Querschnitt durch die im Jahre 1891 gefällte Mammutkiefer „Mark Twain“, deren Alter sich nach den Jahresringen auf 1341 Jahre bestimmen läßt. Dieser Baum begann demnach sein Dasein im Jahre 550 n. Chr., als Kaiser Justinian I. das Reich der als Arianer für ihn den Athanasianer ketzerischen Ostgoten in Italien durch den Obereunuchen Narses mit starker Heeresmacht zerstören ließ. Die oberste Reihe von Karten gibt die wichtigsten Daten der Weltgeschichte von diesem Jahre an wieder, die folgende die Geschichte der Philosophie, die dritte dunklere Reihe die Aufeinanderfolge der Jahrhunderte, die vierte die Entwicklung der Biologie, die fünfte diejenige der vergleichenden Anatomie, die sechste (eine einzige Karte) die Begründung der Paläontologie, die siebente die Entwicklung der Embryologie (nach Sherwood).
Weiter entnehmen wir auf uns gekommenen Inschriften von Amenemhet I. aus der 12. Dynastie, der von 2000–1970 v. Chr. regierte, daß er auf einem Feldzuge nilaufwärts nach Aethiopien 20 große Cedernschiffe mit sich führte. Später erfahren wir von Thutmosis IV. aus der 18. Dynastie, der von 1420–1411 über Ägypten herrschte, daß er aus dem von ihm eroberten Syrien eine Ladung Cedernholz für die heilige Barke des Gottes Amon nach Theben mitbrachte. Ferner wird uns durch inschriftliche Urkunden von Ramses III. aus der 20. Dynastie, der von 1198–1167 v. Chr. regierte, bezeugt, daß er, wie seine mächtigen Vorgänger besonders der 18. und 19. Dynastie, zahlreiche große seetüchtige Schiffe bis nach Cypern und dem Land Punt in Südarabien beziehungsweise Ostafrika sandte, um die Erzeugnisse jener Länder gegen einheimische Waren umzutauschen. Damals besaßen auch die mächtigen, mit ungeheurem Besitze und einem entsprechenden Einkommen von den siegreich aus ihren Feldzügen nach Vorderasien und Aethiopien zurückkehrenden Pharaonen ausgestatteten Priesterschaften der großen Tempel des Amon, Ra und Ptah je ihre eigenen Flotten auf dem Mittelmeer und im Roten Meer, welche die Erzeugnisse von Phönikien, Syrien und Punt in die Schatzkammern der betreffenden Gottheiten lieferten. Ramses III. spricht in einer Tempelinschrift von einer von ihm gestifteten heiligen Barke des thebanischen Amon von mehr als 67 m Länge, die aus ungeheuren Cedernbalken vom Libanon auf seinen Werften gebaut worden war.
Auch die Phöniker und Chethiter verwendeten das Cedernholz viel, wie zu Bauten und Schiffen, so auch zur Herstellung großer Götterbilder. So erbeutete der ägyptische König Thutmosis III., wie uns in einer Inschrift seines daraufhin errichteten Tempels bezeugt ist, nach seinem ruhmvollen Siege vor Megiddo am Ostabfall des Karmel über das Heer der vorderasiatischen Verbündeten unter dem Oberbefehl des Königs von Kadesch am 14. Mai 1479 v. Chr. außer 924 Kriegswagen, 2238 Pferden und 202 Waffenrüstungen auch das prachtvolle Zelt des Königs von Kadesch mit dessen reicher Einrichtung, darunter sein Königszepter, eine silberne Statue — wahrscheinlich die seines Gottes — und eine Statue von ihm selbst aus Cedernholz, mit Gold und Lapislazuli verziert, sowie ungeheure Mengen an Gold und Silber. Der Grieche Theophrast kennt die Ceder Syriens und sagt, daß deren Holz zu Schiffen mit drei Reihen von Ruderbänken übereinander verwendet werde: „Auf den Gebirgen Syriens wachsen gewaltig hohe und dicke Cedern (kédros); es gibt einzelne, die von drei Männern nicht umspannt werden können, und in den Parks werden sie noch größer und schöner.“ Der ältere Plinius berichtet: „Die Könige von Ägypten und Syrien sollen in Ermanglung von Tannen (abies) Cedern zu ihren Flotten verwendet haben. Die größte davon soll auf der Insel Cypern gestanden haben; Demetrius ließ sie zu einem Schiffe verwenden, das 11 Reihen von Ruderbänken übereinander besaß; sie war 130 Fuß hoch und so dick, daß sie gerade von drei Mann umspannt zu werden vermochte.“ Wie das Dach des Dianatempels zu Ephesus, ruhten auch diejenigen zahlreicher großer Tempel der hellenistischen und christlichen Zeit im Orient, so beispielsweise der Kirche, die die Mutter Kaiser Konstantins des Großen (274–337 n. Chr.), Helena, über dem Heiligen Grab erbauen ließ, auf mächtigen Cedernbalken.
Bei allen Kulturvölkern des Altertums war das Cedernholz durch seine Unverwüstlichkeit bekannt und überaus geschätzt. Deshalb verwendete man es mit Vorliebe zur Herstellung von Götterbildern, von Särgen und Kisten, zum Aufbewahren von kostbaren Gegenständen, besonders auch Schriftrollen. So spricht der römische Dichter Horaz von carmina linenda cedro im Sinne von der Unsterblichkeit werte Gedichte, und Pausanias im 2. Jahrhundert n. Chr. berichtet: „In Olympia befindet sich ein berühmter Kasten aus Cedernholz; er ist mit Bildern bedeckt, die teils aus Gold und Elfenbein, teils aus dem Cedernholze selbst gearbeitet sind. In diesem Kasten ist Kypselos, der später König von Korinth wurde (657–629 v. Chr.), als Kind von seiner Mutter versteckt worden, als er von seinen Feinden überall gesucht wurde.“ Heute kommt das syrische Cedernholz kaum mehr in den Handel, wohl aber dasjenige der im nordafrikanischen Atlasgebirge heimischen Atlasceder (Cedrus atlantica) und der am Südabhang des Himalaja wachsenden Deodarceder (Cedrus deodara), die sich nur wenig von der Libanonceder unterscheiden. Wie alle Cedernarten besitzen auch sie ein leichtes, weiches, sehr wohlriechendes Holz von hell braunrötlicher Farbe und sehr großer Dauer; soll es doch selbst von den gefürchteten Termiten nicht angegriffen werden. Es findet für viele Zwecke, namentlich zu Furnieren, Galanterie- und Drechslerarbeiten Verwendung. Aus ihm werden auch die Rennbote gebaut, die zu den berühmten Wettfahrten auf der Themse zwischen auserwählten Mannschaften der Universitäten Cambridge und Oxford im Gebrauch stehen.
Die alten Griechen bezeichneten mit dem Worte kédros auch noch andere kostbare Nadelhölzer, die sich durch stark balsamischen Geruch ihres Holzes auszeichneten, und stellten sich aus ihnen mottensichere Kisten zur Aufbewahrung ihrer Wollkleider her. Darunter war vor allem dasjenige einer heute noch im westlichen Nordafrika, auf dem Atlasgebirge und seinen Vorbergen, wachsenden stattlichen Cypressenart, die wir bei der Besprechung des Sandaraks im Abschnitt über Harze als Sandarakcypresse (Callitris quadrivalvis) kennen lernten, in hohem Ansehen. Durch die Griechen Süditaliens wurden die Römer mit diesem kostbaren Holze bekannt, wobei sie aus dem griechischen kédros das lateinische citrus machten. Außer durch seine Unverwüstlichkeit war es vor allem durch seine prächtige Maserung berühmt und wurde zur Herstellung von Luxusmöbeln und zum Furnieren gebraucht. Letzteres besteht darin, daß man minderwertige Hölzer (Blindhölzer) mit dünngeschnittenen Blättern (Furnieren) wertvollerer Holzarten überkleidet. Als Blindhölzer dienen weichere, wenig arbeitende und sich werfende Hölzer, wie Fichte, Tanne, magere Kiefer, Linde, vornehmlich aber die verschiedenen Pappel- und Weidenarten. Das Furnieren ist nicht sowohl aus Gründen der Billigkeit so beliebt, sondern aus Zweckmäßigkeit, weil dadurch dem Werfen und Reißen entgegengewirkt wird. Zudem sind die am schönsten gemaserten und gewellten Holzarten zur Verwendung in massiven Stücken unbrauchbar, können aber auf diese Weise leicht verwendet werden. Diese Kunst des Furnierens ist übrigens keine Errungenschaft der Neuzeit, sondern wurde schon bei den Kulturvölkern des Altertums, besonders bei den Griechen und Römern geübt. So schreibt der ältere Plinius in seiner Naturgeschichte: „Zu dünnen Platten, womit man anderes Holz überzieht, verwendet man vorzugsweise das Holz der (schönmaserigen) Citrum-Cypresse (eben der Sandarakcypresse), der Terpentinpistazie, der Ahornarten, des Buchsbaums, der Stechpalme, der Ilexeiche, der Holunderwurzel, der Pappel; auch die Erle liefert, wie Lebensbaum (Thuja) und Ahorn Knorren zum Furnieren.“
Im 4. Jahrhundert v. Chr. erwähnt der pflanzenkundige Theophrast die Sandarakcypresse als thýon. Der Baum gleiche in allen Teilen der wilden, jetzt auf Kreta, Bithynien und Persien wachsenden Cypresse mit seitwärts ausgebreiteten Ästen (Cupressus expansa) und wachse im Gebiet von Kyrene und beim Tempel des Amon. „In großer Menge stand der Baum früher da, wo jetzt die Stadt steht, auch sollen dort noch einige alte Dächer von ihm gebaut sein. Sein Holz widersteht der Fäulnis für immer, und besonders die Wurzel ist gemasert; man macht aus ihr die herrlichsten Kunstwerke.“ Spätere Schriftsteller bemerken, daß das schön gemaserte Holz vorzugsweise zu Tischplatten, die weithin Liebhaber fanden, und andern schönen Möbeln verwendet wurde. So erzählt uns der römische Dichter Lucanus, der Neffe Senecas (39–65 n. Chr.): „Kleopatra (68–30 v. Chr.) besaß große, scheibenförmige, aus den Wäldern des Atlas stammende Tische“, und in seiner Geschichte Roms berichtet der uns 19 v. Chr. geborene Vellejus Paterculus, der als praefectus equitum (Reiteroberst) Tiberius auf dessen Feldzügen in Germanien und Pannonien begleitete: „Julius Cäsar (100–44 v. Chr.) hat, als er über Gallien triumphierte, gallische Geräte aus citrus, als die Hauptmerkwürdigkeit dieses Landes zur Schau tragen lassen“. Damals (51 v. Chr.) müssen solche Möbel in Rom noch selten gewesen sein, sonst hätte Cäsar nicht damit prunken können. Späterhin allerdings haben auch die Vornehmen Roms solche kostbare Möbel, besonders Tische, aus dem Holz der Cypresse des Atlas gerne in ihren Häusern aufgestellt und damit ihren Reichtum kund gegeben; denn sie waren, wie wir gleich hören werden, außerordentlich teuer und nur für sehr Reiche erschwingbar. Die Schriftsteller der römischen Kaiserzeit erwähnen diese Citrusmöbel sehr häufig, so der witzige römische Epigrammendichter Martialis (um 40 n. Chr. zu Bilbilis in Spanien geboren, kam unter Nero nach Rom, Schmeichler und Günstling der Kaiser, starb um 102) nicht weniger als 8 Stellen seiner auf uns gekommenen Gedichte, die sämtlich bezeugen, welchen hohen Wert die Römer seiner Zeit auf diese Citrusmöbel legten. Unter ihnen waren besonders die Tische beliebt, denen man vielfach Füße von Elfenbein gab. Der östliche Teil des Atlasgebirges scheint schon damals von den großen dazu erforderlichen Exemplaren der Callitriscypresse völlig beraubt gewesen zu sein, so daß man sich solches Rohmaterial aus den fernen Wäldern Maurusiens, auch Mauretanien genannt, kommen lassen mußte. Deshalb schreibt der vorhin erwähnte Geschichtschreiber Lucanus (39–65 n. Chr.): „In die Wälder des entlegenen Maurusien sind die römischen Äxte eingedrungen, und dort werden für die Römer Tische geholt.“ Und der um 25 n. Chr. gestorbene weitgereiste griechische Geograph Strabon aus Amasia am Pontos sagt in seiner Geographika: „Maurusien ist ein gesegnetes Land, hat nur wenig Einöden, dagegen einen Reichtum an Flüssen und Seen. Namentlich liefert es den Römern die größten Tische aus einem Stück, die auch herrlich bunt sind.“
Am ausführlichsten spricht sich der gelehrte ältere Plinius (geb. 23 n. Chr. in Como, bekleidete unter Nero und Vespasian mehrere höhere Zivil- und Militärämter, war zuletzt Befehlshaber der Flotte bei Misenum und kam als solcher, als er dem bedrohten Pompeji zu Hilfe kommen wollte, 79 beim Ausbruch des Vesuvs um) über den Citrusbaum aus. Er schreibt in seiner Naturgeschichte darüber: „Der Citrus ist bei Leuten, welche die Pracht lieben, außerordentlich beliebt. Er kommt aus dem Atlasgebirge, das noch sehr wenig bekannt ist, obgleich schon öfter römische Feldherren dahin vorgedrungen sind und sich 5 römische Kolonien in dieser Provinz befinden. Besonders häufig findet er sich noch in Maurusien. Aus seinem Holz werden Tische gemacht, nach deren Besitz die römischen Männer ebenso unsinnig gierig sind, wie die römischen Frauen nach Perlen. Es ist noch jetzt ein solcher Tisch vorhanden, den Cicero (106–43 v. Chr.) zu jener Zeit, da das Geld (in Rom) noch gar nicht im Überfluß vorhanden war, mit einer Million Sesterzien (= 150000 Mark) bezahlte. Es wird auch ein anderer erwähnt, der dem Gallus Asinius gehörte und 1100000 Sesterzien (165000 Mark) kostete. Es sind ferner zwei vom Könige Juba (II., der von Kaiser Augustus einen Teil des von seinem Vater Juba I. im Jahre 46 v. Chr. nach der Schlacht bei Thapsus, in welcher er sich das Leben nahm, verlorenen Reiches Numidien zurück erhielt) versteigert worden, von denen der eine 1200000 Sesterzien (= 180000 Mark), der andere etwas weniger kostete. Noch kürzlich ist ein solcher Tisch, der von den Cethegen stammte und 1400000 Sesterzien (= 210000 Mark) gekostet hatte, durch eine Feuersbrunst verloren gegangen. Für einen solchen Preis könnte man die schönsten Landgüter kaufen. Der größte bis jetzt bekannte Tisch von Citrusholz stammt vom mauretanischen Könige Ptolemäus; er ist aus zwei Halbkreisen zusammengesetzt, hat 4½ Fuß Durchmesser und ¼ Fuß Dicke. Das wunderbarste an ihm ist der Umstand, daß er so zusammengefügt ist, daß man davon durchaus keine Spur sieht. Ein anderer derartiger Tisch, welcher von einem Freigelassenen des Kaisers Tiberius den Namen hat, besteht aus einem einzigen Stücke, ist fast 4 Fuß breit und ½ Fuß dick. Derjenige, den Kaiser Tiberius selbst besaß, hatte 4 Fuß 2¼ Zoll Durchmesser, jedoch nur 1½ Zoll Dicke. Solche Prachttische werden aus dem angeschwollenen Wurzelstock gemacht und um so höher geschätzt, wenn dieses unter der Erde gewachsen ist. Dergleichen Wurzelmasern sind seltener als die am Stamm oder an Ästen. Übrigens sind alle diese Masern eigentlich ein Erzeugnis des fehlerhaften Wachstums dieser Bäume, deren Dicke man natürlich nach diesen Querschnitten beurteilen kann.
Die Hauptschönheit dieser Tische besteht darin, daß die Masern wie gekräuseltes Geäder oder kleine Wirbel aussehen. Bildet das Geäder in die Länge gezogene Streifen, so heißt das Holz getigert (tigrinus), besteht es aber aus geschlossenen Wirbeln, so heißt es gepanthert (pantherinus). Manches Citrusholz ist auch wellenförmig gekräuselt und wird um so höher geschätzt, je mehr die Figuren den Augen des Pfauenschweifs ähneln. Nächst diesen gemaserten Holzarten steht dasjenige im höchsten Preise, das wie dicht mit Körnern besät aussieht; man nennt dieses gebient (apiatus). Bei all diesen Sorten kommt es übrigens vorzugsweise auf die Schönheit der Farbe an. Hierzulande gefällt diejenige am besten, die wie Met aussieht und glänzende Adern hat.
Auch auf die Größe des Stammes kommt viel an, und man liebt die Tische, die aus einem einzigen großen Stück bestehen, jedoch auch solche, die aus mehreren Stücken von großen Stämmen zusammengesetzt sind. Fehlerhaft sind diejenigen Citrustriebe, die nicht gemasert sind, sondern wie gewöhnliches Holz aussehen, ferner wenn Spältchen oder haarförmige Ritzchen vorhanden sind, wie das durch Einwirkung von Hitze und Wind leicht vorkommt. Fehlerhaft ist ferner ein schwarzer, muränenartiger Streifen, überhaupt jede schwarze oder sonst unangenehme Farbe.