Abb. 169. Calw.
Nach einer Photographie im Verlag von L. Schaller in Stuttgart. (Zu [Seite 156].)
Das Würmtal.
Pforzheim hat eine hervorragend günstige Verkehrslage. Von der Rheinebene im Westen kommt die bequeme Straße, die den Schwarzwald nördlich umgeht und ihre naturgemäße Fortsetzung ins Schwabenland längs der unteren Enz zum Neckar bei Bietigheim findet. In die Täler der oberen Enz und der Nagold verzweigen sich Nebenstraßen, eine ebensolche folgt der Würm, welche kurz vor der Enz-Nagold-Vereinigung in nächster Nähe der Stadt dem letztgenannten Fluß von Südosten zuströmt. Wenn der Name der Stadt aus Porta Hercyniae abgeleitet wird, so ist das wohl sinn-, aber nicht wahrheitsgemäß. Er kommt vielmehr von Portus, bedeutet Hafen und erinnert an alten und wichtigen Schiffs- wie Floßverkehr. Römische Funde verschiedener Art bezeugen die früh erkannte Bedeutung des Ortes, der im sechzehnten Jahrhundert vorübergehend badische Markgrafen-Residenz war, bis diese nach Durlach verlegt wurde. Heute ist Pforzheim ([Abb. 173]), dessen Straßen sich vom hochgelegenen Bahnhof 30 m bis zur Enz hinabsenken, mit seinen 69000 Einwohnern die viertgrößte Stadt Badens und einer der wichtigsten Fabrikorte Süddeutschlands. Seine blühende Goldwarenindustrie geht auf das Jahr 1767 zurück, beschäftigt in der Stadt selbst sowie in den angrenzenden Nachbarorten gegen 30000 Arbeiter und erzeugt Waren im Wert von vielen Millionen Mark. An sogenannten Sehenswürdigkeiten bietet die Stadt außer der alten Schloßkirche nicht allzuviel; ihr Charakter ist der eines modernen Gemeinwesens mit lebhaft pulsierendem Geschäftsleben. Das stattliche neue Rathaus, die ebenfalls ganz neue Stadtkirche in dem vor kurzem erst erschlossenen Baugebiet unten an der Enz, Stadtpark und Festhalle sind beredte Zeugen des lebhaften Aufblühens der Stadt. Zahlreiche Ausflugsziele laden zu lohnenden Wanderungen nach allen Seiten ein, so im Norden der nahe Wartberg (377 m) mit seiner weiten Aussicht, im Süden der Kupferhammer an der Vereinigung von Nagold und Würm, und viele andere, unter denen besonders der Ausflug ins Tal des letztgenannten Flüßchens Beachtung finden möge, weil er uns in der gotischen Kirche zu Tiefenbronn wohl die größte Monstranz in Deutschland und einen künstlerisch hochbedeutsamen Altar finden läßt.
Abb. 170. Hirsau. Nach einer Photographie von G. Röbcke in Freiburg. (Zu [Seite 156].)