Es ist wunderbar, daß die meisten Tiere wissen, weshalb man ihnen nachstellt und wovor sie sich zu hüten haben. Begegnet ein Elefant in der Einsamkeit einem harmlos herumwandelnden Menschen, so soll er ihm freundlich und gefällig den Weg zeigen; bemerkt er aber den Fußtritt eines Menschen eher als den Menschen selbst, so bleibt er stehen, wittert, blickt umher, schnaubt vor Wut, zertritt aber die Fußspur nicht, sondern hebt sie aus, gibt sie dem nächsten, dieser wieder dem nächsten usw., worauf die Herde eine Schwenkung vollführt und in Schlachtordnung aufmarschiert.
Stets gehen die Elefanten herdenweise, und zwar geht der älteste voran, während der dem Alter nach folgende den Nachtrab bildet. Wollen sie durch einen Fluß setzen, so schicken sie die kleinsten voran, weil die Großen durch ihre Schwere das Flußbett vertiefen würden. Als König Antiochus einen Fluß durchschreiten wollte, weigerte sich der Elefant, der bis dahin den Zug geführt hatte und Ajax hieß, voranzugehen. Da wurde bekanntgemacht, derjenige solle künftig der Anführer sein, der zuerst hinüberginge; und siehe da, der Elefant Patroklus schritt hindurch, und ward deshalb mit silbernem Kopfschmuck, den sie sehr lieben, geziert und zum Anführer gewählt. Der frühere Anführer aber wollte seine Schande nicht überleben und hungerte sich zu Tode. Überhaupt wissen sie sehr gut, was rühmlich und was schimpflich ist. Kämpfen sie gegeneinander, so reicht der Besiegte dem Sieger Erde und Gras dar (wie dies bei den Menschen des Altertums Sitte war, wodurch sich der Betreffende für überwunden erklärte) und flieht dann schon vor dessen Stimme.
Die Elefanten leben in treuer Ehe und man findet also bei ihnen die verderblichen Wettkämpfe nicht, welche andere Tiere um die Weibchen vollführen. Sie haben bisweilen eine große Zuneigung zu bestimmten Menschen, wie denn z. B. einer in Ägypten eine Blumenhändlerin geliebt haben soll. Ein anderer liebte den Jüngling Menander im Heere des Ptolemäus und fastete aus Sehnsucht, so oft der Jüngling abwesend war. Juba erzählt auch von einer Salbenhändlerin, die von einem Elefanten geliebt wurde. Alle zeigten ihre Liebe durch unbeholfene Liebkosungen, freuten sich beim Wiedersehen und bewahrten Geschenke, welche sie bekamen, auf, um sie ihrem Lieblinge darzubringen.
Daß sie Gedächtnis haben, zeigte sich deutlich in einem Falle, wo ein Elefant seinen Führer, den er seit langen Jahren nicht gesehen, sogleich wieder erkannte. Daß sie wissen, was Unrecht ist, zeigte sich dagegen in folgendem Falle: Als König Bokchus 30 Menschen hatte an Pfähle binden lassen und ihnen 30 Elefanten gegenübergestellt hatte, welche sie zerfleischen sollten, so konnten die Elefanten doch nicht dazu gebracht werden, dem Tyrannen den Willen zu tun, obschon sie von zwischen den Pfählen aufgestellten Leuten gereizt wurden.“
Schon zu Ende der Republik sah man nicht selten Elefanten bei Prunkzügen einhermarschieren, um dem Volk zu imponieren und ihm eine interessante Augenweide zu bereiten. So berichtet der römische Geschichtschreiber Suetonius: „Als Julius Cäsar über Gallien triumphierte (im Jahre 51), stieg er beim Schein der Fackeln aufs Kapitol, indem 40 Elefanten, zu seiner Linken und Rechten verteilt, die Leuchter trugen.“ Das war damals ein ganz ungewohntes Schauspiel, mit dem Cäsar jedenfalls großes Aufsehen erregte, worauf es ihm ja ankam. Auch später wurde der Elefant gelegentlich von römischen Kaisern und Triumphatoren bei ihrem feierlichen Einzuge in Rom und als Auszeichnung auch sonst zum Ziehen von Prunkwagen verwendet. So eröffneten nach Flavius Vopiscus beim Triumph des Kaisers Aurelianus über Zenobia, die Herrscherin von Palmyra, im Jahre 274 n. Chr. 20 Elefanten den Zug. Als Mesitheus, der Feldherr Kaiser Gordians III. (238–244), im Jahre 242 einen glänzenden Sieg über die mächtigen Perser erfochten hatte, erkannte der Senat in Rom dem Gordian Elefantenviergespanne zu, womit er triumphieren könne, und dem Mesitheus ein Pferdeviergespann. Das war damals eine besondere Ehrung. Der Geschichtschreiber Julius Capitolinus, der uns dies berichtet, fügt dem bei, es habe damals in Rom 32 Elefanten gegeben, die ständig bei feierlichen Aufzügen zu sehen waren. Hatte doch schon Kaiser Heliogabalus (218–222) nach seinem Biographen Älius Lampridius vier Wagen, an deren jeden er vier Elefanten spannte. So sei er auf dem Vatikan herumgefahren und habe zuvor zu diesem Zwecke den Platz erst ebnen lassen.
Im Zirkus wurden öfter Elefanten gezeigt, die mit anderen Tieren kämpfen oder allerlei Kunststücke, die sie gelernt hatten, vorführen mußten. So mußte der Elefant sich besonders mit dem Nashorn messen und sich, wenn möglich, von ihm den Bauch aufschlitzen lassen. Seneca, der Lehrer Neros, schreibt in einer seiner philosophischen Schriften: „Lucius Sulla ließ zuerst im Zirkus Löwen kämpfen, die nicht angebunden waren, Pompejus 18 Elephanten; Metellus führte, als er die Karthager in Sizilien besiegt hatte, im Triumphe 120 gefangene Elefanten auf.“ Gelegentlich ließ sich selbst ein Kaiser herab, um einen dieser Riesen vor allem Volke zu fällen. So schreibt Älius Lampridius in seiner Biographie des Commodus, des Sohnes Marc Aurels und der Faustina, der jenem 180 n. Chr. auf dem Throne folgte, alle nur erdenkbaren Laster besaß, wollüstig, grausam und feig war, Ämter und Ehrenstellen an die Meistbietenden verkaufte, den Staatsschatz durch unsinnige Verschwendung erschöpfte, die Regierung des Reichs Günstlingen überließ und schließlich am 31. Dezember 192 auf Anstiften seiner Geliebten Marcia, erst 31jährig, erdrosselt wurde: „Kaiser Commodus war ungeheuer stark und fand ein besonderes Vergnügen daran, bei den öffentlichen Spielen gegen Gladiatoren und gegen wilde Tiere zu kämpfen, ja er tötete bei solcher Gelegenheit selbst mehrere Elefanten.“ Indische und afrikanische Elefanten traten nicht selten als Künstler auf, schrieben in Sand, gingen auf einem schräg gestellten Seile auf und ab. Acht derselben trugen zu viert auf einer Sänfte einen anderen, tanzten nach dem Takte, speisten von prächtig besetzter Tafel aus kostbarem Geschirr mit Beobachtung der feinen Sitte und des Anstandes und vollführten zahlreiche andere Künste. Der griechische Schriftsteller Oppianos schrieb ums Jahr 200 n. Chr.: „Der Elefant ist das größte Landtier und sieht aus wie ein Berg oder eine gewitterschwere Wolke. Seine Nase ist ungeheuer lang und schlank und dient ihm als Hand. Im wilden Zustande ist er grimmig, gezähmt dagegen sanft und menschenfreundlich. Wenn er dazu abgerichtet ist, schreitet er nach dem Takte des Flötenspiels bald langsam, bald schnell, wie tanzend, einher. Als Germanicus Cäsar (der Adoptivsohn des Kaisers Tiberius) den Römern Schauspiele gab, waren von Elefanten, die man in Rom hielt, Junge gezogen worden und diese nahm ein tüchtiger Lehrmeister in Unterricht. Sie wurden an Flötenspiel, Trommelschlag und Gesang gewöhnt und lernten die Glieder bewegen, wie wenn sie tanzten. Als nun der Tag der Schauspiele erschien, traten sie, zwölf an Zahl, mit bunten Tanzkleidern geschmückt, auf, gingen mit zierlichen Schritten einher, wiegten dabei den Leib recht fein hinüber und herüber, formierten auf Befehl des Meisters eine Linie, einen Kreis, schwenkten rechts und links. Sie streuten Blumen umher, ließen sich auf schöne Kissen, die für sie hingelegt waren, nieder, fraßen mit großer Bescheidenheit von Tischen, die aus kostbarem Holz der Sandarakzypresse (citrum, aus dem Atlasgebirge bezogen) und aus Elfenbein angefertigt waren, und tranken bescheiden aus goldenen und silbernen Bechern. Ich habe auch selbst einen Elefanten gesehen, der mit dem Rüssel römische Buchstaben ganz regelmäßig auf eine Tafel schrieb; dabei führte ihm jedoch der Meister den Rüssel.“
Auch der griechische Schriftsteller Plutarch (50–120 n. Chr.) schreibt: „Auf dem Theater führen die Elefanten sehr künstliche Stücke auf. Es ist auch neulich vorgekommen, daß einer, der das zu Lernende nicht recht begreifen konnte, es von selbst bei Nacht einübte. (Weshalb sollte nicht dieses Tier gelegentlich für sich selbst die ihm beigebrachten Kunststücke ausführen?) In Rom wurde einmal einer von Knaben geneckt und in den Rüssel gestochen. Er ergriff einen derselben, hob ihn hoch empor, tat, als wolle er ihn zerschmettern, setzte ihn dann aber ruhig wieder hin, weil er dachte, jener hätte schon an der ausgestandenen Angst genug. Nach Jubas Angabe decken die Jäger die Gruben, worin sie Elefanten fangen wollen, mit Reisig und Erde zu. Ist aber einer hineingefallen, so füllen die anderen die Grube so weit, daß er wieder herauskann. Er schreibt auch, daß die Elefanten Gelübde tun und mit aufgehobenem Rüssel die Sonne anbeten.“ Sueton schreibt: „Bei den Spielen, die Nero gab, ritt ein allgemein bekannter römischer Ritter auf einem Elefanten, der auf einem ausgespannten Seile ging,“ und ferner: „Kaiser Galba (der im Juni 68 von den gallischen Legionen gegen Nero zum Kaiser erhoben, aber schon am 15. Januar 69 von den wegen seiner Knauserigkeit erzürnten Prätorianern getötet wurde) zeigte bei den Spielen Elefanten, welche auf Seilen gingen.“ Selbst als Opfer wurden sie bei besonders wichtigen Anlässen den Göttern dargebracht. Gelegentlich wurden solche nur gelobt und in Wirklichkeit durch Nachahmungen ersetzt, da die Originale den Opfernden denn doch zu kostbar sein mochten. So schreibt Älian: „Als Ptolemäos Philopator den Antiochos besiegt hatte, veranstaltete er eine prachtvolle Opferfeier und wollte auch dem Gotte Helios vier herrliche Elefanten als Zeichen seiner großen Verehrung darbringen. Daraufhin träumte aber Ptolemäos, dem Gotte schiene das Opfer befremdlich und unangenehm. Er weihte ihm also, statt der vier wirklichen Elefanten, vier aus Erz gegossene.“
Nach den Berichten der alten Autoren müssen die orientalischen Fürsten im Altertum noch mehr Elefanten als heute besessen haben; sie waren eben damals noch nicht so dezimiert und konnten leichter gefangen werden. Plinius berichtet darüber: „Am Ganges hat der König der Kalinger, dessen Hauptstadt Protalis ist, 60000 Mann Fußvolk, 1000 Mann zu Pferde, 700 Elefanten, die alle stets schlagfertig sind. Es gibt daselbst eine eigene Menschenkaste, die sich mit Fang und Zähmung des Elefanten beschäftigt. Mit diesen Tieren pflügen sie, auf ihnen reiten sie, mit ihnen kämpfen sie fürs Vaterland. — Der König der Thaluter hält 50000 Mann Infanterie, 4000 Mann Kavallerie und 400 Kriegselefanten. — Das Volk der Andarer hat 30 mit Mauern und Türmen befestigte Städte, stellt 100000 Mann Infanterie, 2000 Mann Kavallerie und 1000 Elefanten. — Das mächtigste Volk in ganz Indien sind die Prasier, deren große und reiche Hauptstadt Palibothra heißt. Ihrem Könige dienen 600000 Mann Infanterie, 30000 Mann Kavallerie und 9000 Elefanten; diese ganze Macht wird Tag für Tag besoldet. — Am Indus hält der König der Megaller 500 Elefanten; — die Asmarer, in deren Land es auch von Tigern wimmelt, haben 30000 Mann Infanterie, 800 Reiter und 300 Elefanten. — Die Orater haben nur 10 Elefanten, aber viel Fußvolk. — Die Suaratarater unterhalten im Vertrauen auf ihre eigene Tapferkeit gar keine Elefanten. Der König der Horaker unterhält 150000 Mann Infanterie, 5000 Mann Kavallerie und 1600 Elefanten. — Der König der Charmer hat 60 Elefanten. — Das Volk der Pander, das einzige in Indien, das stets von einer Königin beherrscht wird, stellt 150000 Mann Infanterie und 500 Elefanten.“ — Woher Plinius diese Zahlenangabe hatte, ist uns unbekannt. Sind sie auch jedenfalls stark übertrieben, so ist doch kein Zweifel darüber möglich, daß die indischen Fürsten damals sich in der Kriegsführung wesentlich auf ihre Elefanten verließen und große Scharen davon unterhielten. Aus dem 8. und 9. Jahrhundert n. Chr. wissen wir, daß die indischen Fürsten 2000 bis 3000 Kriegselefanten zur Verfügung hatten. Der Venetianer Marco Polo, der, erst 15jährig, mit seinem Vater Niccolo und seinem Oheim Maffeo Polo 1271 zu dem Tatarenchan Kublai nach Zentralasien reiste, meldet, dieser habe 5000 Elefanten besessen, die er zum Kriege gebrauchte. Im 16. Jahrhundert besaß der Großmogul Akbar, d. h. der sehr Große (eigentlich hieß er Dschelal eddin Muhammed), der mächtige Herrscher über Hindustan, ein Nachkomme Timurs, der von 1556–1608 regierte, nach den Angaben seines Vesirs Abul Fazl 6000 Elefanten. Der mächtige Schah Jehangir soll ihrer 12000 und seine Vasallen zusammen 40000 besessen haben. Im 17. Jahrhundert fand Tavernier, daß der zu Gehanabad residierende Großmogul 500 Elefanten zum Lasttragen und 80 zum Kriege benutzte. Seit der allgemeinen Verbreitung der Feuerwaffen wurde aber der Elefant, der sich vor jenen fürchtet, immer weniger zu Kriegszwecken benutzt und ist heute in Indien mehr ein Luxustier, das wesentlich nur noch zur Jagd und bei festlichen Aufzügen Verwendung findet. In Hinterindien dagegen wird es in ausgedehntem Maße als Arbeitstier beim Transport der schweren Stämme von Tiek- und anderem Nutzholz verwendet.
Bild 41. Darstellung eines Mammuts durch einen Jäger der frühen Nacheiszeit in der südfranzösischen Höhle von Combarelles.
(1⁄19 natürl. Größe.)