Durch die Römer wurden diese pontischen Haselnußrassen gleichzeitig mit Walnuß und Kastanie in ihren transalpinen Provinzen eingeführt. So fand man im Wegwurf in den Brunnen des römischen Feldlagers der Saalburg nicht nur zahlreiche Schalen der gewöhnlichen Haselnuß, sondern auch der großen Lamberts- und türkischen Haselnüsse. Auf Grund dieser Funde dürfen wir annehmen, daß die avellanarii, d. h. die Haselnußstauden, die in den Gärten Karls des Großen gezogen wurden, nicht sowohl einheimische, wilde, die ja sonst gar nicht besonders angeführt worden wären, als vielmehr die lambertsche oder die türkische Haselnuß waren. Im 16. Jahrhundert wurden dann echte türkische Haselnüsse durch Valerius Cordus, der sie von einem ungarischen Gesandten in Konstantinopel erhielt, direkt bei uns eingeführt und in Gärten Mitteleuropas kultiviert. Allerdings erreicht sein Erzeuger bei uns lange nicht die stattliche Größe, die er in seiner Heimat in den Pontusländern aufweist.

Solche haselnußartige Samen bieten sehr zahlreiche Pflanzen aller möglichen Länder, unter denen wir nur die chilenische, brasilische, westindische und nordamerikanische Haselnuß, die Waldmandel Westindiens und verschiedener Waldbäume des nördlichen Südamerika mit teilweise mandelartigem Aussehen nennen wollen. Die brasilischen Nüsse, von den Einheimischen juvias genannt, sind vierkantige, braune Samen von der Größe einer Walnuß mit ölreichem Kern, der wie Mandeln schmeckt. Der sie hervorbringende stattliche Baum (Bertholletia excelsa) wächst überall in den Wäldern von Guiana, Venezuela und Nordbrasilien und wird zur Zeit der Samenreife stets von den Indianern aufgesucht, die diese wohlschmeckenden Nüsse sehr lieben und viele Wochen hindurch davon leben. Leider werden sie bald ranzig und lassen sich deshalb nicht längere Zeit aufbewahren. Außerdem gibt es in denselben Gebieten einen souari genannten hohen Baum (Caryocar butyrosum) und in Ekuador einen nahen Verwandten desselben, den pequi-Baum (Caryocar amygdaliferum), die den Mandeln ähnliche ölreiche Samen aufweisen.

Von geringerer Bedeutung, aber für uns wichtiger sind die Pistaziennüsse und das Johannisbrot, die wir ebenfalls aus dem warmen Süden erhalten. Ihre Erzeuger, die Pistazie und der Johannisbrotbaum, ohne die wir uns die alten Kulturländer am Mittelmeer nicht mehr vorstellen können, sind ebensowenig wie die früher betrachteten Fruchtbäume hier heimisch, sondern erst in geschichtlicher Zeit vom Menschen dort angesiedelt worden. Die echte Pistazie (Pistacia vera) hat ihre Heimat im südlichen Kaukasus, in Mesopotamien und Syrien, wo sie stellenweise noch wild wachsend in größeren Beständen angetroffen wird. Sie ist ein 6–9 m hoher Baum mit unpaarig gefiederten, abfallenden Blättern, kurzen Blütenrispen und eiförmig länglichen, 2,5–4 cm großen Steinfrüchten. Diese besitzen einen dünnen Überzug von grünem, rot angehauchtem Fleisch und darunter unter holziger Schale angenehm mandelartig schmeckende, haselnußgroße, länglich dreikantige, grüne Kerne, die Pistazienmandeln oder syrischen Nüßchen (ital. pistacchi), die im Orient roh gegessen und zu allerlei Backwerk, auch zur Gewinnung von Öl verwendet werden, das aber leicht ranzig wird. Früher dienten sie auch als Heilmittel; jetzt werden sie nur noch in der Küche, von Zuckerbäckern und Metzgern zum Würzen der feineren Würste verwendet.

In Babylonien ist die Pistazienkultur uralt und schon damals werden die Früchte wie heute noch in Syrien und Ägypten eine Lieblingsnäscherei der vornehmen Haremsdamen gewesen sein. Sie hießen im Assyrischen butnu und als botnim kamen sie nach Syrien und Palästina, wo sie zur Zeit der jüdischen Erzväter bekannt waren. Als die Brüder Josephs, von der Hungersnot gedrängt, zum zweitenmal nach Ägypten zogen, nahmen sie als Geschenke an den Minister des Pharao, in dem sie ihren Bruder nicht vermuteten, unter den erlesenen Landesfrüchten auch Pistazien mit. Von da an hat man keine Nachricht mehr vom Vorhandensein dieses Fruchtbaums in Syrien, bis nach der Erschließung Vorderasiens durch den Zug Alexanders des Großen ums Jahr 330 v. Chr. die Griechen Kunde von ihm erhielten. So berichtet Theophrast, der Schüler des Aristoteles: „In Indien wächst ein Baum, der der Terebinthe ähnlich ist, dessen Früchte aber wie Mandeln sind. Er soll auch in Baktrien wachsen; die Früchte sollen besser als Mandeln schmecken und werden deshalb dort lieber gebraucht als diese.“ Dieser Autor kennt noch keinerlei Namen für diese Frucht. Ein solcher erscheint erst hundert Jahre später, zu Ende des 3. vorchristlichen Jahrhunderts beim griechischen Dichter Nikander, der schreibt: „Am wild brausenden indischen Strome Choaspes — es ist dies der Fluß von Susa — tragen die Äste der Pistazien (pistákia) Früchte gleich Mandeln.“ Den Namen pistákion, d. h. Pistazie nennt wiederum hundert Jahre später der aus Apamea in Syrien gebürtige Geschichtschreiber Poseidonios. Er sagt, daß in Arabien und Syrien die sogenannte Pistazie wachse, deren grünliche Kerne zwar den Pinienkernen an Geschmack nachstehen, aber einen angenehmen Duft haben. In der Folge wird der Pistazienbaum mehrfach von medizinischen Schriftstellern erwähnt, so vom griechischen Arzte Dioskurides, der um die Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. eine reichhaltige Arzneimittellehre verfaßte und darin über dessen Früchte schreibt: „Die Pistaziennüsse (pistákion), welche in Syrien wachsen, sind den Piniennüssen (stróbilos) ähnlich und bekommen dem Magen gut.“ Ähnlich schreibt der im Jahre 131 n. Chr. in Pergamon geborene und ums Jahr 200 in Rom verstorbene berühmte Arzt Galenos: „Die Pistaziennüsse (pistákion) wachsen bei Alexandria in Ägypten, aber noch weit häufiger bei der Stadt Berrhoea in Syrien. Sie geben wenig Nahrung, sind aber gesund.“

Plinius nennt unter den Bäumen Syriens den, „der die bekannten Pistaziennüsse (pistacium) trägt“ und berichtet, daß ihn der Römer Lucius Vitellius — nicht zu verwechseln mit dem nachmaligen Kaiser Aulus Vitellius —, der zur Zeit des Tiberius zwischen den Jahren 20 und 30 n. Chr. Legat in Syrien war und von dorther allerlei Gartenfrüchte und Obstbäume auf sein Landgut bei der Stadt Alba in Mittelitalien verpflanzte, nach Italien, und Flaccus Pompejus, ein römischer Ritter, der mit Vitellius Kriegsdienste tat, nach Spanien brachte. In Mittelitalien wird aber jedenfalls das Klima zu rauh für den empfindlichen medisch-persischen Baum gewesen sein; denn noch in Kalabrien und auf Sizilien, wo ihn in der Folge die Römer akklimatisierten, liefert er weniger schmackhafte Früchte als in seiner orientalischen Heimat.

Auch in Sizilien und Sardinien wuchs der Baum, von dem gewöhnlich Edelreiser auf die im Mittelmeergebiet überall heimische Terpentinpistazie gepfropft wurden. Noch im 4. Jahrhundert n. Chr. berichtet uns Palladius, der selbst Güter auf der Insel Sardinien besaß, vom Anbau dieses Fruchtbaumes. Aber die Kultur desselben muß in den Stürmen, die die Völkerwanderung über Italien brachte, vollständig außer Gebrauch gekommen sein, und es blieb den Arabern vorbehalten, mit so manchen anderen asiatischen Kulturpflanzen wie Dattelpalme, Mohrhirse, Safran und Zitrone auch die Pistazie wieder an dafür geeigneten Orten am Mittelmeer, das sie ja um die Wende des 1. christlichen Jahrtausends völlig beherrschten, angesiedelt zu haben. Seitdem sie die Pistazie wiederum in Sizilien und Süditalien anpflanzten, blieb der Fruchtbaum bis auf den heutigen Tag in der Kultur der sie in der Herrschaft ablösenden Christen, die die Früchte gerne aßen und in der Küche verwandten. Am häufigsten trifft man bei uns die sizilischen Pistazien; die tunesischen sind wegen ihrer schönen grünen Farbe besonders geschätzt, während diejenigen Aleppos sehr groß und gelb sind.

Wie der Pistazienbaum wurde auch der Johannisbrotbaum oder Caroubier (Ceratonia siliqua) erst durch die Araber in den wärmeren Gegenden am Mittelmeer als Spender eines billigen Volksnahrungsmittels angesiedelt. Dieser heute namentlich in den östlichen Mittelmeerländern weit verbreitete Hülsenfrüchtler stellt einen nicht sehr hohen, breitausladenden, schattenreichen Baum dar mit paarig gefiederten, lederartigen Blättern. Sein bevorzugter Standort sind die sonnendurchwärmten, felsigen Halden in der Nähe des Meeres, die vor dem kalten Nordwind geschützt sind; denn dieses sonnenverwöhnte Kind Vorderasiens liebt diesen durchaus nicht. Hier wächst er langsam, trägt erst nach zwanzig Jahren, dauert aber jahrhundertelang aus. Seine flachen, hornartig gekrümmten Schoten mit süßem, nahrhaftem Fruchtfleisch, das innen glänzend dunkle, bohnenartige Samen birgt, werden nicht nur mit Vorliebe von Schweinen, Pferden und Eseln, sondern auch vom Menschen roh und geröstet oder gebacken überall im Orient gegessen. Auch auf unsern Jahrmärkten erscheint das Johannisbrot als geschätzter Leckerbissen mit der Süßholzwurzel und den schwarzen Lakritzenstangen. Lakritz ist aus dem griechischen glykyrrhíza, d. h. Süßwurzel zusammengezogen, und erfreut hier besonders die Kinder. Aus den als Karuben bezeichneten Fruchthülsen — das Wort stammt aus dem arabischen charrûb — wird auch ein süßer, honigähnlicher Saft gepreßt, der als keratomeli, d. h. Hörnchenhonig im Morgenlande sehr beliebt ist. Nach ihrer hörnchenartig gekrümmten Form nannten die alten Griechen, die den Baum selbst nicht kannten, sondern nur die aus dem Orient eingeführten Früchte gelegentlich auf dem Markt kauften, die Johannisbrotschoten kerátia oder kerōnia, d. h. Hörnchen und glaubten irrtümlicherweise, sie kämen aus Ägypten. Erst der Schüler von Aristoteles, Theophrastos (390–286 v. Chr.), versichert mit Nachdruck, sie kämen nicht von dorther, sondern aus Syrien und Ionien; denn zu seiner Zeit war der Karubenbaum bis Knidos im südwestlichen Kleinasien und bis zur Insel Rhodos im Ägäischen Meere vorgedrungen. Auch Strabon, der ums Jahr 25 n. Chr. verstorbene griechische Geograph aus der kleinasiatischen Stadt Amasia südlich vom Schwarzen Meer, sagt, er wachse nicht in Ägypten, sondern zugleich mit der Dattelpalme in Äthiopien, wo er in Menge gedeihe.

Seine eigentliche Heimat hat der Johannisbrotbaum in Syrien, wo er mit anderen Fruchtbäumen und Nutzpflanzen vermutlich vom uralten Volke der Chetiter in Kultur genommen und veredelt wurde. Einst, wie jetzt, bildeten seine süßen Schoten dort und in Palästina eine gemeine Speise. Johannes der Täufer soll sich während seines Aufenthalts in der Wüste damit genährt haben, weshalb sie überhaupt den Namen Johannisbrot erhielten. Noch den Reisenden neuerer Zeit wird der angebliche Baum gezeigt, von dessen Früchten der Vorläufer des Messias sein Leben während der Zurückgezogenheit in der Wüste gefristet haben soll. Im Gleichnis vom verlorenen Sohn, das im 15. Kapitel des Evangeliums nach Lukas berichtet wird, begehrt der verlorene Sohn, der zum Schweinehirten herabgesunken ist, seinen Hunger mit den Hörnchen (im Urtext apó tón keratión, fälschlich von Luther, der die wahre Bedeutung dieses Wortes nicht kannte, mit Treber übersetzt), die die Schweine fraßen, zu stillen, aber niemand gab sie ihm. Diese Hörnchen sind nichts anderes als das Johannisbrot.

Tafel 43.