Ich kenne wohl die Rose, sie hat so scharfen Dorn.
Abb. 141. Baden-Baden. In der Lichtentaler Allee. (Zu [Seite 131].)
Die Dörfer im Tal treiben alle viel Holzindustrie. Neben den zahlreichen Sägewerken finden wir leider auch Holzstoffabriken. Die Bahn befördert, ebenso wie zahlreiche Fuhrwerke auf der Straße, zumeist nur Holz. Das Flößen hat aufgehört, nachdem es durch lange Jahrhunderte für das Tal charakteristisch war. Ihm verdankt die alte Genossenschaft der „Murgschifferschaft“ ihre Entstehung; sie besteht heute noch mit ihrem enormen Waldbesitz, den vielen Sägemühlen, mit eigenem Forstpersonal und dem Stolze einer mehrhundertjährigen Tradition. Hinter Weisenbach wird das Tal auf lange Strecken zur wirklichen Felsschlucht und gehört da zu den schönsten im Schwarzwalde, die vor kurzem erst fertig gestellte Bahnlinie bis Forbach mit all ihren Kunstbauten zu den sehenswertesten Gebirgsbahnen. Oberhalb Forbach mit seiner zweitürmigen, hochgelegenen Kirche, seiner alten gedeckten Holz- und seiner elegant geschwungenen neuen Eisenbrücke über den Fluß ([Abb. 146]) wird das Tal einsamer. Bei Rauhmünzach kommt der gleichnamige Bach ([Abb. 148]) aus engem Waldtal von der Hornisgrinde, bei Schönmünzach jenseits der württembergischen Grenze (434 m), einem sehr beliebten Sommerfrischort mit großer Glasfabrik, mündet die Schönmünzach ebendaher.
In der Gneisregion, in die man nun eingedrungen ist, überragen die seitlichen Höhen die Talsohle nicht mehr allzuhoch, der Charakter der Landschaft wird darum einförmiger. Man gelangt durch mehrere Ortschaften schließlich nach Kloster-Reichenbach (520 m) mit einer schönen romanischen Kirche der ehemaligen Benediktinerabtei, und von hier wieder mit der Eisenbahn nach dem Hauptorte der weit zerstreuten, rund 6700 Einwohner zählenden Gemeinde Baiersbronn (583 m), von wo eine schöne Straße ins Tal der Roten Murg, zum Ruhstein und nach Ottenhöfen führt.
Abb. 142. Friedrichsbad in Baden-Baden.
Nach einer Photographie von G. Salzer in Baden. (Zu [Seite 132].)
Freudenstadt.
An den stattlichen Eisenwerken Friedrichstal und Christophstal vorbei gelangen wir — die Bahnlinie hat hier Zahnradbetrieb — auf die Höhe der interessanten Stadt Freudenstadt (Markt 732, Bahnhof 664 m) mit über 8500 Einwohnern. Sie ist 1599 von Herzog Friedrich I. von Württemberg gegründet worden, liegt auf einem Plateau, das sich nordwärts zur Murg, östlich zum Glattbach (Neckar) und nach Süden zur Kinzig abdacht, beherrscht also weithin die Wege und damit die ganze Gegend. Da sie auch nach Westen den Kniebispaß und seine Übergänge zur Rench und Acher deckt, begreift man, daß einst geschwankt wurde, ob Freudenstadt oder Rastatt Bundesfestung werden sollte. Ganz eigentümlich ist der Bauplan der Stadt. Um einen sehr großen quadratischen Hauptplatz breiten sich nach dem Muster des „Neuntelsteinbrettes“ angelegt die Straßen- und Häuserreihen aus. Auf dem Platze steht die Kirche mit zwei rechtwinklig zusammenstoßenden Langhäusern, in deren Winkel Altar und Kanzel steht, so daß der Geistliche wohl die Männer und Frauen, diese aber, streng in die beiden Schiffe verteilt, gegenseitig sich nicht sehen können. Seit etwa zwanzig Jahren ist Freudenstadt ein besuchter Höhenkurort geworden, zahlreiche Gasthäuser und Pensionen sind entstanden, neue Anlagen wurden hergestellt, so im „Palmenwald“ und unter dem Friedrichsturm am Kienberg, von wo der Blick auf die Rauhe Alb besonders schön ist; der weit ausgedehnte Stadtwald ist von prächtigen Wegen durchzogen, Murg und Kinzigtal, sowie die Höhen des Kniebis laden zu weiteren Wanderungen ein, Stuttgart und Offenburg sind in weniger als zwei Stunden zu erreichen. Kurz, Freudenstadt hat große Vorzüge und unzweifelhaft eine noch größere Zukunft ([Abb. 147]).