In bezug auf Holzertrag sind die Nadelhölzer die ausgiebigsten und werden daher vielfach in Waldgebieten, die früher ausschließlich Laubwälder trugen, in ausgedehnter Weise angebaut. Ihr Holz ist viel einfacher gebaut als dasjenige der Laubbäume; Gefäße fehlen ihm ganz, doch enthalten die meisten Arten besondere Harzgänge, die beim Eröffnen durch Einschnitte in der Richtung des Stammes das balsamartige Terpentin liefern. Die Lärche wird hierzu im Frühjahr nahe dem Boden angebohrt, das Bohrloch durch einen Zapfen verschlossen und im Herbst entleert. Bei der Tanne sammelt sich das Terpentin in Harzhöhlen der Rinde an und fließt nach Öffnung der Beulen ab. In Österreich gewinnt man auf den Stamm jährlich 2 kg Terpentin, in Westfrankreich etwa 3,6 kg. Von starken Fichten, besonders alleinstehenden, auf deren Erhaltung es nicht ankommt, kann man bis 40 kg Terpentin gewinnen. In Frankreich werden Bäume im Alter von 20–40 Jahren 20–40 Jahre hindurch, kräftigere Individuen noch längere Zeit, auf Terpentin ausgebeutet. Meist wird dort die Strandkiefer (Pinus maritima) dazu verwendet. Das deutsche Terpentin gewinnt man von der Kiefer (Pinus silvestris) und Fichte (Picea excelsa), das Straßburger Terpentin von der Weißtanne (Abies pectinata), das venezianische Terpentin in Südösterreich von der Lärche (Larix europaea), das amerikanische Terpentin hauptsächlich von Pinus australis, P. palustris und P. taeda und den Kanadabalsam von der Balsamtanne (Abies balsamea und fraseri). Letzterer unterscheidet sich vom gewöhnlichen Terpentin vor allem durch seine starke Lichtbrechung, weshalb er besonders zur Einbettung mikroskopischer Präparate dient.
Eine weitere wichtige Nutzung der Nadelhölzer ist die Gewinnung von Holzteer, die in folgender Weise von Fichten gewonnen wird: Die betreffenden Stämme werden im Juni von Ästen und Rinde bis zum Holz in der Höhe von etwa 2,5 m befreit. Nur an der nördlichen Seite der Baumstämme wird ein etwa 5 cm breites Band der Rinde gelassen, um den Baum am Leben zu erhalten. Man läßt den Baum 2–5 Jahre so stehen, worauf die Rinde in derselben Weise von den Stämmen abgeschält wird, doch etwa 1,5 m höher, so daß die Stämme jetzt 4 m hoch kahl sind, mit Ausnahme des Bandes der nördlichen Seite. Wiederum läßt man den Baum 2 Jahre so stehen. Dabei bedeckt sich der kahle Teil der Stämme mit einer dicken Lage von Harz. Dann schneidet man den an der nördlichen Seite gelassenen Rindenstreifen los. Die Bäume werden im Oktober oder November gefällt und das so behandelte Holz zum Meiler gebracht, wo es etwa 1,8 m hoch aufgestapelt wird. Hierauf wird das Holz der Länge nach gespalten und nach dem Trocknen im kommenden Sommer in Teermeilern unter Luftabschluß verbrannt. Ist dann in 4–5 Tagen das Brennen beendet, so sind bei der trockenen Destillation etwa 7500 Liter Teer von dunkelbrauner Farbe und sirupartiger Konsistenz ausgeflossen. Er wirkt durch seinen Gehalt an Kreosot fäulniswidrig und dient daher zum Anstreichen von allem der Feuchtigkeit ausgesetztem Holz und Tauwerk. Bei der fraktionierten Destillation gibt er zuerst leichte, dann schwere Teeröle, zuletzt Kreosot und als Rückstand Pech ab, womit die Schiffe kalfatert werden. Birkenholzteer dient zur Bereitung von Juchtenleder. Aus Torf- und Braunkohlenteer bereitet man Leuchtöle, Schmieröle und Paraffin. Der übelriechende, schwarze Steinkohlenteer gibt bei der Destillation zuerst leichte Kohlenwasserstoffe (Benzol, Toluol usw.) ab, die, mit Schwefelsäure und Natronlauge gereinigt und rektifiziert, als Benzin in den Handel kommen. Bei weiterem Erhitzen erhält man die leichten Teeröle, die hauptsächlich zur Darstellung der Anilinfarben, als Leuchtöle und zum Lösen des Kautschuks dienen, dann schwere Teeröle, die zum Imprägnieren des Holzes und als Schmieröle dienen. Aus ihnen wird die Karbolsäure isoliert. Weiterhin werden wiederum Kohlenwasserstoffe gewonnen, die als Schmieröle verwendet werden. Aus ihnen isoliert man auch Naphthalin und Anthracen, die Farbstoffe und einige pharmazeutische Produkte liefern. Der Destillationsrückstand ist das Steinkohlenpech, das als Asphaltsurrogat und zu Firnissen dient. In Europa werden jährlich über 700 Millionen kg Teer verarbeitet, wovon über die Hälfte allein in England. Wird Teer bei unzureichendem Luftzutritt verbrannt, so scheidet sich viel Kohlenstoff ab, der als Ruß benutzt wird. Der Teer ist seit dem Altertum bekannt und gebräuchlich. Der ältere Plinius berichtet eingehend über die Herstellung und Verwendung desselben, den er pix liquida nennt.
Zur Erzeugung intensiver Hitze überall da, wo Rauch- und Flammenbildung vermieden werden muß, z. B. im Schmiedefeuer, beim Erhitzen von Gegenständen, wie Bügeleisen, im Zimmer usw. benutzt man Holzkohle, die ein weiteres wichtiges Produkt der Holzausbeutung ist. Sie wird durch Erhitzen von Holz bei Luftabschluß gewonnen. Bei dem aus dem Altertum stammenden Meilerbetrieb wird das Holz in annähernd halbkugelförmigen Haufen, Meiler genannt, in großen Scheiten regelmäßig um drei in der Mitte errichtete Pfähle aufgesetzt und mit einer Decke von Rasen, Erde und Kohlenklein bedeckt. Unter dieser Decke entzündet man das Holz und leitet die Verbrennung bei sorgsam geregeltem, sparsamem Luftzutritt in der Weise, daß nicht mehr Holz verbrennt, als erforderlich ist, um die gesamte Holzmasse auf die Verkohlungstemperatur zu erhitzen. Im wesentlichen sollen nur die aus dem erhitzten Holze sich entwickelnden Gase oder Dämpfe verbrennen. Ist die Verkohlung vollendet, was man an der Farbe des entweichenden Rauches erkennt, so läßt man den Meiler abkühlen und nimmt ihn auseinander. Runde oder eckige gemauerte Meileröfen gestatten eine leichtere, vollständigere Gewinnung der Nebenprodukte, wie Teer und Holzessig, die beim Meilerbetrieb verloren gehen, liefern aber geringere Ausbeute und weniger gute Kohle. Eine bessere Leitung des Verkohlungsprozesses erreicht man bei Anwendung von Retorten. Hierbei gewinnt man „destillierte“ Kohle, wie sie besonders für die Schießpulverfabrikation erforderlich ist.
Das bei uns in Süddeutschland und der Schweiz weitaus populärste Nadelholz ist die gemeine Fichte oder Rottanne (Picea excelsa). Sie ist eine der schönsten und ergiebigsten Waldbäume, die bei einem Alter von 700–800 Jahren eine Höhe von 64 m bei einem Stammdurchmesser von über 2 m an der Basis erreichen kann. Am rötlichbraunen Stamm mit pyramidenförmig spitzer Krone hängen die unteren langen Hauptäste fast herab oder sind niedergebogen, während die kürzeren oberen kräftiger und aufgerichtet sind. Die 15–25 mm langen, geraden oder schwachgekrümmten, zweischneidig vierseitigen, spitzen, dunkelgrünen Nadeln bleiben bis zum 7. Jahre stehen und fallen im Gegensatz zu denjenigen der Weiß- oder Edeltanne beim Trocknen des Zweiges ab. Die (männlichen) Staubblüten sitzen zu eiförmigen gelben, bei der Fichte im Gegensatz zur Weißtanne allmählich rot werdenden Knäueln hoch oben am Ende starker Äste zwischen den Nadeln der letztjährigen Triebe, bei der Fichte mehr vereinzelt, bei der Weißtanne zahlreicher. Wenn sie im Mai den gelben Blütenstaub entlassen, weht ihn der Wind zwischen die Schuppen der bei der Fichte roten bis dunkelvioletten, bei der Weißtanne dagegen grünlichgelben (weiblichen) Samenblüten. Nach der Befruchtung schließen sich die geöffneten Zäpfchen der letzteren, senken sich nach abwärts und öffnen sich erst im Oktober, wenn der Same voll ausgereift ist und sie braun geworden sind, wieder, um die geflügelten Samen durch den Wind verbreiten zu lassen. Doch fliegen sie meist erst im folgenden Jahre aus, wonach erst die leeren Zapfen als Ganzes abfallen. Bei der Weißtanne dagegen bleiben die Fruchtzäpfchen aufrecht auf ihren Zweigen stehen; zwischen den einzelnen, breiten Schuppen wachsen die Enden der Deckblätter (Brakteen) zierlich heraus, und im September, nach der Reife, öffnet sich der Zapfen nicht, sondern er entblättert sich allmählich und verliert seine graubraunen Schuppen, bis zuletzt nur die kahle Spindel übrig bleibt. Wer also einen richtigen Tannenzapfen der Weißtanne zu haben begehrt, der muß warten, bis etwa ein Baum vor der Samenreife gefällt wird oder der Sturm einige Äste mit Fruchtzapfen herunterreißt. Samenjahre kehren bei der Fichte durchschnittlich alle fünf Jahre wieder. Dabei bleibt der Samen 3–5 Jahre keimfähig. Auch im Alter erreicht die Fichte wie die Lärche nie eine eigentliche Kronenabwölbung. Sie wächst ziemlich schnell, hört aber in der Ebene mit 60–80 Jahren auf zu wachsen; im Gebirge dagegen wächst sie weiter und wird nicht selten 400–600 Jahre alt.
Die Fichte ist nämlich mehr ein Baum des Gebirges als der Ebene, geht nach Norden nicht so weit als die genügsamere Kiefer, liebt einen frischen, steinigen, humusreichen, nicht zu flachgrundigen Boden und viel Bodenfeuchtigkeit, da sie ausgiebig Wasser verdunsten läßt. Während sie erst in Nordostdeutschland, besonders in der Niederlausitz, in Schlesien, Ostpreußen und jenseits der Weichsel in die Niederungen steigt, ist sie mehr südlich und westlich durchaus ein Gebirgsbaum. Im deutschen Mittelgebirge ist sie der herrschende Baum. Auch im deutsch-österreichischen Bergland hat sie bedeutende Massenverbreitung und dringt bis in die italienischen Alpen und in Frankreich bis zu den Pyrenäen vor. In Serbien erreicht sie etwa bei 43° nördlicher Breite ihre Südgrenze, geht aber durch Südsibirien östlich bis zum Amurlande. In den Alpen steigt sie bis in die Legföhrenregion hinauf, höher als die Kiefer, reicht aber in Lappland nicht über den 69. Grad hinaus, während die Kiefer hier bis zum äußersten Saum der Wälder reicht. In Westdeutschland, Belgien, den Niederlanden und den britischen Inseln war sie ursprünglich nicht heimisch, sondern wurde hier erst seit 1780 zur Aufforstung großer Ödflächen eingeführt. Sie eignet sich nämlich vorzüglich dazu, verödeten und verwilderten Boden rasch zu decken und zu verbessern. Sie ist eine der zähesten Waldbaumarten, ganz besonders dazu geeignet, auf kümmerlichen Standorten den Kampf ums Dasein mit Erfolg zu beginnen und, wenn auch nicht siegreich zu beenden, so doch nicht zu unterliegen und als energischer Pionier der nächsten Generation von Bäumen eine bessere Stätte zu bereiten.
Man bewirtschaftet die Fichtenbestände meist in 70–100jährigem Umtriebe. In Norddeutschland verjüngt man wegen der Sturmgefährlichkeit in kleinen Kahlschlägen, in denen der herrschenden Windrichtung entgegen fortgeschritten wird. Im mittleren und südlichen Deutschland ist man aber bei der „Fichten-Dunkelschlagwirtschaft“ geblieben. Wegen des Rüsselkäfers läßt man das zu bebauende Land ein Jahr ruhen. Dann pflanzt man die drei- oder vierjährigen, in Saatbeeten erzogenen Pflänzchen in das Kulturfeld, und zwar je 3 oder 4 Exemplare zusammen. Man mischt sie auch zweckmäßig mit Buchen und Tannen, aber nicht mit Kiefern oder Eichen. Bei 100jährigem Umtriebe rechnet man auf den mittleren Fichtenstandorten ungefähr 6 Festmeter vom einzelnen Baum. Kaum eine andere Holzart ist zur Massenerzeugung so geeignet und liefert ein so günstiges Resultat als die Fichte. Das weiche Holz schwindet stark und ist außer als Brennstofferzeuger besonders als Bau- und Werkholz beliebt. Die Rinde nicht zu alter Bäume dient zum Gerben. Erzeugung und Verbrauch dieser Materialien lassen sich nicht überblicken.
Im Gegensatz zur flachbewurzelten Fichte läßt die Weiß- oder Edeltanne (Abies pectinata) ihre Wurzeln tief in den Boden eindringen und ist dadurch sturmfest; auch ist sie dem Schneebruch und Insektenschäden weniger ausgesetzt als jene. Sie kann 10–15 Jahre von andern Bäumen unterdrückt stehen und gedeiht, freigestellt, dennoch gut. Sie erholt sich leicht, wenn sie jung vom Wild beschädigt wird, und ihre verlorene Spitze ersetzt sie sofort durch eine oder zwei andere. Ihre glatte, graue, innen braune, ziemlich dicke Rinde ist an den Stellen, an denen sich Terpentin ansammelt, beulenartig aufgetrieben. An dem bis über 45 m hoch werdenden Stamm stehen die Haupt- und Seitenäste zu drei bis sechs quirlförmig horizontal ausgebreitet. Die 13–26 mm langen, 2 mm breiten, flachen Nadeln mit stumpfer, eingekerbter Spitze sind oben glänzend dunkelgrün mit vertiefter Mittellinie, unten dagegen blaugrau mit zwei deutlichen, aus je einer Reihe weißer Punkte — den Spaltöffnungen — gebildeten Längslinien. Sie starren nur an den aufrechten Gipfeltrieben rings um den Trieb herum, an den Seitenzweigen ordnen sie sich kammförmig zu beiden Seiten des Triebes, so daß sämtliche Nadeln ihre blattgrünreiche Oberseite dem Lichte zuwenden. Auf die Eigentümlichkeiten der Fruchtbildung wurde bereits hingewiesen. Da die Fruchtzapfen bei der Reife, wenn der Samen ausfällt, verblättern, werden sie für die Forstnutzung im September gepflückt. Die junge Pflanze erscheint zeitig im Frühjahr, oder 3–4 Wochen nach der Frühjahrssaat mit 4–8 Keimblättern, die sich von denjenigen der Fichte durch ihre breitere, flachere Form unterscheiden. Sie wird im ersten Jahre etwa 2,6 cm, im zweiten 5,2 cm hoch. Der Zuwachs ist auf die Dicke des Stämmchens und auf ein oder zwei Seitenästchen gerichtet, die sich in horizontaler Richtung über den Boden hin verbreiten. Das Längenwachstum aber ist in dieser Zeit sehr unbedeutend. Im 14. oder 15. Jahre hat die junge Weißtanne erst eine Höhe von 15–60 cm erreicht, während die viel schneller wachsende Fichte in dieser Zeit bedeutend größer geworden ist. Bis zum 100. Jahre wächst nun die Weißtanne jährlich um etwa 30 cm, von da an weniger. Vom 30. Jahre an beginnt sie Früchte zu tragen. Auch sie kann 400 bis 600 Jahre alt werden und eine Höhe von 63 m bei einem Umfang von gegen 6 m erreichen.
Die Weißtanne fordert wie die Rotbuche einen höheren Feuchtegrad der Atmosphäre und gemäßigtere Temperatur als die Fichte. Sie liebt daher im Gebirge vorzugsweise die westlichen und nördlichen Einhänge. Den besten Weißtannenboden liefern die feldspatreichen Urgebirgsarten, Granit und Gneis, ferner tonreiche Schiefer und Konglomerate. Der Boden muß tiefgründig und humusreich sein. Als Waldbaum gehört sie den höheren Stufen des mitteleuropäischen Berglandes und den südosteuropäischen Gebirgslandschaften meist in einer Höhe von 800–1200 m über Meer im mittleren, von 1200–1700 m im südlichen Europa an. Zur höchsten Vollkommenheit gedeiht sie nur im „Bestandsschluß“, da sie einen erheblichen Schneedruck erträgt und in der Jugend des Schutzes durch Altstämme bedarf. Wird sie in reinen Beständen angepflanzt, so gehört ein Umtrieb von 140 bis 160 Jahren dazu. Häufiger mischt man sie unter Buchen und Fichten. Die Tannenbestände werden am besten in frostfrei liegenden Samenschlägen verjüngt. Man sät wegen der Frostgefahr und des Mäusefraßes im Frühjahr und bedeckt die Samen höchstens 0,8 cm tief mit Erde. Sind die Pflänzlinge 2 Jahre alt, so werden sie umgepflanzt, werden aber erst mit 6 Jahren an ihren definitiven Standort gebracht. Verwendet man Wildlinge, so sind sie mit Ballen einzusetzen.
Aus der Weißtanne gewinnt man das beste Terpentin von hellgelber Farbe, mit zitronenartigem Geruch und einem Gehalt von 34 bis 35 Prozent Terpentinöl. Das weiße, leicht spaltbare Holz steht im Verbrennungswert um 0,2 niedriger als dasjenige der Fichte, dagegen um 0,14 höher als dasjenige der Kiefer und um 0,16 höher als dasjenige der Rotbuche. Es gibt ein treffliches Bauholz, das an Dauer, Tragkraft und Elastizität ein wenig hinter dem Fichtenholz zurücksteht und darin ungefähr dem Kiefernholz gleichkommt. Es wird besonders zu Span- und Schnitzholz, zu Schachteln, Siebrändern, Böttcherarbeiten und gedrechselten Waren sehr geschätzt. Da die Stämme, soweit sie astrein sind, ziemlich gleichstark bleiben, eignen sie sich vorzüglich zu Mastbäumen. Das Holz junger Stämme gibt die besten Resonanzböden für Musikinstrumente. Meist benutzt man junge Weißtannen mit farbigen Bändern geziert zu Maibäumen und beim Aufpflanzen auf den Giebel neu aufgerichteter Häuser, ebenso als Weihnachtsbaum, da diese Baumart vor den Fichten den Vorzug hat, beim Trocknen die Nadeln nicht zu verlieren. Schon die alten Germanen schmückten beim Julfest ihre Behausung mit Tannenzweigen als Symbol der Unvergänglichkeit des Naturlebens. Dieses heidnische Julfest wurde nach der Einführung des Christentums zum Weihnachtsfest umgedeutet, das aber erst seit der Mitte des 17. Jahrhunderts durch einen geschmückten Weihnachtsbaum mit angezündeten Kerzchen gefeiert wird. Der erste nachweisbare Weihnachtsbaum brannte in Straßburg.
In Skandinavien, Nord- und Ostrußland und ganz Nordasien ist die Altaifichte (Picea obovata) heimisch, während im Morgenlande die Sapindusfichte (P. orientalis) als ein 30 m hoher Baum mit dichter, feiner Verzweigung, sehr gedrängt stehenden, kurzen, glänzend dunkelgrünen Nadeln und harzreichem Holz auf dem Taurus und Kaukasus dichte Wälder bildet. In Serbien, Bosnien, Montenegro und Bulgarien bildete die über 40 m hoch werdende Omorikafichte (P. omorika) von sehr schlankem Wuchs, mit silberweißen Streifen auf der Unterseite der glänzend dunkelgrünen Nadeln große Wälder, ist aber heute durch anhaltende Raubwirtschaft auf wenige Standorte beschränkt. Diese, wie auch die im Kaukasus und im pontischen Gebirge heimische Nordmanns-Weißtanne (Abies nordmanniana) mit schwärzlichgrauer Rinde, unterseits bläulichweiß gestreiften Nadeln und sehr großen, mit Harz bedeckten Fruchtzapfen, die in Griechenland heimische griechische Tanne (A. cephalonica) mit spitzen Nadeln, die schöne, über 60 m hoch werdende spanische Tanne (A. pinsapo), die in den Gebirgen Südspaniens und Nordafrikas noch Bestände bildet, und die sibirische Tanne (A. sibirica) werden bei uns kultiviert. Desgleichen kultiviert man von amerikanischen, die in ihrer Heimat eine große Bedeutung als Nutzhölzer haben, die Schwarzfichte (Picea nigra), einen etwa 25 m hohen Baum mit schwärzlicher Rinde, dunkelgrünen, durch die weißlichen Spaltöffnungen blaugrün erscheinenden Nadeln und 3 cm langen, in der Jugend schön violetten Zapfen. Sie bildet mit der Rotfichte (P. rubra), einem bis 20 m hohen Baum mit rötlichem Holz und frischgrünen Nadeln, und der Weißfichte (P. alba), einem 25–30 m hohen Baum mit graugrünen, blaugrün erscheinenden Nadeln und 3–4 cm langen Zapfen im nordöstlichen Nordamerika größere Bestände. Ihr Holz ist dauerhafter als das der beiden zuletzt genannten Arten.