Gleicherweise ein Hochgebirgsbewohner wie die Arve, aber ein solcher, der im Gegensatz zu jener von seinem ursprünglichen Wohngebiet hinabstieg und vom Menschen weithin auch in den Niederungen angesiedelt wurde, ist die Lärche (Larix decidua), die insofern von allen europäischen Nadelhölzern eine Ausnahmestellung einnimmt, als sie nicht immergrün ist, sondern im Herbst regelmäßig ihre Nadeln abwirft. Diese müssen also viel zarter gebaut sein, als die der übrigen Nadelhölzer. Sie sind nur 2,5 cm lang und stehen an den jungen Trieben einzeln in spiraliger Anordnung; im zweiten Jahr aber bilden sich kurze, knopfförmige Seitentriebe, an denen die Nadeln, zu 15–30 vereinigt, hellgrüne Büschel bilden. Sowohl die hängenden, gelben Pollenblüten, als die aufrechten, roten Fruchtblüten bilden sich an älteren Zweigen, und die 4 cm langen, eiförmigen Zapfen bleiben mehrere Jahre am Baum; die Samen aber werden an dem auf die Blüte folgenden Frühjahr daraus entlassen. Die ursprüngliche Heimat dieses 25–45 m hohen Baumes mit anfangs gelbbrauner, später grauer, rauher, rissiger Rinde ist Nordrußland und Sibirien, von wo sie zur Eiszeit mit der weniger anpassungsfähigen Arve nach Süden kam und mit dem Wärmerwerden des Klimas sich wiederum nach Norden und auf die kühlen Gebirgslagen zurückzog. Im Flachlande leidet sie sehr durch einen Pilz (Peziza willkommi), der krebsige Wucherungen am Holze hervorruft, und durch die Lärchenminiermotte (Coleophora laricinella), deren Larve die Nadeln ausfrißt. Wenn sie trotzdem immer wieder bei uns angepflanzt wird, so ist daran die hervorragende Güte ihres im Kern auffallend braunroten Holzes schuld, das seiner Festigkeit und durch seinen reichen Harzgehalt bedingten außerordentlichen Dauerhaftigkeit wegen ein vortreffliches Bauholz liefert. Die junge Rinde wird als Gerbmaterial derjenigen der Fichte vorgezogen, und durch tiefe Bohrlöcher wird der hauptsächlich im Kernholz enthaltende „venezianische“ Terpentin in den Südtälern der Alpen, vorzugsweise um Meran, Bozen und Triest, gewonnen. Von der im mitteleuropäischen Gebirge wachsenden Lärche ist die sibirische Lärche (L. dahurica) nur durch die nicht überhängenden Zweige, durch die weniger zahlreich gebüschelten Nadeln und durch die am Rande etwas eingebogenen Zapfenschuppen verschieden. In Japan wächst die zartschuppige Lärche (L. leptolepis), während im westlichen Nordamerika die 40 bis 80 m hohe Larix occidentalis von schlankem Wuchs und festem Holz ausgedehnte Waldungen bildet. Im östlichen Nordamerika dagegen bildet von Virginien bis Kanada die zierliche, leicht bezweigte Larix pendula von 30 m Höhe große Bestände und liefert ein gutes Nutzholz.

Mit der Lärche verwandt und hauptsächlich durch auch im Winter bleibende Nadeln und größere, 9 cm lange, mehrere Jahre zur Reife bedürfende Fruchtzapfen, sowie ihre schirmförmige Krone verschieden ist die Ceder (Larix cedrus). Die bekannteste Art ist die auch als Cedrus libani bezeichnete Libanonceder, die einst auf allen Gebirgen Syriens und Kleinasiens ausgedehnte Waldungen bildete, welche aber im Laufe der Zeit bis auf geringe Reste dem Menschen zum Opfer fielen, da ihre mächtigen Stämme ein treffliches Bau- und Schiffsholz abgaben, das sehr gesucht war und weithin ausgeführt wurde. Das Cedernholz, das schon im Gesetze des Moses als Opfergabe genannt wird, ist das weißeste und am wenigsten harzhaltige unter allen Nadelhölzern; es ist sehr geradfaserig und deshalb leicht spaltbar. Noch zur Zeit des Königs Hiram von Tyrus (1001–967 v. Chr.), des Freundes und Bundesgenossen der jüdischen Könige David und Salomo, war der ganze Libanon, wie der Antilibanon, das Taurus- und Amanusgebirge von ausgedehnten Cedernwäldern bedeckt, aus denen die umliegenden Fürsten das nötige Bau- und Schiffsholz holen ließen. Schon der altbabylonische Priesterkönig Gudea von Lagasch ließ nach den uns erhaltenen Inschriften um 2000 v. Chr. Cedernholz zur Bedachung seines Tempels vom Amanusgebirge an der Küste des Mittelmeers holen. Dasselbe berichten uns mehr als 1000 Jahre später die großen Assyrerkönige. In der Bibel wird erzählt, wie König Salomo das Gebälk zu dem von ihm erbauten herrlichen Tempel Jahves in Jerusalem von den Cedernhainen des Libanons beschaffen ließ.

Wie im holzarmen Mesopotamien war auch in Ägypten die Ceder das die größten Balken liefernde Nutzholz. Die hier vorkommenden Baumarten, die Sykomore, Dattelpalme, Akazie und Tamariske gaben ein für größere Bauobjekte durchaus ungeeignetes Material, und so wurde schon zur Zeit des alten Reiches Cedernholz aus Syrien und Ebenholz aus Nubien auf den großen, zum Transport von Getreide und Vieh dienenden Lastschiffen nach Ägypten zum Bau der großen Tempel eingeführt. Auch zur Herstellung der größeren Fahrzeuge wurde mit Vorliebe Cedernholz benutzt. Daraus war nicht nur das jetzt im Fieldmuseum in Chicago befindliche, 9 m lange, 2 m breite und 1,2 m tiefe Totenschiff des von 1887–1849 v. Chr. regierenden Sesostris III. aus der 12. Dynastie gemacht — es stammt aus seiner Ziegelpyramide bei Daschur —, sondern auch die großen Handels- und Kriegsschiffe, mit denen bereits die Könige des alten Reichs bis weit ins Mittel- und Rote Meer hinausfahren ließen, um allerlei kostbare Erzeugnisse zu holen oder Kriege zu führen. So besaß schon Snofru, der Erbauer der ältesten Pyramide (2930–2906 v. Chr.), Flußschiffe von 50 m Länge, und sein Vorgänger, der letzte König der 3. Dynastie, trieb bereits einen regen Handel mit dem Norden und entsandte eine Flotte von 40 Schiffen nach der phönikischen Küste, um von den Abhängen des Libanon Cedernbalken für seine Bauten in Memphis zu holen.

Tafel 157.

Gruppe von Libanon-Zedern im kilikischen Taurus. (Nach einer in der Sammlung des Botan. Institutes der Universität Wien befindlichen Photogr. von W. Stehe, Mersina.)

Momentaufnahme der Fällung der Mammutkiefer (Sequoia gigantea) „Mark Twain“ in Kalifornien. Der [im folgenden Bilde] dargestellte Querschnitt der Stammbasis desselben ist im American Museum of National History in New York aufgestellt (nach Sherwood).

Tafel 158.