Die eßbare Kastanie geht weniger weit nach Norden als der Nußbaum. In warmen Lagen Deutschlands, wie am Rhein, wurde er aber schon in den ersten Jahrhunderten n. Chr. eingebürgert. Teilweise ist er hier verwildert und hat sich so gut eingelebt, daß er beispielsweise auf den Bergen um Heidelberg herum und an der Bergstraße geradezu zu einem Charakterbaum der Landschaft wurde. Weder zur Römerzeit noch auch später drang er nach Norddeutschland vor, wo es ihm zu rauh ist und er keine Früchte mehr zeitigt, so daß er höchstens als Zierbaum gehalten werden kann. Deshalb fehlt auch sein Name gänzlich in den Orts- und Flurnamen Mittel- und Norddeutschlands. Nur in Italien, Südfrankreich, Spanien, Korsika, Sardinien usw. bildet der edle Kastanienbaum ganze Waldungen. So sehr sind seit der Römerzeit seine schmackhaften Früchte in diesen Gebieten zur Volksnahrung geworden, daß man in Frankreich die Trägheit der Korsen ihren Kastanien zuschrieb. In der Tat genügt einer korsischen Familie der Besitz von zwei Dutzend Kastanienbäumen und einer das ganze Jahr hindurch im Freien weidenden Ziegenherde, um alle ihre Bedürfnisse zu decken.

Nach der Eroberung Teneriffes durch die Spanier am Ende des 15. Jahrhunderts wurde der Kastanienbaum auch auf diese Insel verpflanzt. Auch hier bildet er ausgedehnte Waldungen und gedeiht so üppig wie in seiner Heimat, dem nördlichen Kleinasien, wo Wutzer auf seiner Orientreise nicht nur gewaltige Bäume der großen Haselnußart, sondern auch Platanen und Kastanien sah, deren Größe ihn in Erstaunen versetzte.

Die Früchte einer in Nordamerika vorkommenden Spielart des Kastanienbaums finden dieselbe Verwendung wie diejenigen der altweltlichen. Auch werden dort die der Castanea pumila, der Chincapin, gegessen. Ebenso hat China in der Castanea chinensis und Indonesien in der Castanea argentea und Castanea tungurrut einen Ersatz für unsere Eßkastanie. Übrigens gibt es in den Tropen der ganzen Erde verschiedene Bäume, die den Kastanien an Wohlgeschmack gleichkommende Früchte besitzen, die sowohl roh als geröstet gegessen werden. Unter ihnen ist der wichtigste Bombax malabaricum, ein ungeheurer Baum Ostindiens mit süßen, angenehm schmeckenden Samen. Auch die mehlreichen Samen von Carolinea princeps in Guiana und dem übrigen nördlichen Südamerika und von Carolinea insignis auf den Antillen schmecken geröstet wie Kastanien und werden, wie die jungen Blätter und Blumen als Gemüse gern verspeist. Ähnlich schmecken die süßen Samen von Melicocca bijuga und Cupania tomentosa in Westindien. Ausgezeichnet süß, kastanienartig schmecken auch die Samen des westafrikanischen Baumes Blighia sapida, die samt dem fleischigen, sie umgebenden Mantel gekocht und gebraten gern gegessen werden. Durch Negersklaven wurde der Baum auch nach Westindien gebracht, wo er öfter kultiviert angetroffen wird. Dasselbe ist bei Laurus chloroxylon in Brasilien und bei Sloanea dentata im nördlichen Südamerika der Fall. Auch der durch seine kindskopfgroßen Früchte ausgezeichnete Topfbaum (Lecythis ollaria) des tropischen Amerika ist seiner kastanienartigen Samen wegen beliebt und wird, wie auch mehrere andere Lecythis-Arten mit ähnlichen Samen, häufig angepflanzt. Endlich ist noch der australische Baum Castanospermum australe zu nennen, dessen aus der Hülse gelösten kastaniengroßen Samen wie Kastanien verspeist werden.

Vom nordwestlichen Himalaja, Beludschistan und Afghanistan, wo er nach Atchison von 2200 bis 2800 m Höhe gefunden wird, über Nordpersien bis nach Kleinasien ist der Walnußbaum (Juglans regia) heimisch, der überall in seiner Heimat in größeren Beständen im Gebirge wächst und den Anwohnern in seinen Nüssen eine willkommene Nahrung spendet. Zu den Griechen kamen sie gleich den Kastanien unter der Bezeichnung persische oder königliche Nüsse (aus dem bereits mitgeteilten Grunde, weil dort im persischen Kleinasien ein König herrschte) oder als sinopische Nüsse (káryon), weil sie auch von der Hafenstadt Sinope am Südrande des Schwarzen Meeres in größeren Mengen nach Griechenland gebracht wurden. Dem Namen nach sind sie also für uns nicht von den Kastanien unterscheidbar. Wie die Kastanie wurde sie von den Griechen auch Diós bálanos, d. h. Zeus-Eichel genannt, unter welcher Bezeichnung sie dann später durch Vermittlung der Griechen Süditaliens zu den Römern kam, welche sie in derselben Weise juglans (zusammengezogen aus Jovis glans, d. h. Jupiterseichel) nannten. Ihre ölreichen Kerne scheinen sich bei den Griechen keiner besonderen Wertschätzung erfreut zu haben; denn der griechische Arzt Dioskurides im 1. Jahrhundert n. Chr. schreibt: „Die königlichen Nüsse (káryon basilikón), welche bisweilen auch persische Nüsse genannt werden, sind schwer zu verdauen, schaden dem Magen, erzeugen Galle, machen Kopfweh, sind namentlich bei Husten zu vermeiden. Dagegen ist ihr Genuß Nüchternen, welche Erbrechen bewirken wollen, nützlich. Mit Feigen und Raute vermischt gibt man sie als Vorbeugungsmittel gegen Gift, vertreibt mit ihnen, wenn man sie in Menge verzehrt, die Bandwürmer, benutzt sie noch sonst innerlich und äußerlich, setzt auch die verkohlten Schalen und Kerne einigen äußerlich anzuwendenden Mitteln bei. Aus den zerstampften Nüssen preßt man Öl. Übrigens bekommen frische dem Magen weit besser als alte.“ Sonst schweigen sich die griechischen Autoren über den Walnußbaum aus. Wir wissen nur, daß die lakedämonischen Jungfrauen zur Zeit des Einsammelns der Nüsse (plur. kárya) ein danach Kárya genanntes Fest zu Ehren der Artemis karyátis feierten, und daß deshalb karyatízein den bei diesem Feste abgehaltenen Tanz tanzen bedeutete. Danach heißen Karyatiden die an einem solchen Nußfeste tanzenden Jungfrauen, die ein attischer Bildhauer als Gebälkträgerinnen — auch einfach Koren, d. h. Mädchen genannt — an der Südhalle des Erechtheions auf der Akropolis in Athen in für alle Zeiten vorbildlicher Weise darstellte.

Geschätzter als bei den Griechen waren die Walnüsse bei den Römern, die den Walnußbaum ziemlich häufig angepflanzt zu haben scheinen. Der überaus gelehrte Marcus Terentius Varro (116–27 v. Chr.) schreibt über die Walnuß: „Diese herrliche, große Frucht heißt glans, weil sie in ihrer grünen Schale einer Eichel (glans) ähnlich sieht; juglans heißt sie von Jupiter (Stamm Jov) und glans. Sie heißt auch Nuß (nux), weil sie den Körper schwarz färbt, wie die Nacht (nox) die Luft.“ An einer anderen Stelle sagt er: „Hat man Walnüsse (nux juglans), Datteln (palmula) und sabiner Feigen (ficus) eingemacht, so schmecken sie um so besser, je eher man sie verzehrt; denn die Dattel wird durch das Alter blaß, die Feige morsch, die Walnuß trocken.“ Er hält aber dafür, daß die Nußbäume ihrer Umgebung schädlich seien: „Neben einem Eichenwald gedeiht der Ölbaum schlecht, neben Kohl (olus) der Weinstock, der sich sogar von jenem wegneigt; auch die Walnußbäume (juglans) machen rings um sich her das Erdreich unfruchtbar.“

Der berühmte Redner Cicero, der im Jahre 43 v. Chr. ermordet wurde, sagt an einer Stelle seiner nach seinem Landgute Tuskulanum bei der altlatinischen Stadt Tusculum im Sabinergebirge benannten Schrift: „Der syrakusanische Tyrann Dionysius (der ältere, 431–367 v. Chr.) war so mißtrauisch, daß er sich vor dem Rasiermesser fürchtete und sich den Bart von seinen Töchtern mit glühenden Walnußschalen wegbrennen ließ.“ Der 79 n. Chr. beim Vesuvausbruch umgekommene Plinius meint wie Varro: „Der Schatten der Walnußbäume ist von großem und schädlichem Einfluß, tötet gleich dem der Pinien, Rot- und Weißtannen alle anderen Pflanzen, verursacht sogar dem Menschen Kopfweh.“ Und von seinen Früchten sagt er: „Die Walnüsse (nux juglans) haben keinen großen Wert, obgleich ihr Gebrauch bei Hochzeitsfeierlichkeiten eingeführt ist. Die Natur hat diese Frucht dadurch ausgezeichnet, daß sie den in einer holzigen Schale liegenden Kern noch in eine weiche Schale einschloß. Daß sie von den Königen Persiens stammt, beweist der Umstand, daß sie bei den Griechen königliche Nüsse (s. vor. Stelle bei seinem Zeitgenossen Dioskurides) heißen; auch nennt man jetzt noch die beste Sorte persicon und basilicon. Kopfnuß (káryon) heißt eine Sorte wahrscheinlich deswegen, weil sie durch ihren starken Geruch Kopfweh verursacht. Die gerbstoffreiche grüne Schale wird zum Färben der Wolle benutzt, die ganz jungen Nüsse dienen zum Braunfärben der Haare. Im Alter werden die Walnüsse ölig. Die Sorten unterscheiden sich nur nach der Schale, welche fest oder zerbrechlich, dünn oder dick, in Fächer geteilt oder einfach ist. Die Schale zerfällt in zwei Teile, der Kern selbst ist durch Zwischenhäute vierteilig.“

Auch andere, besonders griechische Schriftsteller sprechen von der Sitte, die sich bis heute in Griechenland erhielt, im Augenblicke da die Neuvermählte das hochzeitliche Gemach betrat, Nüsse unter die Gäste und Kinder zu streuen, damit Zeus-Jupiter, nach welchem die Nüsse hießen, der jungen Frau Fruchtbarkeit schenken möge. So fordert der römische Dichter Vergil (70–19 v. Chr.) in einer seiner Eklogen auf: „Streuet Nüsse (nuces) dem Hochzeitspaar aus!“ Auch Ovid (43 v. bis 7 nach Chr.) spricht an zwei Stellen von Walnüssen, das eine Mal, da er von seiner Geliebten Amaryllis (Pseudonym, nach der Bezeichnung der schönen, von Vergil in seinen Hirtengedichten besungenen Hirtin oder Nymphe gleichen Namens, der die „Glänzende“ bedeutet) sagt: sie liebte Kastanien und Nüsse, und das andere Mal, da er von derselben meldet: ihr fehlten weder Nüsse noch Mandeln. Palladius im 4. Jahrhundert n. Chr. sagt von der Kultur des Walnußbaumes: „Die nux juglans liebt feuchte, kühle, steinige Höhen, kommt aber auch an wärmeren vor. Man zieht sie aus an der Sonne getrockneten Nüssen, die in der Weise gepflanzt werden, daß man einen Stein oder Backstein unter sie legt, damit sie keine einfache Pfahlwurzel, sondern geteilte Wurzeln treiben. Die Bäumchen sollen alle 2 bis 3 Jahre versetzt werden, dadurch gedeihen sie besser. Die Wurzeln dürfen dabei nicht beschnitten werden; man bestreicht sie aber mit Rindermist, streut auch Asche in die Grube. Man macht die Gruben recht tief und auch weit voneinander entfernt, weil ein Walnußbaum selbst dem anderen durch seine Traufe schadet. Man lockert die Erde rings um den Stamm zuweilen auf, damit dieser im Alter nicht so leicht hohl wird. Ist er aber doch hohl geworden, so haut man ihn von einer Seite bis zur Höhlung auf, damit Sonne und Wind eindringen und die Fäulnis hemmen können. Werden die Nüsse zu hart oder knotig, so muß man einen Schnitt rings in der Rinde machen, um die schlechten Säfte abzuführen. Andere schneiden in diesem Fall die Wurzelspitze ab, oder bohren ein Loch in die Wurzel und schlagen einen Pflock von Buchsbaumholz hinein. Will man gemeine Walnüsse in die tarentinische Sorte (mit weicher Schale) verwandeln, so steckt man nur den von der harten Schale befreiten fleischigen Kern, wickelt ihn aber zuvor zum Schutz gegen Ameisen in Wolle. Will man einen schon tragenden Baum in einen tarentinischen verwandeln, so begießt man ihn ein ganzes Jahr lang monatlich dreimal mit Lauge. Die Reife der Nuß erkennt man daran, daß sich ihre äußere Schale ablöst. Ihre Aufbewahrung geschieht entweder unter Spreu oder Sand oder trockenen Walnußblättern oder in einem Kasten von Walnußholz oder zwischen Küchenzwiebeln, denen sie zugleich den scharfen Geschmack benehmen. Man kann nach Angabe vieler Gärtner Walnußreiser im Februar auf Erdbeerbäume (arbutus) pfropfen, am besten in den Stamm, ebenso auf Pflaumen- oder auf Walnußbäume.“ Dem fügt ein griechischer Autor in der Geoponika bei: „Pfropfreiser des Walnußbaumes (káryon) wachsen nicht leicht an, jedoch gelingt die Veredlung, wenn man sich nicht gleich abschrecken läßt und sorgfältig zu Werke geht. Einige Gärtner heben 2- und 3jährige Walnußbäumchen aus, pfropfen die Wurzeln und setzen sie wieder ein.“

Mit den Kastanien brachten die Römer auch die Walnüsse über die Alpen und pflanzten sie um ihre Militärstationen. So fanden sich auch im Wegwurf der Saalburg zerbrochene Schalen von Walnüssen, die dort einst von den Legionären oder deren Angehörigen verspeist wurden. So scheint der Walnußbaum zuerst um die römischen Kastelle gewachsen zu sein, um im Laufe von Jahrhunderten von da weiter ins Land hinauszugelangen. So sind Ortsnamen, die mit Nuß- zusammenhängen, in der Rheingegend schon in den ältesten auf uns gekommenen Urkunden nachweisbar, so der Flecken Nußloch bei Heidelberg, der zuerst im Jahre 776 und das Dorf Nußbaum bei Bretten in Baden, das zum ersten Male im Jahre 883/884 belegt ist. Dazu kommen später Nußdorf (erster Beleg 1134), Nußbach bei Oberkirch (1196), Nußbach bei Triberg (1284) und Nußbaum bei Mosbach (1335). Daß der Baum in Gallien besonders intensiv kultiviert wurde beweist der spätlateinische Name nux gallica, dessen Reflex wir im deutschen Walnuß und im englischen walnut haben. Die Anpflanzung des Nußbaums wird sowohl im Capitulare de villis wie in den beiden uns erhaltenen Garteninventaren Karls des Großen aus dem Beginne des 9. Jahrhunderts angeordnet. In der Hünenburg bei Rinteln an der Weser aus dem 10. bis 11. Jahrhundert n. Chr. wurden Stücke von Walnußschalen gefunden. Heute hat sich der Nußbaum überallhin, wo es ihm nicht zu kalt ist, verbreitet und wird seiner ölreichen Nüsse, die ein sehr gutes Tafelöl liefern, und seines sehr gesuchten Holzes wegen viel gepflanzt.

Die Haselnuß (Corylus avellana) ist fast in ganz Europa und in Vorderasien heimisch. Hier war sie schon den Menschen der Steinzeit ein beliebtes Nahrungsmittel und wir finden ihre zerbrochenen Schalen im Wegwurfe der Pfahlbauern der jüngeren Stein- und der Bronzezeit. An einzelnen Fundstellen finden sie sich zu ganzen Schichten angehäuft. Erst die Griechen und hernach die Römer haben außer der einheimischen wilden Art auch schon größere und feinere, kultivierte Arten gekannt, so die lombardische oder Lambertsnuß (Corylus tubulosa) und die türkische Haselnuß (Corylus colurna). Der Erzeuger der ersteren ist ein stattlicher Strauch, derjenige der letzteren dagegen ein Baum, der in seinem Vaterlande, im Pontusgebiet bis Armenien, ganze Wälder bildet. Beide kamen aus dem nördlichen Kleinasien über die Städte am Pontus als kárya póntika, d. h. pontische Nüsse, nach Griechenland, von wo sie in die griechischen Kolonien Siziliens und Unteritaliens gelangten. Hier wurden sie mit besonderer Vorliebe kultiviert, so daß die bei der Stadt Abella in Campanien wachsende Haselnuß — welche der beiden vorhin genannten groß-kernigen Sorten es war, ist nicht entschieden — als nux abellana von den Römern, die deren Kultur von den Griechen übernahmen, besonders geschätzt wurde.