Das alte Städtchen ([Abb. 166]), das neben manchem interessanten Haus aus früheren Zeiten auch noch Teile der ehemaligen Befestigung zur Schau trägt, liegt unten im Tal und gewährt von dem hochgelegenen Bahnhof einen ebenso freundlichen als stattlichen Anblick. Es zählt etwa 4000 Einwohner und erfreut sich einer ansehnlichen Gewerbetätigkeit, besonders in Woll- und Goldwaren, auch blüht der Holzhandel aufs lebhafteste, was bei der weiten Ausdehnung der herrlichsten Waldungen weit umher nicht zu verwundern ist. Überragt wird das Tal von der alten Feste Hohennagold, die, abgesehen von der prächtigen Aussicht, die sie gewährt, unser Interesse mit Recht dadurch fesselt, daß sie einen lehrreichen Einblick in die Bauweise solcher mittelalterlichen Befestigungsanlagen gestattet.

Abb. 161. Kurhaus Hundseck.
Nach einer Photographie von Ph. Bussemer in Baden. (Zu [Seite 149].)

Abb. 162. Herrenwies.
Nach einer Photographie von Ph. Bussemer in Baden. (Zu [Seite 149].)

Das Nagoldtal.

Die Nagold, die auf den Höhen östlich von Schönmünzach unfern des Murgtales entspringt, ändert bei dem nach ihr genannten Städtchen ihre bisher überwiegend östliche Laufrichtung, biegt scharf nach Norden um und behält diese Richtung bei bis zu ihrer Vereinigung mit der Enz bei Pforzheim. Ihr Tal ist seinem landschaftlichen Charakter nach ein typisches Buntsandsteintal, wie wir sie z. B. in großer Zahl im Odenwald antreffen. Die Talsohle ist im allgemeinen schmal, der Fluß beschreibt in ihr ähnlich dem Neckar oberhalb Heidelberg oder der Tauber in ihrem Unterlauf zahlreiche Serpentinen; die zwischen ihnen spornartig gelegenen Berghalbinseln müssen von der Bahn in nicht wenig Tunnels durchschnitten werden. Trotz der überall gleichen Grundelemente der Landschaft: freundliche Wiesenau in der Niederung und ernster Hochwald an den Talflanken und auf den Höhen, wechseln die Einzelbilder doch in lebhafter und anmutiger Weise, so daß die Fahrt das Tal hinab bis zur Porta Hercyniae eine höchst lohnende ist.

Wildberg.

Zunächst kommen wir nach dem kleinen Städtchen Wildberg, das, auf drei Seiten vom Fluß umströmt, an einer der eben erwähnten Berghalbinseln steil hinaufgebaut ist und mit seinen engen Gassen, alten Häusern und seinem noch bewohnbaren Schloß aus früheren Jahrhunderten — das Forstamt ist darin untergebracht — uns in anschaulichster Weise ein Stückchen Mittelalter vor die Augen zaubert ([Abb. 165]). Eine ganz ähnliche Lage nimmt die große Feste Waldeck, eine richtige Talsperre, ein, die aber von der Bahn nicht sichtbar ist. Der Schienenstrang führt unter der weiträumigen Ruine durch. Die Anlage der einst sehr wirksamen Befestigung ist auf Rudolf von Habsburg zurückzuführen, in Trümmer gelegt wurde sie 1692 durch Melac, der drei Jahre vorher auch Heidelberg zerstört hatte.

Teinach.