Afrika, wo nicht die Weißen mit ihren fürchterlichen Explosivgeschossen, sondern die Eingeborenen mit ihren gewöhnlichen Flinten das Hauptvernichtungswerk am Elefanten vollführen und weitaus das meiste Elfenbein in den Handel bringen, liefert heute noch fast ausschließlich das von uns außer zu allerlei Zier an Geräten und Spazierstöcken, zu Knöpfen und Messergriffen, besonders aber zu Billardkugeln verwendeten rezenten Elfenbeins, nämlich nach einer für die Jahre 1879/83 aufgestellten Übersicht jährlich von den im Durchschnitt in den Handel gelangenden 868000 kg nicht weniger als 848000 kg, während Ceylon und Sumatra zusammen nur 2000 kg, Hinterindien 7000 kg und Vorderindien 11000 kg abgab. Nach C. G. Schillings wurde der Antwerpener Elfenbeinmarkt allein gegen das letzte Jahrzehnt durchschnittlich mit den Zähnen von gegen 18500 Elefanten jährlich versorgt, in den Jahren 1888 bis 1902 aber 3212700 kg Elfenbein dort eingeführt, während das durchschnittliche Zahngewicht etwa 8,5 kg pro Zahn betrug und das Gesamtquantum fast ausschließlich vom Kongogebiet stammte. „Im Jahre 1902 aber wurden allein in Antwerpen 322300 kg Elfenbein verkauft!! In ähnlicher Höhe bewegt sich die Einfuhr an den übrigen hauptsächlichsten Elfenbeinhandelsplätzen der Welt, und diese Ziffern geben uns ein treues, wenn auch unsäglich trauriges Bild der Vernichtung des edlen Tieres. Ungeheuer sind die an einigen Handelsplätzen aufgestapelten Elfenbeinvorräte. Ihre späteren Eigentümer werden in kürzester Zeit — wenn erst einmal die von ihnen sehnlichst erstrebte vollkommene Ausrottung des afrikanischen Elefanten erreicht ist — diese Ware rapid im Preise heraufschrauben und zweifelsohne das heute nicht mehr sehr beliebte Elfenbein wieder als Modeartikel einzuführen wissen. — Alle diese Elefanten wurden hingeschlachtet nur ihres Elfenbeins halber. Es spricht der hoch entwickelten Technik unserer Zeit Hohn, daß sie nicht vermocht hat, ein Surrogat zu finden, welches Elfenbein (speziell zu Billardkugeln) gleichwertig zu ersetzen vermag. Ein glückliches Schicksal hat den indischen Elefanten vor dieser Vernichtung bewahrt, weil die weiblichen Tiere des asiatischen Elefanten kein oder nur sehr wenig Elfenbein tragen, und auch die Bullen nur selten eine starke Stoßzahnentwicklung zeigen.“ Nachdem die Baumsteppe ihr Elefantenmaterial größtenteils eingebüßt hat, muß der dichte Wald, der mit seinem für den Menschen fast undurchdringlichen Unterholz diesem Riesen noch den meisten Schutz gewährt, zur Erlangung solcher Beute aufgesucht werden. Hier sind die Urwälder des Kongogebiets noch am besten mit diesem Edelwilde versehen, so daß die Eisenbahn des Kongogebiets nach statistischen Feststellungen allein im Betriebsjahre 1907/08 307000 kg und 1908/09 381000 kg Elfenbein beförderte. Das bedeutet einen Abschuß von 40000 Elefanten!
Bei den südasiatischen Kulturvölkern, speziell in Indien, spielte der gezähmte Elefant schon im hohen Altertum eine wichtige Rolle als Luxustier, das besonders auch zur Kriegsführung verwendet wurde. Die Griechen lernten ihn unter Alexander dem Großen auf ihrem Zuge nach Indien im Jahre 327 v. Chr. kennen. So schreibt Diodorus Siculus: „Als Alexander der Große in Indien eindrang, fand er jenseits des Flusses Aornos einen indischen Fürsten, der 20000 Soldaten und 15 Elefanten bei sich hatte. Dieser ward aber von seinen eigenen Leuten ermordet, sein Kopf zum König gebracht und dieser bekam nun auch die Elefanten, welche im Lande herumirrten, in seine Gewalt. — Jenseits des Indus stellte sich ihm der indische König Poros entgegen, welcher 50000 Mann Fußvolk, gegen 3000 Berittene, über 1000 Streitwagen und 130 Elefanten hatte. Wie es zur Schlacht kam, stellte er die Elefanten in vorderster Reihe auf, einen jeden für sich, vom andern entfernt, und füllte die Zwischenräume mit schwerbewaffnetem Fußvolk aus. Die Elefanten zertraten, was sich ihnen entgegensetzte, mit den Füßen samt Waffen und Knochen; andere hoben die Makedonier mit dem Rüssel hoch empor und schmetterten sie dann gegen den Erdboden, andere spießten sie mit den Zähnen auf. Die Makedonier hielten aber tapfer stand, brachten den Elefanten eine Menge Wunden bei und jagten sie auf ihre eigene Armee zurück, die dadurch in entsetzliche Verwirrung geriet. Poros ritt selbst auf einem Elefanten, sammelte deren rasch noch 40, die den Mut und die Geistesgegenwart nicht verloren hatten und focht tapfer, bis er, von vielen Wunden bedeckt, samt seinem Elefanten ohnmächtig zu Boden sank. Alexander erbeutete in dieser Schlacht 80 Elefanten.“
Von diesen indischen Elefanten, die damals zum erstenmal in den Gesichtskreis der Europäer traten, berichtet der Grieche Strabon: „In Indien ist es keinem Privatmanne erlaubt, ein Pferd oder einen Elefanten zu halten; denn beides gilt für königliches Vorrecht. Die Elefantenjagd wird in Indien folgendermaßen betrieben: Man umgibt einen großen Platz mit einem breiten Graben und läßt nur einen schmalen Eingang frei. Auf den Platz werden 3–4 zahme Weibchen getan. Bei Nacht gehen dann auch einzelne wilde Elefanten hinein und hinter diesen wird das Tor leise zugeschlossen. Nun macht man die wilden durch Hunger matt, führt dann die stärksten zahmen hinein, um jene zu bekämpfen. Sind sie nun ganz kraftlos, so schleichen sich die mutigsten Führer unter den Leib der zahmen Elefanten und fesseln den wilden die Beine. Sie werden dann in einen Stall gebracht und mit dem Hals an eine starke Säule gebunden. Allmählich werden sie zahm und lernen dem Wort, dem Gesang und dem Zimbelschlag gehorchen. Von Natur sind sie sanft und klug. Es ist schon vorgekommen, daß sie ihre im Kampfe gefallenen Führer aufgehoben und aus der Schlacht getragen, daß sie ihre lebenden Führer, die sich unter ihnen verborgen hatten, verteidigt und gerettet, ja daß sie ihren Führer, den sie im Zorn umgebracht, tief betrauert haben, so daß einzelne, wie man sagt, in solchem Falle sich zu Tode hungerten.“ — „Vom Weibchen wird das Junge 6 Jahre lang gesäugt. Das Alter dieser Tiere erstreckt sich bis auf 200 Jahre. Ihre Augenkrankheiten sucht man durch Kuhmilch zu kurieren, ihre meisten Krankheiten mit rotem Wein, ihre Wunden mit Butter, ihre Geschwüre mit Schweinefleisch. Onesikritos und andere sagen, die indischen Elefanten seien größer und stärker als die libyschen. Mit ihrem Rüssel reißen die Elefanten Brustwehren ein und Bäume aus. Sie lassen sich abrichten, Steine nach einem Ziele zu werfen, mit Waffen zu fechten; auch schwimmen sie vortrefflich. — Der König von Indien hält seine Jagden in Tiergärten ab, reitet dabei auf einem Elefanten und die bewaffneten Weiber, welche seine Leibgarde bilden, folgen ihm im Wagen oder auf Pferden oder auf Elefanten nach. — Auf jedem Elefanten sitzen drei Bogenschützen und ein Führer (Kornak), auf jedem Streitwagen zwei Streiter und ein Wagenlenker.“
Auch sonst weiß uns der griechische Geograph Strabon viel von Elefanten zu berichten, so daß Maurusien (das westliche Algerien und Marokko) außer Schlangen, Antilopen, Affen, Löwen und Panthern auch viel Elefanten habe und das maurusische Fußvolk Schilde von Elefantenhaut trage. In Arabien wohnten in der Nähe der Stadt Saba die „Elefantenesser.“ „Sie lauern den Elefanten auf und hauen ihnen die Sehnen durch. Auch schießen sie die Tiere mit Pfeilen, die in Schlangengalle getaucht sind. Der Bogen wird von zwei Männern gehalten und der dritte schießt den Pfeil ab. Andere machen Einschnitte in die Bäume, an welche sich die Elefanten anzulehnen pflegen, wenn sie ausruhen. Kommt nun das Tier und lehnt sich an, so fällt es um, kann aber nicht aufstehen, weil die Beine nur einen Knochen ohne Gelenk haben“. Daß solche Fabeln damals noch von den gebildeten Griechen geglaubt wurden, beweist, daß diese noch wenig Elefanten gesehen hatten und dieses Tier mehr vom Hörensagen kannten.
Nach der Rückkehr der Makedonier vom Feldzuge nach Indien unter ihrem Könige Alexander erzählten sie den Griechen von ihren Erlebnissen daselbst und von den großen Elefanten jenes Landes. So erfuhr auch Aristoteles von ihnen und beschreibt sie in seiner Naturgeschichte ziemlich getreu. Er sagt, daß sie mit dem Munde, ohne Beihilfe der Nase, stöhnende Töne, mit dem Rüssel aber trompetenartige hervorbringen, daß das Elefantenweibchen im 12. Jahre das erste Junge bekomme, das bei der Geburt die Größe eines 2–3 Monate alten Kalbes habe, gleich sehen und gehen könne und mit dem Munde, nicht mit dem Rüssel, an seiner Mutter sauge. „Unter allen wilden Tieren ist der Elefant der zahmste und sanftmütigste. Er lernt auch vielerlei, namentlich, daß er vor Königen die Kniee beugt. Man glaubt, daß er 100 oder 200 Jahre alt wird. Winter und Kälte kann er nicht gut vertragen. Er lebt in der Nähe der Flüsse, jedoch nicht im Wasser, aber er watet durch Flüsse, wenn er nur seinen Rüssel über das Wasser emporstrecken kann; denn mit dem Rüssel atmet er.“
„Die Elefanten kämpfen wütend miteinander und stoßen sich mit den Zähnen. Der Besiegte wird völlig unterjocht und fürchtet sich dann sehr vor der bloßen Stimme des Siegers. An Mut sind die Elefanten sehr verschieden. Die Inder brauchen die Männchen und Weibchen zum Kriege, obgleich die letzteren kleiner und weniger mutig sind. Mit den Zähnen kann der Elefant Mauern einstoßen. Palmen biegt er mit der Stirne nieder und tritt sie dann vollends zu Boden. Bei der Elefantenjagd besteigt man gezähmte, die recht mutig sind, verfolgt die wilden und, wenn man sie erreicht, läßt man sie von den zahmen so lange schlagen, bis sie entkräftet sind. Dann springt ein Jäger auf sie und lenkt sie mit dem Stachel. Sie werden bald zahm und gehorsam. Solange man auf ihnen sitzt, sind sie allemal ruhig; manche aber werden wild, sobald man abgestiegen ist. Solchen bindet man die Vorderfüße mit Stricken, damit sie sie nicht viel rühren können.“
Die ersten gezähmten indischen Elefanten brachte Alexander der Große von seinem indischen Feldzuge mit nach Vorderasien und von da an spielten sie in den Kriegen seiner Nachfolger, der Diadochen, eine gewisse Rolle. So berichtet Curtius: „Nach dem Tode Alexanders des Großen wurde das makedonische Fußvolk von Meleager, die Reiterei nebst den Elefanten von Perdikkas kommandiert. Der letztere warf etwa 300 Anhänger des Meleager im Angesicht des ganzen Heeres den Elefanten vor und ließ sie sämtlich von den Tieren zertreten. Dies war der Anfang der dann folgenden makedonischen Bürgerkriege.“ Und Diodorus Siculus meldet: „Als sich nach Alexanders Tode dessen Feldherrn befehdeten, hatte sich Demetrios bei Alt-Gaza in Syrien gelagert; Ptolemäos und Seleukos boten ihm daselbst eine Schlacht an. Demetrios stellte vor seinem Heere 34 Elefanten auf. Seine Gegner stellten diesen aber Pfähle entgegen, die mit eisernen Spitzen versehen und mit Ketten verbunden waren. Lange war der Kampf unentschieden. Da bekamen die Elefanten des Demetrios das Zeichen zum Angriff, schritten kühn gegen den Feind, konnten aber nicht weiter, als sie an die Pfähle kamen. Ihre indischen Führer wurden alsbald von Schützen, die hinter den Pfählen standen, erschossen, die Elefanten selbst gerieten in die Hand der Feinde und das Heer des Demetrios mußte das Schlachtfeld räumen.“ Derselbe Autor erzählt dann später, daß diese Elefanten unter ihrem neuen Herrn und unter der Leitung frisch von Indien bezogenen Kornaks an verschiedenen späteren Schlachten teilnahmen. „Auch der Feldherr Polysperchon verwandte einen Teil derselben bei der Belagerung von Megalopolis in Arkadien. Da er dabei mit seiner Mannschaft nicht gleich zum Ziele gelangte, so beschloß er, den Eingang in die Stadt durch Elefanten zu erzwingen. Damis, der Kommandant der Stadt, erfuhr den Plan und traf heimlich Gegenanstalten. Er sammelte eine Menge Türen, ließ lange, spitzige Nägel durch sie hindurchschlagen, dann mit diesen Türen den Eingang zur Stadt pflastern und die Nägel leicht mit Erde zudecken. Zu beiden Seiten dieses Stachelwegs stellte er Schützen und Geschütze auf. Als nun die Elefanten kamen, traten sie in die Nägel und wußten sich nicht zu helfen, wurden samt ihren indischen Führern auch von zahllosen Pfeilen getroffen, so daß sie teils zusammenbrachen, teils gegen ihre eigenen Leute rückwärts rannten.“
Von diesen indischen Elefanten, die begreiflicherweise überall, wohin sie kamen, großes Aufsehen erregten, wissen auch andere Geschichtschreiber allerlei Denkwürdiges zu erzählen. So berichtet Älian: „Als Antigonos Megara belagerte, befand sich in seinem Heere ein Elefantenweibchen namens Nikaia, dem die Frau des Wärters ihr Kind, als es 30 Tage alt war, zu Schutz und Wartung übergab. Nikaia gewann das Kind so lieb, daß sie sich immer freute, wenn das Kind anwesend war, daß sie die Fliegen von ihm abwehrte, was mit einem belaubten Zweige geschah, den sie in den Rüssel nahm, daß sie keine Nahrung zu sich nahm, solange sie das Kind nicht bei sich hatte. Sie bewegte auch dessen Wiege, wenn es schrie, wie eine Wärterin.“ Derselbe Autor sagt, daß die Elefanten der Insel Taprobane (Ceylon) größer und stärker als die des Festlandes seien, auch für klüger gelten. „Man bringt auch welche zu Schiff und schafft sie außer Landes. Will man zahme Elefanten auf ein Schiff bringen, so täuscht man sie dadurch, daß man es mit frischen Zweigen und anderem Grün schmückt und belegt; sie denken dann, da sei frischer Boden, und gehen darauf. — Das eigentliche Getränk der Elefanten ist Wasser, die für den Krieg bestimmten bekommen aber auch Wein zu trinken, der aus Reis und Zuckerrohr (Arrak) bereitet wird. Das Tier hat auch seine Freude an wohlriechenden Blumen, wird auf Wiesen getrieben, sammelt die besten und wirft sie in einen Korb, den der Wärter hinhält. Hat es sich dann gebadet, so verlangt es, wenn es aus dem Wasser kommt, zuerst nach seinen Blumen, und bringt man sie nicht, so schreit und fastet es, bis sie doch kommen. Auch seine Krippe und seinen Ruheplatz bestreut es gern mit Blumen.“ Nur vor dem Schweine fürchte es sich: „Als die Stadt Megara von Antipater hart bedrängt wurde, beschmierten die Bewohner der Stadt Schweine mit Pech, setzten sie in Brand und trieben sie gegen die Feinde. Sie schrien entsetzlich und jagten wie rasend auf die Elefanten los. Diese wurden durch diesen unerwarteten Angriff wie verrückt, und so entstand eine entsetzliche Verwirrung.“ In Indien begleite der Elefant überall den König und bewache ihn: „Geht der indische König aus, um Recht zu sprechen, so wirft sich der erste Elefant anbetend vor ihm nieder und macht dann kriegerische Bewegungen, um zu zeigen, daß er sich auch darauf gut versteht. Übrigens halten 24 Elefanten beim Könige Wache und werden regelmäßig abgelöst. Sie sind im Wachen zuverlässiger als Menschen.“
Der griechische Geschichtschreiber und Geograph Pausanias sagt in seiner zwischen 160 und 180 n. Chr. geschriebenen Periegesis: „Wie Alexander der erste Europäer war, der Elefanten besaß — er hatte sie dem König Poros abgenommen —, so war Pyrrhos der erste Grieche, welcher gegen die Römer über das Meer zog. Seine Elefanten hatte er im Kampfe gegen den Demetrios (einen der Feldherrn Alexanders) gewonnen.“ Dieser König von Epirus, der, 301 von den Epiroten vertrieben, mit Hilfe des Königs Ptolemäos von Ägypten seine Herrschaft wieder erlangt hatte, war damals von den Tarentinern, also ebenfalls Griechen, gegen die Römer zu Hilfe gerufen worden, schlug diese auch 280 bei Herakleia und 279 bei Asculum in Apulien, erlitt aber dabei selbst große Verluste, so daß seither der Ausdruck Pyrrhossieg sprichwörtlich wurde. Damals sahen die Römer zum erstenmal diese berühmten Kriegshelfer der Griechen, über die sie sehr erstaunten. Der ältere Plinius sagt hierüber in seiner Naturgeschichte: „Die ersten Elefanten sah Italien im Kriege gegen den Pyrrhus und nannte sie lukanische Ochsen, weil man sie zuerst im Lukanerlande erblickte. Sieben Jahre später sah man schon welche zu Rom bei einem Triumphe, und im Jahre 502 nach Roms Erbauung (251 v. Chr.) sah man hier schon eine ganze Menge, die Lucius Metellus in Sizilien den Karthagern abgenommen hatte. 142, oder nach andern 140, wurden auf Flößen übergeschifft, welche man auf Reihen von Fässern gelegt hatte. Verrius berichtet, sie hätten in der Rennbahn ein Kampfspiel geben müssen und wären mit Spießen erstochen worden, weil man sie weder füttern noch verschenken wollte. Lucius Piso dagegen sagt, sie wären bloß in der Rennbahn von gedungenen Leuten mit stumpfen Spießen herumgejagt worden, um den Römern die Furcht vor ihnen zu benehmen; was aber dann aus ihnen geworden ist, erwähnt er nicht.“
Von diesen indischen Elefanten der Pyrrhos weiß sein Biograph Plutarch mancherlei zu erzählen: „Als Pyrrhos bei den Städten Pandosia und Herakleia, am Flusse Siris, dem römischen Heere eine Schlacht lieferte, brachte er durch seine Elefanten die Feinde in Unordnung und errang den Sieg. — Um ihre Gefangenen für Geld auszulösen, schickten dann die Römer eine Gesandtschaft an Pyrrhos. Den Gajus Fabricius, einen der Gesandten, den man ihm sehr rühmte, nahm er freundlich auf, beschloß aber, seinen Mut auf eine harte Probe zu stellen. Er lud ihn zur Audienz, ließ aber vorher seinen größten Elefanten in voller Rüstung hinter einem Vorhange verbergen. Wie sich nun Fabricius nichts Böses versah, fiel plötzlich der Vorhang, der Elefant trat mit entsetzlichem Brüllen vor, hob drohend seinen Rüssel über den Fabricius; aber dieser wandte sich ganz gelassen um und sagte lächelnd zu Pyrrhos: „Vor diesem Elefanten fürchte ich mich nicht.“ — In der Schlacht bei Asculum mußten die Römer ebenfalls der Gewalt der Elefanten weichen. Auch bei Beneventum wurden die Römer von den Elefanten der Pyrrhos hart mitgenommen, trieben sie aber doch endlich mit Pfeilen und Wurfspießen zurück, errangen einen ruhmvollen Sieg und Pyrrhos mußte Italien verlassen. — Späterhin unternahm Pyrrhos einen Kriegszug gegen Argos. Er drang heimlich bei Nacht in die Stadt, deren Tor ihm Aristeas öffnete, und besetzte den Marktplatz. Im Tore hatte er, weil es nicht hoch genug war, seinen Elefanten die Türme müssen abnehmen lassen, wobei es ohne Lärm und Zeitverlust nicht abging, so daß die Besatzung der Stadt eilig die festesten Plätze besetzte. Daraufhin kam es in den Straßen zu einem mörderischen Kampfe. Pyrrhos mußte weichen, seine Leute gerieten am Tor furchtbar ins Gedränge und in Verwirrung. Gerade im Tor lag der größte von Pyrrhos’ Elefanten, schrie entsetzlich und versperrte den Rückweg. Währenddem suchte ein anderer Elefant, welcher Nikon hieß, seinen Führer, welcher schwer verwundet heruntergefallen war. Das Tier rannte wie unsinnig umher und warf Freund und Feind über den Haufen. Endlich fand er den Führer, hob ihn mit dem Rüssel und den Zähnen empor, stürzte sich mitten unter die Leute des Pyrrhos, so daß sich diese in der engen Straße zu einer dichten, ganz unbehilflichen Masse zusammendrängten, in der jeder von seinen Nachbarn gestoßen, niedergeworfen und verwundet wurde, während auch die Feinde von allen Seiten schossen und warfen. Endlich wollte Pyrrhos der Verwirrung ein Ende machen, stürzte hoch zu Roß mitten unter die Feinde; aber ein armes, altes Weib, das auf dem Dache stand, warf ihm einen Ziegelstein aufs Genick, worauf er ohnmächtig niedersank. Die Feinde packten ihn und hieben ihm den Kopf ab.“ Es war dies im Jahre 272 v. Chr.