Ein kurzhaariger Schlag mit langgestrecktem Körper und kurzen, aufrechtstehenden Ohren, von Farbe schwarz und weiß gescheckt, ist das englische Scheckenkaninchen. Ein noch bunter geschecktes Kaninchen, dessen Fell außer Schwarz und Weiß auch Gelb in buntester Mischung aufweist, ist neuerdings als „japanisches Kaninchen“ importiert worden, ohne indessen bisher eine weitere Verbreitung gefunden zu haben. In Frankreich und England wird besonders das Widderkaninchen (lapin bélier) gezüchtet. Es verdankt seinen Namen dem stark geramsten Kopf, der ungemein lange und schlaff herabhängende Ohren besitzt. Es erreicht ein Gewicht von 5–6 kg und besitzt ein wohlschmeckendes, zartes Fleisch, weshalb es viel gezüchtet wird. Sein Fell ist kurzhaarig und schwarz, grau, weiß, gelb oder blau, auch gescheckt.

Das Kaninchen hat man auch schon mit dem Feldhasen zu kreuzen vermocht. Die so erhaltenen Bastarde nennt man Leporiden. Sie haben nach W. Hochstetter eine große Ähnlichkeit mit dem Feldhasen, sind hasengrau mit rostgelbem Nacken, tragen schwärzlich geränderte Ohren und sind fruchtbarer als alle reinen Kaninchenrassen. Ihr Fleisch ist sehr wohlschmeckend, und bereits nach sechs Monaten erreichen sie ein Gewicht von 3–4 kg.

Die Kaninchen sind die einzigen Nagetiere, die wirtschaftlich für uns von Bedeutung geworden sind. Als leicht zu erlangende Warmblüter dienen sie mit Meerschweinchen, Ratten und Mäusen sehr oft zu Einimpfungs- und Vivisektionsversuchen, können deshalb mit Recht auch als „Märtyrer der Wissenschaft“ bezeichnet werden. Unter diesen spielt jedoch das Meerschweinchen (Cavia cobaya) als Versuchstier der Physiologen und Bakteriologen die weitaus erste Rolle, da es sehr fruchtbar und leicht zu halten ist. Wenn es auch vielfach bei uns zum Vergnügen gehalten wird, so hat es doch bei uns keinen praktischen Nutzen gefunden. Allerdings in seiner alten Heimat Südamerika ist es von den alten Peruanern, wie seinerzeit das Kaninchen in Europa, der Fleischnutzung wegen gezüchtet und zum Haustier erhoben worden. Im altperuanischen Gräberfeld von Ancon fand man nicht selten Überreste von offenbar einst als Haustier gehaltenen Meerschweinchen, die nach Nehring sowohl äußerlich in der Färbung, wie auch durch ihren anatomischen Bau in der Mitte stehen zwischen der wilden Art Südamerikas und dem zahmen Meerschweinchen der Gegenwart. Die altperuanischen Hausmeerschweinchen besaßen, wenn auch schon als offenkundiges Haustiermerkmal Weiß auftrat, im allgemeinen noch immer die dunkelbraune, fein gesprenkelte „Wildfarbe“, die durch verschiedenfarbige Ringelung der einzelnen Haare entsteht. Daneben hatten sie die schlankere, schärfer umrissene Schnauze und das festere Gefüge des Schädels, das sich besonders in dem keilförmigen Einspringen der Nasenbeine in die Stirnbeine ausspricht. Diese Unterschiede mögen wohl auf veränderte Lebensbedingungen zurückzuführen sein. Jedenfalls waren sie bei den alten Peruanern noch nicht in so strenger Haft gehalten wie die heutigen Nachkommen und lebten wohl noch ziemlich frei in und um die Hütten der Eingeborenen herum.

Diese mehr einfarbigen, schlanken, spitzschnauzigen Vorfahren unseres heutigen weißbunten, fettleibigen und dickköpfigen Meerschweinchens stellen also Mittelglieder zwischen letzterem und der noch heute in Peru wildlebenden Stammform Cavia cutleri dar. Außer als Nahrung benutzten die alten Peruaner sie auch als Opfer für die Götter. Nach Rengger zähmen die Indianer in Paraguay noch heute die dem wilden Meerschweinchen Perus entsprechende Form der Ostabhänge der Anden, die Cavia aperea, und diese pflanzt sich auch in der losen Gefangenschaft, in der sie gehalten wird, leicht fort. Im Laufe des 16. Jahrhunderts kam dann das peruanische Hausmeerschweinchen durch die Spanier wohl nur als Spielerei nach Europa. Speziell den Holländern ist dessen Einführung nach Mitteleuropa zu verdanken. In der Schweiz erwähnt es 1554 zuerst der Züricher Naturforscher Konrad Geßner (1516–1565). Doch war es damals in Mitteleuropa noch recht selten. Weil es übers Meer zu ihnen gekommen war und in seiner kurzbeinigen Dickleibigkeit einem Schweinchen glich, nannten es die Deutschen Meerschweinchen, während es die Engländer als guinea-pig bezeichneten. Die Färbung ist sehr verschieden. So berichtet schon der Leibarzt der reichen Fugger in Augsburg in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, Munzinger, von ganz weißen und ganz braunen Meerschweinchen. Jetzt sind die meisten Formen schwarz, rotgelb und weiß gefleckt; ein Teil ist ganz weiß mit roten Augen. Es sind dies also richtige Albinos. Neben diesen kurzhaarigen Rassen gibt es auch eine sehr langhaarige unter der Bezeichnung Angorameerschweinchen. Bildet ihre Behaarung an verschiedenen Körperstellen eigentümliche Wirbel, so spricht man von Struppmeerschweinchen.

In seinem Benehmen ist das Meerschweinchen ein Mittelwesen zwischen Kaninchen und Mäusen. Sein Lauf setzt sich aus einer Reihe kurzer Sprünge zusammen und ist keineswegs sehr schnell. Fühlen sie sich wohl, so lassen sie eine Art sanften Murmelns vernehmen; erschreckt quieken sie wie die Schweine. Bei uns werfen die Weibchen 2 bis 3 mal im Jahre 2–3, auch 4 oder 5, in heißen Ländern sogar 6–7 Junge. Diese werden in einem hochentwickelten Zustand mit offenen Augen geboren und laufen schon nach wenigen Stunden hinter der Mutter her. Sie werden nur etwa 14 Tage lang von der Mutter gesäugt und während dieser Zeit liebevoll behandelt. Vom zweiten Tage an fressen sie neben der Muttermilch auch Grünes und sind vom Ablauf der 4. Woche an selbständig. Nach 5–6 Monaten sind sie fortpflanzungsfähig und haben schon nach 8–9 Monaten ihre vollkommene Größe erreicht. Bei guter Behandlung können sie ihr Leben auf 6–8 Jahre bringen. Sie sind der Wärme bedürftig und müssen an einem trockenen Ort gehalten werden. Gegen rauhe und kalte Witterung sind sie sehr empfindlich und gehen dann leicht zugrunde. Wenn man sich viel mit ihnen abgibt, werden sie ungemein zahm und zutraulich, obwohl sie ihre Furchtsamkeit nie gänzlich ablegen und bei ihren geringen geistigen Fähigkeiten selten dahin gelangen, den Wärter von andern zu unterscheiden. Im ganzen bleiben sie stumpfsinnig und wenig anhänglich. Nur in Oberschlesien ißt man sie wie in ihrer Heimat Peru.

Endlich ist noch von der zahmen Hausmaus (Mus musculus domesticus) zu reden, die in Ostasien zum Haustier erhoben wurde und neuerdings auch bei uns in den verschiedensten Zeichnungs- und Färbungsformen gezüchtet wird. Nach ihrer Herkunft werden sie als chinesische und japanische Ziermäuse unterschieden. Die chinesischen Mäuse, die in ihrer Heimat auch vom Menschen gegessen werden, unterscheiden sich von unserer wilden Hausmaus und von der gewöhnlichen weißen Maus nur durch die Färbung und Zeichnung und zerfallen in eine große Anzahl Rassen. Es gibt einfarbig schwarze, dann solche mit ganz kleinen weißen Abzeichen an verschiedenen Körperstellen, ferner schwarz- und weißgescheckte, einfarbig graue, grau- und weißgescheckte, braune, braun- und weißgescheckte, hell- und dunkelgelbe und gelbgescheckte Mäuse. Alle diese haben meist schwarze Augen; nur gelbe Mäuse kommen auch mit roten Augen vor. Sonst finden sich letztere regelmäßig bei den noch nicht aufgezählten Rassen, den fahlen, den fahl- und weißgescheckten und den blauen Mäusen, deren Färbung von Aschgrau bis Mohnblau wechselt. Diese blauen Mäuse unterscheiden sich von den fahlen dadurch, daß ein gelblicher, bräunlicher oder rötlicher Farbenton bei ihnen fehlt. Zu ihnen gesellen sich blaue Mäuse mit wenig bis viel Weiß und endlich die schon seit langer Zeit in Europa gezüchteten einfarbig weißen Mäuse mit roten Augen. Übergänge zwischen den aufgezählten Rassen finden sich nur selten. Als Übergänge zwischen fahlen und gelben Mäusen kann man die gelben Mäuse mit roten Augen betrachten. Sonst kommen nur Übergänge zwischen grauen und gelben Mäusen vor, nämlich graue Mäuse mit Gelb und gelbe Mäuse mit Grau meliert. Andere Übergänge hat man trotz zahlloser Züchtungsversuche nicht erhalten, und vor allem ist es auch nie gelungen, Mäuse zu züchten, die gleich den meisten Meerschweinchen dreifarbig gescheckt sind.

Nicht minder wunderbare Züchtungsprodukte haben die Japaner aus der gemeinen Hausmaus zu machen verstanden. Die japanischen Ziermäuse unterscheiden sich von den chinesischen durch geringere Körpergröße, zierlichere Formen, namentlich spitzen Kopf, vor allem aber durch die merkwürdige Eigenschaft, daß sie, wenn sie irgend ein Ziel erreichen wollen, nicht geradewegs darauf losgehen, sondern schwankenden Ganges hin und her wackeln, wobei sie häufig in eine drehende Bewegung geraten, ja nicht selten auf einem Fleck so schnell herumwirbeln, daß man Kopf- und Schwanzende nicht mehr voneinander unterscheiden kann. Sie lieben es auch, um die runden Futternäpfe im Kreise herumzulaufen und um Pflöcke, die man auf dem Boden ihres Käfigs befestigt hat, herumzutanzen. Oft führen zwei zusammen einen Wirbeltanz aus. Diese sogenannten japanischen Tanzmäuse zieht man in ihrer Heimat gewöhnlich in zwei Rassen, nämlich in schwarzweißem und blauweißem Kleide. Bei beiden Rassen überwiegt das Weiß, und Schwarz und Blau sind jeweilen am Kopfende angehäuft. Nur selten erhält man auch fahl und weiß gescheckte Tanzmäuse. In Frankfurt a. M. ist es indessen neuerdings gelungen, zahlreiche verschiedenartige Tanzmäuse zu züchten, und nach den dort angestellten Vererbungsversuchen lassen sich die Tanzmäuse in denselben 19 verschiedenen Färbungs- und Zeichnungsformen züchten, wie die chinesischen Mäuse, so daß es im Ganzen 38 verschiedene Hauptrassen von Ziermäusen gibt. Dazu kommen noch einige, allerdings sehr seltene Übergänge zwischen verschiedenen Rassen.

Dieselbe Züchtungsarbeit hat man in Ostasien teilweise auch der Wanderratte angedeihen lassen. Sie kommt weiß, schwarz oder braun gescheckt vor, ist aber viel weniger mannigfaltig gefärbt als die Ziermäuse. Am meisten wird die japanische Tanzratte gehalten, die durch ihr Benehmen an die japanischen Tanzmäuse erinnert. Sie wird gelegentlich auch vom Menschen verspeist, was sehr begreiflich ist, da an ihr gewiß mehr Fleisch enthalten ist als an den Mäusen, die demselben Zwecke dienen.

XIII. Die Katze.