Karseen.
Wo vor dreißig Jahren am Sattel des Sand erst ein kleines Wirtshäuschen sich aufgetan hatte und weit umher die hehre Waldeinsamkeit durch nichts gestört war, da liegen jetzt, jeweils kaum eine halbe Stunde voneinander entfernt, die vornehm und im Sommer von Hunderten erholungsbedürftiger Gäste besuchten Anwesen von Unterstmatt, Hundseck, Wiedenfels, Sand, Bärenfels, Herrenwies ([Abb. 162]), Plättig, Schwanenwasen, alle zwischen 645 und 930 m hoch gelegen, eines in seiner Art immer wieder verlockender als das andere. Welches wir auch zu kürzerem oder längerem Aufenthalt wählen mögen, wir werden uns glücklich fühlen, in diesem weiten Hochrevier voll Wald und Frieden zu weilen und auf kurze Frist zu vergessen, was uns unten in den Niederungen quält. Durch die Gertelbachschlucht kommen wir ins Bühlertal, längs des Hundsbachs oder Schwarzenbachs ins Murgtal bei Rauhmünzach, über Geroldsau mit seinem Wasserfall nach Lichtental und Baden hinab. Der Mehliskopf (1009 m) mit seinem auch architektonisch hübschen Turm ([Abb. 163]) gewährt einen prachtvollen Rundblick, die Badener Höhe (1002 m) mit ihrem 30 m hohen Großherzog Friedrich-Turm ebenso. Durch typische Hochmoor- und Legföhrenlandschaft ist von der Badener Höhe der fast genau ebenso hohe Seekopf zu erreichen, unter dessen steilem Felsabsturz der kleine Herrenwieser See 170 m tiefer fast ganz versteckt im Walde liegt ([Abb. 164]). All diese kleinen Wasserbecken vom Glaswaldsee bis hierher, und auch die ganz ähnlich beschaffenen bei Schönmünzach, der Schurm- und der Hutzenbacher See, haben ganz den Charakter echter Karbildungen, und es erscheint zweifellos, daß sie eiszeitlichen Wirkungen ebenso ihr Dasein verdanken, wie der Feldsee im südlichen Schwarzwald.
Der Höhenweg führt von Hundseck nach Sand, zur Badener Höhe und dann in raschem Abstieg nach Forbach im Murgtal; von hier werden wir seine Fortsetzung über Wildbad nach Pforzheim später kennen lernen. Was er uns, besonders auf der Strecke vom Glaswaldsee über den Kniebis bis zur Badener Höhe, an Schönheit erschlossen, das gehört zum Besten, was der Schwarzwald bieten kann. Jedenfalls wird man herrlicheren und vor allen Dingen ausgedehnteren Hochwald auf trefflich gebahnten Wegen nicht leicht anderswo ebenso antreffen wie hier.
Abb. 158. Der Wildsee.
Nach einer Photographie von Ph. Bussemer in Baden. (Zu [Seite 146].)
Der östliche Schwarzwald.
XVII. Die Umrandung des Gebietes.
Östlicher Schwarzwald.
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