von St. Georgen der Brigach entlang, deren Quelle hübsch gefaßt ist ([Abb. 48]), gelangen wir auf die Höhe des Stöcklewaldes (1069 m) mit ihrem stolzen Aussichtsturm, von dem der Blick besonders weit nach Osten zu den Höhen der Schwäbischen Alb trägt. Schöne Abstiege führen nach Furtwangen, Schönwald und Triberg. Doch wird keiner diese luftigen Höhen verlassen, ohne den nahen Galgen, ein Denkmal alter Zeit und überwundener Justizformen, zu besichtigen, und am Galgenhof vorbei dem hochgelegenen Wirtshaus zur Fuchsfalle einen Besuch zu machen. Nach Norden zu ist bald die uns schon bekannte Paßhöhe der Sommerau erreicht, von wo wir über die Benzebene den Fohrenbühl (787 m) erreichen und von hier in der Richtung auf Hausach oder Wolfach oder Schiltach an der Kinzig absteigen können. Auf dem Fohrenbühl, der ganz wie die Biereck am Pfingstsonntag seinen Schellenmarkt hat, schneiden wir unmittelbar an der badisch-württembergischen Grenze die Straße, die von Hornberg nach Lauterbach mit seinen gern besuchten Kuranstalten und weiter abwärts nach Schramberg gelangen läßt.

Sind wir von der „Kaltenherberg“ bis Schiltach in der Hauptsache dem Höhenweg II gefolgt, so darf doch nicht vergessen werden, daß auch die Täler dieses Gebietes zu lohnenden Wanderungen einladen. So führt nach Schramberg auch die interessante Straße von St. Georgen über den Ruppertsberg (902 m) und weiter abwärts dem obersten Schiltachtal entlang nach Thennenbronn, dann durch die in ihren wilden Felsgestaltungen landschaftlich hervorragend schöne Schlucht des Bernecktales mit dem Berneckbad und der Ruine Falkenstein, an welche sich die von Uhland dichterisch verarbeitete Geschichte und Sage des Herzogs Ernst von Schwaben anknüpft. Schramberg (416 m), am Fuße der Nippenburg anmutig gelegen, ist eine sehr lebhafte Industriestadt mit über 11200 Einwohnern, der nördlichste und zugleich wohl der bedeutendste Ort der Schwarzwälder Uhrenindustrie, die sich von hier südlich bis Lenzkirch ausbreitet, und auf deren hohe Bedeutung für große Teile unseres Gebirges oft hingewiesen werden mußte. Auch Porzellan-, Steingut- und Strohhutfabrikation blühen in Schramberg, von wo eine Nebenbahn nach Schiltach an der oberen Kinzig die Verbindung mit der Außenwelt herstellt.

Der nördliche Schwarzwald.

XIV. Der Westrand von Offenburg bis Baden.

Schramberg. Von Offenburg bis zur Murg.

V

om südlichen und mittleren Schwarzwald unterscheidet sich der nördliche vor allen Dingen dadurch, daß er innerhalb der von uns gewählten Grenzen — Rheinebene, Kinzig- und Murgtal — nur aus einem einzigen von Süd nach Nord streichenden Hauptkamm besteht, der in der Hornisgrinde mit 1164 m seine höchste Erhebung hat und nur ziemlich kurze Querrücken nach Westen und Osten aussendet. Die Täler liegen alle sehr tief, die relativen Höhenunterschiede sind daher bedeutend, trotz der mit dem südlichen und mittleren Schwarzwald verglichen geringern absoluten Höhen. Abgesehen von der Gneislandschaft zwischen der Kinzig und dem Oberlauf der Rench findet der Granit hier eine sehr große Verbreitung, die Kämme sind zu allermeist von Buntsandstein bedeckt, dessen Blockmeere vielerorts Erstaunen und Bewunderung erregen, während er anderwärts zu ausgedehnten Moor- und Sumpfbildungen Veranlassung gegeben hat. Eine nicht unbedeutende Anzahl von kleinen Hochseen verleiht dem Gebirgsteile mehrfach ein ganz eigenartiges Gepräge. Da in der Umrandung nur auf die ziemlich kurze Strecke von Forbach bis Kloster Reichenbach im Murgtal die Eisenbahnverbindung fehlt, während in die Täler der Rench, Acher, Bühlott und Oos Nebenbahnen führen, ist die Zu- und Durchgängigkeit dieses Gebirgsabschnittes eine hervorragend günstige. Das wird uns an der dichten Besiedlung der Täler, an der glänzenden Wegsamkeit der Höhen und an dem lebhaften Verkehr der Niederungen wie der eigentlichen Gebirgsregionen deutlich zur Anschauung gebracht, ein Verkehr, zu dem die nahen Großstädte Straßburg und Karlsruhe und auch das etwas ferner liegende aber leicht zu erreichende Stuttgart natürlich sehr viel beitragen.