ls östlichen Schwarzwald haben wir den von Süd nach Nord langgestreckten, von West nach Ost aber recht schmalen Landstreifen bezeichnen gelernt, der, abgesehen von dem gegen das Kraichgau zu konvexen Bogen Rastatt-Pforzheim, von den Linien Donaueschingen-Rastatt und Donaueschingen-Pforzheim eingefaßt wird, Linien, welche durch die sie bildenden Flußläufe auf jeder Karte deutlich in die Erscheinung treten. Nun umfassen aber diese Grenzen zwei gänzlich verschiedene Landschaften, deren Trennungslinie zusammenfällt mit dem Höhenrücken Freudenstadt-Nagold oder, was fast gleichbedeutend ist, mit der Wasserscheide zwischen dem Neckar und dem Nagold-Flüßchen. Die südliche dieser Landschaften ist im wesentlichen eine meridional verlaufende Buntsandsteinplatte, die gegen das westliche Grenztal Freudenstadt-Schiltach-St. Georgen-Villingen einen mehr oder weniger scharf ausgeprägten Steilrand bildet, nach Osten schwach geneigt ist und bald unter einer Muschelkalkfläche verschwindet, die ihrerseits gegen den Neckar zu wieder von Lettenkohle überlagert wird. Die Höhenunterschiede sind nirgends ansehnliche, von einem ausgeprägten Gebirgscharakter kann eigentlich nicht mehr gesprochen werden, so daß wir, wenn dies Gebiet auch aus topographischen Gründen dem Schwarzwald zugerechnet werden muß, doch sagen dürfen, es sei nach seiner ganzen Physiognomie viel eher eine Art Übergangsland zur Rauhen Alb. So mag es begründet erscheinen, auf diese Landschaft hier, wo der spärlich zugemessene Raum ohnehin schon zur Beschränkung auf das Wesentlichste und zur größten Knappheit in der Darstellung zwingt, nicht weiter einzugehen und die Besprechung auf die Gegenden zwischen Murg- und Nagoldtal einzuengen, die überall echteste Schwarzwaldnatur zur Schau tragen. Haben wir es doch auf dem ganzen Raum zwischen Rastatt-Freudenstadt-Nagold-Pforzheim mit einer ausgesprochenen Buntsandsteinlandschaft zu tun. Und da hier die Flußtäler noch tief einschneiden und die Höhen im Hohloh bis 988 m ansteigen, so ist das Relief des Bodens noch ein ansehnlich gegliedertes, wenn auch nicht bestritten werden kann, daß im Gegensatz zu den drei Westgruppen des Gebirges der Aufbau im östlichen Schwarzwald einen etwas einförmigen Eindruck macht. Allein die weit ausgedehnten Hochwälder und in sie eingeschnitten die freundlichen Wiesentäler mit ihren Städten, Heilbädern und alten Klöstern — man denke nur an Pforzheim und Calw, Wildbad, Teinach und Liebenzell, Frauenalb, Herrenalb, Hirsau — bieten so viel, daß diese vom großen Verkehr abgelegenere Landschaft freundliche Beachtung in reichstem Maße verdient.

Abb. 159. Der Mummelsee.
Nach einer Photographie von Ph. Bussemer in Baden. (Zu [Seite 146].)

Die Bahnlinien Kloster-Reichenbach-Freudenstadt-Hochdorf-Nagold-Pforzheim-Karlsruhe-Rastatt-Forbach, Nagold-Altensteig, Pforzheim-Wildbach, Karlsruhe-Herrenalb öffnen zahlreiche Einfallstore in das Gebiet, das im übrigen an Wegsamkeit den anderen Teilen des Schwarzwaldes nicht nachsteht.

Das Heckengäu.

Von Freudenstadt aus benutzen wir die Stuttgarter Bahn, um in östlicher Richtung auf hohen Viadukten über die Quellbäche der Glatt nach dem hoch und frei gelegenen Landstädtchen Dornstetten (630 m) zu gelangen, und weiter die fruchtbaren Muschelkalkflächen des Heckengäues zu durchfahren, die uns nach Südosten prächtige Blicke auf die Rauhe Alb gewähren. In Hochdorf kommt die wichtige Bahnlinie aus dem Neckartal von Horb herauf, deren südliche Fortsetzung nach Immendingen und von hier zum Bodensee oder in die Schweiz führt. Nahe bei Horb, also an der äußersten Grenze des Gebietes, das man hier dem Schwarzwald noch zurechnen darf, liegt Nordstetten, wo Berthold Auerbach 1812 geboren wurde, dessen Schwarzwälder Dorfgeschichten unserm Gebirge einst viel Freunde geworben haben.

Nagold.

Der Höhenrücken, welcher bei Hochdorf Neckar und Nagold scheidet, wird von einem fast 1300 m langen Tunnel durchschnitten; sind wir aus seinem Nordtor ausgetreten, so nimmt uns ein stilles Waldtal auf, und in kurzer Frist ist der Bahnhof von Nagold (452 m) erreicht. Wir sind nun wieder und bleiben im Buntsandstein.

Abb. 160. Hornisgrinde. Hirtenstein, über dem Mummelsee.
Nach einer Photographie von Ph. Bussemer in Baden. (Zu [Seite 148].)