Vom Niltal verbreitete sich die Hauskatze im Altertum nur langsam nach Syrien, Persien und von da nach Indien. Bei den Indern galt die weiße Katze als das Symbol des Mondes, der die grauen Mäuse, d. h. die Schatten der Nacht vertreibt. In China wird die Katze zum erstenmal im 6. Jahrhundert v. Chr. erwähnt. Ein Bekanntwerden der Griechen mit der ägyptischen Katze läßt sich vor dem 5. Jahrhundert v. Chr. nicht nachweisen und war auch da nur vereinzelt. So berichtete Herodot seinen Landsleuten von der hohen Wertschätzung dieses Tieres in ihrer ägyptischen Heimat. Im 4. Jahrhundert v. Chr. wurde die Katze in den griechischen Kolonien Süditaliens in einzelnen Exemplaren von Kyrene her eingebürgert; doch vermochte sie auch hier nicht den älteren Vorläufer, das Wiesel, zu verdrängen. Bei den Römern fand sie erst um 100 v. Chr. Eingang. Bei ihnen hatte das Wort felis zuerst den Edelmarder, dann die Wildkatze und, von ihr übertragen, zuletzt die Hauskatze bezeichnet. Zu Beginn der christlichen Zeitrechnung treffen wir sie immer noch nur vereinzelt als Haustier bei den alten Römern. Der ältere Plinius kennt und beschreibt sie unter dem Namen tigris: „Die Katzen schleichen ganz still und leise, wenn sie ein Vögelchen haschen wollen; den Mäusen lauern sie heimlich auf und springen dann plötzlich auf sie los. Ihren Kot bedecken sie mit zusammengerscharrter Erde, damit er ihre Anwesenheit nicht verrate.“ Seine Zeitgenossen Columella und Seneca raten die Hühner vor ihnen zu hüten. Dies rät Palladius um 380 n. Chr. dadurch zu tun, daß man letzteren ein Stückchen Raute unter den rechten Flügel bindet. Er sagt, daß man sich Katzen zum Wegfangen der Maulwürfe halte. Von allen Geschichtschreibern erwähnt sie nur Dio Cassius einmal, indem er in der Biographie des Tiberius sagt: „Während Sejanus zur Zeit, da Tiberius regierte (14–37), noch allmächtig war, kamen einmal eine Menge Gratulanten zu ihm und das Sopha, auf das sie sich setzten, brach zusammen; dann lief dem Sejanus, als er aus dem Hause ging, eine Katze über den Weg. Hierdurch ward ihm, vor dem sich damals alles beugte, Verderben prophezeit.“ Auch ist ihre Darstellung bisher nur ein einziges Mal auf einem römischen Mosaik gefunden. Jedenfalls spielte die Katze im antiken Haushalt neben dem hier früher als Mäusefänger gebräuchlichen Frettchen eine sehr bescheidene Rolle. Erst vom 4. Jahrhundert n. Chr. an wurde das bis dahin noch häufig gehaltene Hauswiesel ganz von der Katze verdrängt, die damals einen besonderen Namen, nämlich catus erhielt, woraus später im Vulgärlatein catta, und daraus im Italienischen gatta, im Französischen chat, im Deutschen dagegen Katze wurde. Die römische Bezeichnung catus aber, die bei den Byzantinern als katós gebräuchlich war, stammt aus dem syrischen Worte katô, das seinerseits wiederum mit dem nordafrikanischen gâda und kadiska zusammenhängt. So sehen wir auch in der Terminologie den Weg angedeutet, den das Tier in der Tat aus dem Niltal über Syrien und das Römerreich bis ins Herz Europas nahm.

Bild 46. Katze und Maus. Holzschnitt zu den Fabeln des Äsop. (Gedruckt 1475 von Joh. Zainer in Ulm.)

Zur späteren ausgiebigen Verbreitung der Katze durch die Länder am Mittelmeer und in Europa trug wesentlich das christliche Mönchtum bei, das ja in Ägypten seinen Anfang nahm und sich dort sehr bald mit der Hauskatze befreundet hatte. So berichtet uns Johannes Diaconus im Leben des heiligen Gregor (um 600), ein Eremit habe, durch die Predigt dieses großen Mannes gerührt, seinen einzigen Schatz auf Erden, seine Katze, opfern wollen. Aus dem Mittelalter findet sich die Angabe, daß die Mönche eines Klosters auf Zypern Katzen gezogen hätten, um die Schlangen zu bekämpfen. Damit an diesen frommen Orten die Kater nicht ihren sinnlichen Lüsten frönten, verschnitt man gewöhnlich die Klosterkatzen. Es ist dies dasselbe Bestreben, das nicht nur Frauen, sondern überhaupt weibliche Tiere vom heiligen Berge Athos mit seinen zahlreichen Mönchsklöstern aufs strengste fernzuhalten sucht.

Noch im 10. Jahrhundert war die Katze in Mitteleuropa recht selten; so mußte damals in Sachsen und Wales derjenige, der eine solche getötet hatte, als Strafe so viel Getreide entrichten, daß das am Schwanze aufgehängte und mit der Schnauze den Boden berührende Tier von diesem vollständig bedeckt ward. Damals wird es wohl nur gelbe und braune Katzen in Europa gegeben haben.

Um 1620 fand dann der Italiener Pietro della Valle in Chorasan sehr schöne langhaarige Katzen, von denen er ein Paar mit nach Europa brachte. Es sind dies vielleicht die Vorläufer der Angorakatze, die besonders in Persien und Kleinasien gehalten wird, aber aus Innerasien stammt. Die dichte und lange Behaarung, die blau, blaugrau, schwarz, bunt oder einfarbig weiß ist, will der russische Forscher Pallas der Kreuzung mit der ziemlich langhaarigen asiatischen Steppenkatze (Felis manul) zuschreiben. Da die Wildkatzen sich überall gelegentlich mit den einheimischen Hauskatzen paaren, ist dies sehr wahrscheinlich; doch könnte schließlich auch die gewöhnliche Hauskatze unter der Einwirkung des rauhen Gebirgsklimas Innerasiens eine längere Behaarung erhalten und diese an ihre Nachkommen vererbt haben.

Tafel 49.

Altägyptische Hauskatzen mit Mäusen in einer Fabel des satirischen Papyrus des Neuen Reichs
(18. bis 19. Dynastie, 1580–1205 v. Chr.).


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