Abb. 130. Peterstal. Nach einer Photographie von G. Röbcke in Freiburg. (Zu [Seite 128].)

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GRÖSSERES BILD]

Ortenau.

Auf der Fahrt von Offenburg nach Norden haben wir bis zur Untern Murg hinab — die Obere Murg lernten wir im Hauensteiner Land kennen — ununterbrochen die prächtigsten Aussichten auf das Gebirge. So oft man auch diese Strecke durcheilen mag, immer wieder fesselt die schöne Landschaft zur Rechten mit ihrem in reichster Kultur prangenden Hügellande, das von den dunklen Waldhöhen überragt wird. Jeden Augenblick entdecken wir neue, überraschende Formen; die zahlreichen Täler, in die der flüchtige Blick vom Wagenfenster aus eindringt, erschließen in schneller Folge ungeahnte landschaftliche Schönheiten. Zunächst haben wir das gesegnete Obst- und Weinland der Ortenau vor uns, vom Ortenberger Schloß steigt das Gebirge in stolz geschwungener Linie zum Brandeckkopf mit seinem Turme auf, dann öffnet sich das Tal von Durbach mit dem Staufenberg, und bald ist die Station Appenweier erreicht. Hier mündet die große Westoststraße Paris-Wien von Straßburg her ein, nachdem sie bei Kehl den Rhein überbrückt hat, um die Hauptlinie, der wir folgen, erst bei Karlsruhe wieder zu verlassen und über Pforzheim nach Schwaben, Bayern und Österreich weiter zu ziehen.

Abb. 131. Bauernbursch aus dem Renchtal.
Nach einer Photographie von G. Röbcke in Freiburg. (Zu [Seite 128].)

Renchtal.

In Appenweier zweigt eine Nebenbahn ins Renchtal ab, dessen Mineralbäder — meist Stahlwasser — seit lange eine große und berechtigte Anziehungskraft ausüben. Wir kommen zunächst nach Oberkirch (191 m), einem hübschen Städtchen von 4000 Einwohnern in ganz entzückender Lage. Die Schlösser Schauenburg, Ullenburg und Fürsteneck grüßen ins Tal hinab auf all den schwellenden Reichtum an Gartenland, Ackerfeld, Obsthainen und Rebhügeln. Die Kirschen des Renchtales sind weitum berühmt und geben in halbwegs guten Jahrgängen Ernten, die selbst in den kleineren Orten der Umgebung sich auf viele Tausende von Mark bewerten, die Kirschenmärkte von Oberkirch sind daher eine sehr wichtige Sache, und von dem vielen, guten Kirschwasser, das überall im Schwarzwalde gebrannt wird, ist das Renchtaler wohl das am meisten geschätzte. Die Oberkircher Weine endlich erfreuen sich im ganzen Lande berechtigten Rufes, und es kann nur empfohlen werden, selbst Probe zu halten, sei es an Klingelberger oder Clevener, sei es im Städtchen selbst oder in den freundlichen Landorten ringsum, in Ringelbach, Waldulm oder sonstwo.