Tafel 50.
(Copyright by M. Koch, Berlin.)
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Die europäische gemeine Hauskatze ist also ein mehr oder weniger reiner Abkömmling der nubischen Falbkatze, die sich in ihrer primitivsten Erscheinung in Ostafrika und in den Ländergebieten am Roten Meer erhielt. Die dort angetroffene Hauskatze stimmt ganz auffallend mit der wilden Falbkatze überein; sie ist nämlich fahlgelb oder fahlgrau mit rötlichem Anflug, die Nasengegend rostrot mit dunklerer Einfassung. Der Fuß ist bis zur Ferse unterseits schwarz behaart; auch zeigt der Pelz mehr oder weniger deutlich dunkle Flecke. Die Bauchseite ist heller, der Körper schmächtig gebaut, der Schwanz lang und wenig voll. Diese Katze steht der altägyptischen Hauskatze sehr nahe, die stets gelblich, von hellgelb bis dunkelbraun wechselnd, gefärbt war. Die Ohren mancher Exemplare erscheinen auffallend groß und zugleich an der Spitze mit einem kleinen Haarbüschel versehen. Dies beweist eine Kreuzung der ägyptischen Hauskatze mit dem alsbald zu besprechenden Sumpfluchs (Felis chaus). Die betreffenden Bastarde unterscheiden sich von den Hauskatzen von reiner Abstammung von der Falbkatze außerdem durch die gedrungene und größere Gestalt, das dunkelgefleckte Fell und den langhaarigen Schwanz. Dieses Kreuzungsprodukt wurde, wie verschiedene Bilder beweisen, auch zur Vogeljagd abgerichtet. Doch scheint in ihnen das Blut der Falbkatze überwogen zu haben. Die kräftige Gestalt auch dieser Katzen zeugt davon, daß sie schon damals in Ägypten nicht in engem Gewahrsam, sondern in voller Freiheit wie heute noch aufwuchsen. In dieser altertümlichen Gestalt hat sich die Hauskatze in Europa einzig auf der Insel Sardinien erhalten, wo sie jedoch verwildert ist und als Rückschlagserscheinung kleine, schwarze Ohrpinsel zeigt. Die europäischen Hauskatzen weisen schon weitere Veränderungen auf und variieren stark in der Körperfärbung. Es gibt unter ihnen wildfarbene, graugestreifte, gefleckte, mausgraue, schwarze und weiße Spielarten. Die sogenannte Zypernkatze, die durch ihre schwarze Streifung auf gelblichgrauem Grunde stark an unsere Wildkatze erinnert, muß wie die andern wildfarbenen, gestreiften und gefleckten Hauskatzen stark Blut der europäischen Wildkatze aufgenommen haben, die sich besonders früher, da sie häufiger war, oft mit der Hauskatze zu paaren Gelegenheit hatte. Weit seltener als die Zypernkatzen sind die gelbgrauen Katzen ohne schwarze Zeichnung am Kopf, Rumpf und Schwanz, nur mit zwei schwarzen Querbändern an den Vorderbeinen. Ihnen schließen sich die gelbschwarzen Katzen an, die auf gelblichem Grunde unregelmäßige, an den Rändern verwaschene, ziemlich kleine schwarze Flecken ohne Beimischung von Weiß zeigen. Meist sind diese weiblichen Geschlechts und die zugehörigen Männchen sandfarben. Doch können auch Weibchen sandfarben sein, und Katzen, die auf sandfarbenem oder gelbschwarzem Grunde weiß gescheckt sind, finden sich in beiden Geschlechtern nicht selten. Ziemlich lang und weichhaarig grau mit schwarzen Lippen und Fußsohlen sind die sogenannten Karthäuserkatzen. Weiße Katzen haben entweder gewöhnliche Katzen- oder rein blaue Augen. Dabei kann nun das eine Auge blau und das andere von gewöhnlicher Färbung sein. Sind beide Augen blau, so ist die weiße Katze meist taub. Schwarze Katzen haben meist gelbe Augen.
Stummelschwänzig oder nahezu schwanzlos ist die Katze der Insel Man zwischen England und Island. Dazu hat sie einen großen Kopf und unverhältnismäßig lange und starke Hinterbeine. Sie ist eine unermüdliche Springerin und Kletterin und stellt den Vögeln viel mehr nach als andere Hauskatzen. Die Färbung ist verschieden. Bei der Kreuzung mit der gewöhnlichen Hauskatze sind die Nachkommen teils kurzschwänzig, teils schwanzlos. Über die Entstehung dieser eigentümlichen Rasse ist nichts Näheres bekannt geworden. Sie wird wohl plötzlich durch Mutation hervorgegangen sein. Wie unter den europäischen gibt es auch unter den asiatischen Katzen stummelschwänzige, so besonders in China und Japan. In Siam, Birma und auf der Halbinsel Malakka lebt die malaische Haus- oder Knotenschwanzkatze, deren Schwanz nur die halbe Länge gewöhnlicher Hauskatzenschwänze hat und oft infolge einer Mißbildung der Knochen zu einem festen Knoten verdickt ist. Diese Anomalie ist angeboren und wird vererbt.
Die chinesische Hauskatze besitzt ein seidenweiches, langes Haar von lichtgelber bis weißer Farbe. Unter dem Einflusse der Domestikation ist sie wie so viele andere Haustiere hängeohrig geworden. Sie wird in China viel gezüchtet, um nach vorhergehender Mästung geschlachtet und als beliebte Speise verzehrt zu werden. Sie scheint stark Blut der asiatischen Wildkatze in sich aufgenommen zu haben. Auch in Südwestindien, speziell in Kotschin, wird die Hauskatze häufig gegessen, wie übrigens auch in Frankreich, wo deren Fleisch regelrecht auf den Markt gelangt. Die schönste und edelste aller Katzen aber ist die Siamkatze, die außer in ihrer Heimat auch in China und Japan als Luxustier gehalten wird, dort sehr hoch im Preise steht und nur selten nach Europa gelangt. Die frischgeworfenen Jungen sind blendendweiß mit roten Augen, also eigentliche Albinos, die aber später durch Pigmentbildung sich verfärben. Der dichte, kurzhaarige Pelz wird dann silbergrau bis schokoladebraun, mit schwärzlichem Gesicht, ebenso werden die Füße, Schwanzspitze und Ohrspitzen schwarz. Die Augen sind blau. Ihre Abstammung ist unbekannt. In reiner Rasse ist sie nur aus dem Palaste des Königs von Siam zu bekommen, der allein das Vorrecht besitzt, sie zu halten. Sie ist geistig hochbegabt und sehr zutraulich, was schon auf ein sehr altes, inniges Zusammenleben mit dem Menschen hinweist. Die gewellten oder gefleckten Hauskatzen Indiens scheinen Kreuzungsformen der Hauskatze mit der indischen Wüstenkatze zu sein.
Überall, wo der Mensch unter der Mäuseplage zu leiden hatte, hat er die Hauskatze kommen lassen, so der Konquistador Almagro, der nach Herrera dem Italiener Montenegro, der die erste Katze nach Peru brachte, dafür 600 Pesos (= 2634 Mark) gab. Dort werden sie heute zur Unterhaltung der verschiedenen Madonnen in die Kirche gelassen, indem die betreffenden Besitzerinnen glauben, jene werden sich für eine solche Liebenswürdigkeit erkenntlich erzeigen und ihnen ihre Wünsche eher erfüllen. In Bolivia sind heute gemästete Katzen ein Lieblingsgericht der vorwiegend indianischen Bevölkerung. Auch bei der ersten Besiedelung des Goldlandes von Cuyabá am Paraguay um 1745 wurde für die erste, zur Beseitigung der Mäuseplage kommen gelassene Hauskatze nicht weniger als ein Pfund Gold bezahlt. Als Missionar Sagard bei seiner Abreise 1626 dem Huronenhäuptling eine Katze schenkte, nahm dieser sie mit großem Dank entgegen. Als in Neuseeland um 1855 die Ratten verheerend auftraten, wurde 1857 eine ganze Schiffsladung Katzen dahin eingeführt. Im 14. Jahrhundert soll Whittington, einer der ersten Handelsfürsten Englands, den Grund seines großen Vermögens dadurch gelegt haben, daß er seine Katze einem westafrikanischen Häuptling abtrat, der derselben wegen der Mäuse stark bedurfte. Dort sind die Katzen heute gemein; an der Goldküste wurden sie nach Bosmann auch gegessen. Nach Nachtigal verehrten die Heiden des alten Negerlandes Dar Fur eine weiße Katze, wie nach dem älteren Plinius in der Stadt Rhadata eine goldene Katze angebetet wurde. Jedenfalls ist mit dem alten Kulttier auch die Heiligkeit desselben gewandert. So treffen wir selbst in den Vorstellungen unseres Volkes noch Spuren davon. So soll die Katze, wenn sie ihre Pfoten vor dem Fenster säubert, Besuch ankündigen, d. h. der in ihr wohnend gedachte, die Zukunft vorausschauende Geist soll diesen erblicken und damit anmelden. Ferner wird der Glaube noch häufig angetroffen, daß, wer die Hauskatze nicht gut füttert, einen schlechten Hochzeitstag erlebt. Nach dem deutschen Volksmärchen steht die schwarze Katze stets mit dem Bösen im Bunde; deshalb ist sie auch die unzertrennliche Begleiterin der Hexe. Wohl durch diese Stellung als Kulttier während vieler Generationen hat die Katze mit der Zeit etwas Eigenwilliges und Aristokratisches angenommen. Wenn sie auch nicht mehr so unzuverlässig ist wie die gezähmte Wildkatze, so ist sie doch nicht so gutmütig wie der Hund. Ohne gerade falsch zu sein, wie man gern behauptet, läßt sie sich schon durch geringe Behelligung zum Kratzen und Beißen verleiten. Im allgemeinen ist die Katze schon als Einzeljäger viel selbständiger als der Hund und läßt sich vom Menschen nicht alles bieten. Leicht entzieht sie sich ihm durch Flucht, kehrt aber später gern wieder ins Haus und in ihr gewohntes Lager zurück.
Neben der Katze hatten die Ägypter des Mittleren Reiches auch den Sumpfluchs (Felis chaus) gezähmt, der bisweilen den vornehmen Jäger auf der Jagd im Sumpfe begleitete und die von ihm mit dem bumerangartigen Wurfgeschoß getroffenen Vögel apportieren mußte. Dieser wurde, wie bereits erwähnt, gelegentlich mit der Hauskatze gekreuzt, doch lassen sich keine tiefergehenden Einwirkungen von ihm auf die altägyptische Hauskatze nachweisen. Auch er galt dem Ägypter als heiliges Tier und wurde in Beni Hassan mehrfach mumifiziert vorgefunden.