Der Eisenbahnweg von Pforzheim nach Durlach bietet nichts von Belang für eine Schwarzwaldschilderung. Durlach selbst und die nahe badische Hauptstadt Karlsruhe liegen außerhalb des Rahmens, der hier gesteckt ist, und die Strecke Karlsruhe-Rastatt kann für uns nur insofern von Bedeutung sein, als sie in den Bahnstationen Ettlingen und Malsch wichtige Eingangspforten des Gebirgsteiles erschließt, dessen Inneres noch der Besprechung harrt.

XVIII. Kreuz und quer durch den östlichen Schwarzwald.

Der Höhenweg II. Mahlberg.

A

ls orographische Hauptachse des östlichen Schwarzwaldes muß naturgemäß die unmittelbar über der Murg verlaufende, durch keine nennenswerte Einsenkung unterbrochene Höhenlinie gelten, deren Ostgehänge sich in die Quellgebiete der Unteren Alb — die Obere Alb haben wir im südlichen Schwarzwald kennen gelernt — der Enz und Nagold hinabsenken. Um sie kennen zu lernen, folgen wir in der Hauptsache dem nördlichsten Stücke des Höhenweges II, der zwar nirgends so hoch ansteigt wie die ihm entsprechenden Wegstrecken in den drei westlichen Gruppen unseres Gebirges. Aber an einzelnen entzückenden Fernblicken und an schweigender Einsamkeit prächtiger Waldlandschaften steht er den schon bekannten Höhenwegen nicht nach. Auf lange Wanderstunden berührt er keine menschliche Siedlung, dagegen hat er den Vorzug, daß die Abstiege zu den Raststätten des Murgtales ausnahmslos nur kurz sind. Von Karlsruhe aus wird diese stille Bergwelt viel und gerne besucht. Und es ist ein bedeutender Vorzug der hinsichtlich ihrer allernächsten Landschaftsumgebung etwas stiefmütterlich ausgestatteten badischen Residenz, daß die Bahnen nach Rastatt und ins Murgtal, sowie ins Albtal es mühelos gestatten, in kürzester Frist Hitze, Staub und Lärm der Stadt zu vertauschen mit der kühlen Frische und Ruhe des friedlichen Bergwaldes. Von der 8700 Einwohner zählenden Industriestadt Ettlingen, die mit dem unfernen Karlsruhe durch zwei Bahnlinien verbunden ist, kann über die mitten im Walde versteckten Dörfer Schluttenbach und Völkersbach, und von der Station Malsch kann auf noch kürzerem Wege das luftig auf der Höhe liegende Freiolsheim (500 m) erreicht werden, und dann erfordert der Anstieg zum Karlsruher Turm auf dem Mahlberg (613 m) nur noch geringe Zeit und Mühe. Oben erfreut uns ein weiter, schöner Ausblick über ein Meer von Wald, über das dörferreiche Murgtal gerade zu Füßen, auf die Badener Berge, die Rheinebene, Wasgau und Hart. Bequeme Abstiege lassen die Bahn in Rothenfels oder Gaggenau wieder erreichen. Weiter gelangen wir fast stets der badisch-württembergischen Grenze entlang, die hier sehr weit gegen die Rheinebene vorgeschoben erscheint, zum Sandsteinfelsen des Bernstein (692 m) und zum Käppele (532 m), der Straßenhöhe zwischen Gernsbach und Herrenalb, von wo zum Großen Loch aufgestiegen wird.

Teufelsmühle.


Hier hat die Sandsteinverwitterung nicht nur die auch sonst weit verbreiteten Blockmeere gebildet, sondern auch zur Entstehung wirklicher Höhlen geführt. Schüsselartige Eintiefungen in die Gesteinsoberfläche erscheinen dem Volke als Wundergebilde und gaben seit alters Veranlassung, die nahe, jetzt auch turmgeschmückte Höhe (907 m) Teufelsmühle zu nennen. Hier gewinnen wir den von Gernsbach heraufkommenden alten Weg, der sich als „Weinstraße“ bis Freudenstadt verfolgen läßt und daran erinnert, daß hier wie anderwärts die Wegbauer früherer Jahrhunderte gern die Täler mit ihren technischen Schwierigkeiten und Gefahren mieden und sich statt ihrer so viel als möglich auf den Höhen hielten. Wir folgen der Weinstraße bis zum Kaiser Wilhelm-Turm auf dem 988 m hohen Hohloh ([Abb. 174]), der höchsten Erhebung des östlichen Schwarzwaldes und dem nördlichsten Punkte, von dem in seltenen Fällen noch Alpenaussicht nachgewiesenermaßen möglich ist.

Abb. 171. Der Wild- oder Hornsee. Gemälde von Hans Busse. (Zu [Seite 164].)