Während in unsern Mittelgebirgen die mehr wärmeliebende Tanne die tieferen Lagen, die meist auch besseren Untergrund haben, einnimmt, und die Fichte höher hinaufsteigt, vermögen beide nicht auf sonnigen, trockenen Hängen oder auf schlechtem, steinigem Boden zu gedeihen. Dagegen tut dies die Kiefer oder Föhre (Pinus silvestris), die ihre Wurzeln tief durch die engsten Felsspalten zu zwängen versteht und wie im kargen Felsboden, so auch im magersten Sandboden fortzukommen vermag. Nicht weniger als ⅖ der gesamten Waldfläche Deutschlands, besonders die von der letzten Eiszeit herrührenden sandigen Gebiete des Nordostens, sind mit ihr bestanden. Durch sie ist es überhaupt für den Menschen möglich geworden, die unfruchtbaren Sand-, Heide- und Moorgegenden Norddeutschlands zu besiedeln. Im Naturwald kommt die Kiefer nur auf ganz nahrungsarmem Boden rein vor. Überall auf den mittleren und besseren Bodenarten sind die Bestände mit Eichen, Birken und Buchen durchsprengt. Von den Grenzen Italiens bis Lappland wird sie gefunden und reicht von Frankreich bis nach Sibirien. Sie gedeiht im hohen Norden Rußlands noch, wo kein Baum mehr fortkommt, und geht in Norwegen bis zum 70. Grad nördlicher Breite, wo die nördlichsten Kiefernwaldungen der Erde sind. In Südeuropa wächst sie nur auf Gebirgen; in Griechenland, namentlich auf den Gebirgen Makedoniens, wird sie in über 2000 m Höhe, wie an der Baumgrenze im Norden, strauchartig. Der 25–33 m hohe Baum bildet nach erreichtem Höhenwachstum seine zuvor pyramidenförmige Krone schirmförmig aus. Der 0,6–1,2 m dicke Stamm ist mit dicker, längsrissiger Borke bedeckt, die unten schwarzgrau, weiter oben rotbraun und zu oberst leuchtend braungelb gefärbt ist. Im freien Stande ist sie der Länge nach mit Ästen besetzt und blüht vom 15. Jahre an, während sie in geschlossenen Beständen bis hoch hinauf die infolge Lichtmangels abgestorbenen Äste abwirft, nur eine unbedeutende, lockere Krone bildet und erst vom 50. Jahre an blüht. Durch die tief in den Boden eindringenden Wurzeln ist die Kiefer sturmfester als die nur ein oberflächliches Wurzelwerk ausbildende Fichte, leidet aber an ihrer weit ausgreifenden, fast kuppelförmig gewölbten Krone mehr durch Schneedruck als jene. Die Nadeln der Kiefer sind länger und dünner als diejenigen der Fichte und Tanne, 2,5 bis fast 8 cm lang, matt blaugrün, sind im Querschnitt halbkreisförmig und kommen, mit der abgeflachten Seite gegeneinander gestellt, zu je zweien aus einer häutigen Scheide, die eigentlich ein stark verkürzter Seitentrieb ist. Sie werden im Alter dunkler grün, sind von mehreren Harzgängen durchzogen und fallen im Herbst des dritten oder vierten Jahres ab. An der Spitze der hellgrünen, jungen Triebe erscheinen im April und Mai gestielte, kugelige Zäpfchen von bräunlichroter Farbe, die Samenblüten, während am Grund anderer die reich mit goldgelbem Pollen gefüllten grünen, männlichen Blütenkätzchen hervorbrechen. Dieser ergießt sich so reichlich, um vom Winde auf die weiblichen Blüten getragen zu werden, daß er nach einem Gewitterregen die Oberfläche von Wasserrinnen und Gräben dicht überzieht; so ist es begreiflich, daß man einst, bevor man die Natur dieses Überzuges erkannt hatte, die Fabel vom Schwefelregen erfinden konnte. Die Zapfen der Kiefer sind erst im Spätherbst des zweiten Jahres ausgereift, sie sind dann mattgrau, eiförmig, öffnen sich aber erst im März des dritten Jahres durch Auseinanderweichen der holzigen Fruchtblätter, um die nach oben in einen langen, häutigen Flügel auslaufenden Samen vom Winde entführen zu lassen. Aber auch wenn sie geleert sind, bleiben sie noch lange am Baume hängen, bis sie der Wind abreißt. Dann werden sie als „Kienäpfel“ vielfach gesammelt und geben ein gutes Brennmaterial.
Die junge Kiefer braucht zu ihrem Gedeihen reichliche Belichtung und ist deshalb mit sehr raschem Jugendwachstum ausgestattet, das ihr erlaubt, sich bald über die langsamer wachsenden Holzarten ihrer Umgebung hinauszuheben. Dabei kommt der regelmäßige Aufbau der jährlichen Astquirle besonders klar zum Ausdruck, zumal die Kiefer niemals Ästchen zwischen den Quirlen entwickelt. Auch ihre lichte Zweigstellung weist darauf hin, daß sie mehr Sonne und Licht bedarf als Tanne und Fichte. Da in diesem Falle der Stamm besonders der Erwärmung ausgesetzt ist, kann ihm die dicke Schutzborke, durch die sich die Licht liebenden Hölzer im allgemeinen von den Schatten ertragenden Baumarten unterscheiden, nur von Vorteil sein. Um junge Kiefernpflanzen zu erzielen, sät man den Samen in Rillen und verpflanzt in der Regel die einjährigen, seltener die zweijährigen Pflänzchen in die Bestände, die vierjährigen müssen, wenn sie nicht eingehen sollen, sorgfältig mit Ballen versehen sein. In Mischbeständen bleibt die Kiefer gesunder als in reinen Beständen. Sie wächst in der ersten Hälfte ihres Lebens viel schneller als in der zweiten, vom 50. bis 80. Lebensjahre wächst sie langsamer, aber gleichmäßiger fort und erreicht ein Alter von ungefähr 300 Jahren. Das gelbliche bis rötlichweiße Holz besonders der nicht zu rasch aufgeschossenen Stämme ist infolge seines Harzreichtums sehr dauerhaft und deshalb besonders zu Erd- und Wasserbauten viel begehrt. Früher wurden mit Vorliebe Schiffsmasten aus ihm hergestellt, während man es neuerdings mehr zu Eisenbahnschwellen und zur Holzpflasterung verwendet. Besonders gut eignet sich dazu das engringige skandinavische Kiefernholz, während als Zimmerholz dasjenige der amerikanischen Kiefern, besonders das pitchpine, vorgezogen wird. Aus dem harzreichen Stockholze gewann man früher mehr als heute Kienöl und Kienruß; außerdem liefert die Kiefer Terpentin, Teer und Pech, die Rinde Gerbstoff. Die gallertartige, süße Borke wird in Schweden roh und zubereitet gerne gegessen. Die Kiefer hat besonders unter den Insekten eine große Anzahl gefährlicher Feinde, unter denen der Kiefernspinner, die Nonne, die Kieferneule, der Kiefernspanner, der große und kleine Kiefernrüsselkäfer, die große und kleine Kiefernblattwespe und der Kiefernmarkkäfer zu nennen sind.
Im Gebirge ist die Kiefer durch die Bergkiefer, auch Knieholzkiefer oder Legföhre, Latsche genannt (Pinus montana früher P. pumilio) vertreten. Sie ist außerordentlich anpassungsfähig an die verschiedensten Standorte, wechselt dementsprechend außerordentlich in bezug auf Wuchs, Form und Aussehen, so daß schon Sachkenntnis dazu gehört, sie unter allen Umständen zu erkennen. In der baumlosen Hochgebirgsregion — in den Alpen von 1400–2000 m Höhe — überzieht sie als niederes, dem Boden angedrücktes Knieholz sehr weite Flächen und bildet einen vortrefflichen Schutz gegen Lawinengefahr, da sie, wegen ihrer großen Biegsamkeit den Schneedruck aushaltend, große Schneemassen festzuhalten vermag. Andererseits gedeiht sie auch im lockeren Flugsande der Dünen, wo sie, besonders in Dänemark, zur Festhaltung des Sandes angepflanzt wird. Zu ihren natürlichen Standorten gehören auch die ausgedehnten Hochmoore des Alpenvorlandes, wo sie bald strauchartig ihre Äste bogenförmig vom Boden erhebt, bald als aufrechter, bis 15 m Höhe erreichender Baum mit Kiefern und Birken vermischt kleine Bestände bildet. Diese letztere Form wird auch als „Spirke“ bezeichnet, während bei der eigentlichen Legföhre der Stamm dem Boden anliegt und erst gegen die Spitze zu sich allmählich aufrichtet, um der Sonne entgegenzustreben.
Alle Formen der Bergkiefer unterscheiden sich von der gemeinen Kiefer durch eine nach Stärke und Färbung viel mehr an die Fichte als an die Kiefer erinnernde Borke, durch gedrungenen Wuchs, durch dauerhaftere, dunkelgrüne, kürzere und dickere Nadeln und kleine nicht mattgraue, sondern glänzend braune, nach dem Aufspringen fast kugelige Zapfen. Das dichte, feine Holz dient zu Drechslerarbeiten und Schnitzereien; auch gewinnt man aus ihm statt Terpentinöl das besonders zu Inhalationen bei Bronchitis beliebte Latschenöl, das ein altes Volksheilmittel ist und besonders in Bayern und Tirol viel angewandt wird.
Vom Wienerwald bis Sizilien, von Südspanien bis nach Kleinasien findet sich, zumeist in Korsika, im Apennin und in Bithynien, die der gemeinen Kiefer ähnliche, aber mit grauschwarzer Borke und dunklen, grünen Nadeln versehene, 30–38 m hohe Schwarzkiefer (Pinus laricio) mit pyramidenförmiger Krone, die sich erst im Alter wölbt. Sie ist der schon mehrfach in der Ilias als peúkē genannte Baum, der schon bei den alten Griechen zur Terpentin- und Harzgewinnung ausgebeutet wurde. Das harzreiche Holz wurde, weil nicht faulend, besonders zu Pfählen, dann aber auch zur Herstellung von Fackeln verwendet. Die Fackelmacher bildeten im alten Griechenland ein besonderes Gewerbe. In derselben Weise wurde sie bei den Römern ausgebeutet. Heute wird sie besonders in Frankreich zur Harzgewinnung kultiviert, wie in den österreichischen Alpen ihre Abart, die österreichische Kiefer (Pinus nigricans). Bei uns wird neuerdings die aus Österreich eingeführte Schwarzkiefer infolge ihrer überaus großen Genügsamkeit in bezug auf den Boden zur Aufforstung von Ödland verwendet; doch kann sich ihr Holz an Güte mit demjenigen unserer gemeinen Kiefer nicht messen.
Ebenfalls zur Harznutzung wird die in Südeuropa und Kleinasien im Gebirge nahe der Meeresküste häufig angetroffene Strandkiefer (P. maritima) benützt. Im Westen von Algerien bildet sie noch ausgedehnte Wälder. Der schöne, 25–30 m hohe Baum mit pyramidenförmiger Krone, langen, dunkelgrünen, etwas gekrümmten Nadeln und braunen Zapfen ist in fast alle am Meere gelegene Länder eingeführt worden. Vornehmlich aber der Terpentingewinnung dient die als Terpentinkiefer (P. pinaster) bezeichnete Abart derselben. Der sehr hoch werdende Baum hat einen grauschwarzen Stamm, sehr rauhe Äste mit ziemlich dicken, lebhaft grünen Nadeln und grauen Zapfen und wird auf dem dürren Heideboden der Landes in Südwestfrankreich im großen zur Terpentingewinnung kultiviert. Ihr wurde von der Wissenschaft die Bezeichnung der alten Römer für Kiefer, pinaster, gegeben.
Den lateinischen Namen pinus dagegen erhielt von den Römern die in Südeuropa heimische Pinienkiefer oder Pinie (Pinus pinea), ein 12–16 m hoher Baum mit malerischer Schirmkrone, 13–20 cm langen Nadeln mit 11–13 cm langen Zapfen mit eßbaren Samen, Piniennüsse oder, nach dem italienischen pignoli, als Pignolen bezeichnet. Er bildet heute noch stellenweise in Griechenland und Italien Wälder, von denen der Pineta genannte Pinienwald bei Ravenna der bekannteste ist. (Taf. 97.) Der ältere Plinius gibt uns eine eingehende Beschreibung der Kultur der Pflanze, von der der Dichter Vergil sagt: „Die Pinie (pinus) ist der schönste Baum der Gärten, die Esche (fraxinus) der schönste Baum der Wälder, die Pappel (populus) der schönste der Flüsse, die Tanne (abies) aber der schönste der Hochgebirge.“ Das häufigste und nützlichste Nadelholz Griechenlands aber war die von den alten Hellenen pítys genannte Aleppokiefer (Pinus haleppensis) mit 7–9 cm langen, fadenförmigen Nadeln und 8–10 cm langen, übergebogenen, kegelförmigen Zapfen. Mit letzterem, der auch von der gemeinen Pinie genommen wurde, war der mit Efeu und Weinlaub umwundene Thyrsosstab der Bacchanten gekrönt, weil mit dem von diesem Baume gewonnenen Harz der Wein zur Konservierung „resiniert“, d. h. geharzt wurde. Mit einem Kranze aus seinen Zweigen wurden die Sieger der dem Meergotte Poseidon zu Ehren alle zwei Jahre abgehaltenen Isthmischen Spiele an der den Peloponnes mit dem übrigen Griechenland verbindenden Meerenge von Korinth geschmückt. Seine Stämme lieferten den Griechen außer Harz und Terpentin das beste Schiffsbauholz.
Von nordamerikanischen Kiefern, die eine über ihr Vaterland hinausgehende Bedeutung erlangt haben, ist die hauptsächlich das amerikanische Terpentin liefernde Weihrauchkiefer (Pinus taeda) mit fast weihrauchartigem Harz, dann die ebenfalls im atlantischen Gebiet der Union ausgedehnte Wälder bildende Pechkiefer (P. rigida), ferner die Terpentinkiefer (P. palustris) zu nennen, deren gelbrotes Holz als pitchpine wegen des verhältnismäßigen billigen Preises in großer Menge bei uns eingeführt und besonders zu Fußböden, Vertäfelungen, Innenausstattung von Trambahnwagen, seltener zu Möbeln Verwendung findet. Unter demselben Namen wird auch das Holz der auf dem Felsengebirge noch in großen Beständen vorkommenden Gelbkiefer (P. ponderosa) in den Handel gebracht, während das ebenfalls gelbe Holz der in den Südstaaten der Union und in Mexiko wachsenden Besenkiefer (P. australis) als yellow pine reiche Verwendung findet. Auch sie liefert viel Harz und Pech sowie Terpentin. Noch größer als sie werden Coulters- und Sabines-Kiefer (P. coulteri und P. sabineana), die wie die vorigen als Zier- und Nutzbäume bei uns kultiviert werden. Die größte Bedeutung kommt aber als Zier- und Nutzholz der schlanken Weymouthskiefer (P. strobus) aus dem atlantischen Gebiet Nordamerikas zu, die seit 1705, als sie Lord Weymouth nach Europa brachte, das Bürgerrecht bei uns erworben hat. Sie besitzt 10–16 cm lange, hellgrüne, fein geriefte Nadeln und langgestreckte, großschuppige Fruchtzapfen. Sie ist durch ihr rasches Wachstum ausgezeichnet und liefert ein weißes, geradfaseriges Holz, das bei uns hauptsächlich zu Kisten, Rolläden usw. verarbeitet wird.
Noch weit größer als sie wird die 80–96 m Höhe bei einem Stammdurchmesser von 4,8 m erreichende kalifornische Riesenkiefer (P. lambertiana), die durch blaugraue, 10–13 cm lange, am Rande fein gezähnelte Nadeln ausgezeichnet ist. Bei ihr entspringen wie bei der Weymouthskiefer und den folgenden Kieferarten einschließlich der Arve die Nadeln zu 5 aus einer Scheide. Nur etwa 38 m hoch mit 8–10 cm langen, gekielt dreikantigen Nadeln und 40 cm langen Zapfen wird die im Süden der Union und in Mexiko wachsende Acahuitfichte (P. ayacahuitle) — bei den alten Mexikanern ayaquahuitl genannt —, deren Holz außerordentlich harzreich ist und aus deren Zapfen ein klares, wohlriechendes Terpentin tropft, das in seiner Heimat vielfach Verwendung findet.
Wie die Pinie eßbare, als Zirbelnüsse bezeichnete Samen, hat auch die Zirbelkiefer oder Arve (P. cembra) genießbare Früchte. Dieser stattliche Baum mit 10–13 cm langen, steifen, dreikantigen Nadeln und 8–10 cm langen, eiförmigen Zapfen ist bei uns ein ausgesprochener Bewohner des Hochgebirges, der bis an die Baumgrenze (über 2000 m) hinansteigt und hier dem Wanderer als eine prächtige Erscheinung entgegentritt. Leider ist aber dieser Baum in den Alpen entschieden im Rückgang begriffen, da er den erfolgreichen Wettbewerb lebenskräftigerer Arten nicht aushält. In den Karpaten steigt er tiefer hinab als in den Alpen und bildet in Sibirien auf dem flachen Lande ausgedehnte Wälder. Auf den Gebirgen Asiens und im äußersten Nordosten Sibiriens bildet die Arve eine der Legföhre entsprechende, als Legarve bezeichnete Form. Diese nordische Arve ist durch gewisse biologische Unterschiede von der alpin-karpatischen verschieden, sie keimt und wächst rascher, wird höher (35–42 m, während sie im ersteren Gebiet sehr selten 20 m hoch wird und nie über 24 m hinausgeht), ist mit einem Wort noch lebenskräftiger als die mehr im Süden vorkommende. Ihr rötlich gelbes Holz dient mit Vorliebe zum Bau der Alphütten, zur Vertäfelung der Zimmer der Gebirgsbewohner (z. B. im Engadin) und liefert wegen seiner Gleichmäßigkeit ein vortreffliches, viel benutztes Material zu Schnitzarbeiten.