Zur Zeit des Neuen Reiches gab es am ägyptischen Hofe auch gezähmte Löwen, die den Herrscher umgaben und ihn sogar in die Schlacht begleiteten. So ist an einer der Tempelwände von Karnak König Ramses II. (1292–1225 v. Chr.) auf seinem Streitwagen mitten in der Schlacht dargestellt, und um ihn kämpfte mit derselben Bravour wie er sein „Leiblöwe“, von dem es im Bericht über jene Schlacht gegen die Chethiter heißt: „Der große Löwe, der seinen Wagen begleitete, kämpfte zugleich mit ihm; die Wut ließ alle seine Glieder erzittern und wer sich ihm näherte, den schlug er zu Boden.“ An einem der Pylone von Luksor sehen wir denselben Herrscher auf dem gleichen Feldzuge im Lager ruhend. Vor seinem Zelt ruht an einer Kette der Löwe, von einem mit einer Keule bewaffneten Hüter bewacht; denn so zahm er auch war, so konnte man ihm doch im Lager nicht trauen. Mit demselben äußeren Symbol seiner Herrschermacht, dem gezähmten Löwen, umgab sich auch sein Nachfolger, Ramses III. (1198–1167 v. Chr.). Auf einem Basrelief am Palast von Medinet Abu ist er auf seinem Streitwagen fahrend dargestellt und vor ihm marschiert ein Löwe neben den beiden Wagenpferden. Zur Jagd allerdings konnte der Löwe nicht verwendet werden. Es ist zweifellos ein Irrtum, wenn Sir Gardner Wilkinson nach einer Grabmalerei von Beni Hassan aus der Zeit des Mittleren Reiches, der 12. Dynastie (nämlich 2000 bis 1788 v. Chr.), auf welcher eine Löwin mitten unter andern Tieren einen Steinbock überfallen und niedergeschlagen hat, während sich ein Jäger mit Pfeil und Bogen in der Hand der Gruppe nähert, aus dieser Zusammenstellung schließen zu dürfen glaubt, es sei dies eine zur Jagd dressierte zahme Löwin. Allerdings scheint im alten Indien dieses Bravourstück geleistet worden zu sein; denn der griechische Schriftsteller Älian berichtet: „In Indien gibt es gewaltig große Löwen, die entsetzlich grimmig sind und eine schwarze Mähne besitzen. Jung aufgezogen können sie aber so zahm werden, daß man sie zur Jagd auf Rehe, Hirsche, Wildschweine, Stiere und wilde Esel benutzen kann.“ In diesem Falle scheint der Autor wirklich Löwen und nicht, wie Lenormant glaubt, Geparde gemeint zu haben.
Auch später war am persischen und römischen Hofe zeitweise der gezähmte Löwe als Begleiter des Monarchen anzutreffen. So schreibt Dio Cassius: „Der römische Kaiser Antoninus Caracalla (212–217) hielt sich mehrere zahme Löwen und hatte sie immer bei sich. Am liebsten hatte er den einen, den er Acinaces nannte und oft vor allen Leuten küßte. Dieser pflegte mit ihm zu speisen und sich auf seinem Ruhebette zu lagern. Ehe der Kaiser ermordet wurde, wollte ihn der Löwe vor der Gefahr warnen und hielt ihn, als er ausgehen wollte, am Kleide so fest, daß dieses sogar zerriß, aber Antoninus achtete der Warnung nicht.“ Und Älius Lampridius berichtet: „Der römische Kaiser Heliogabalus (218–222) hielt sich zahme Löwen und Leoparden und hatte seinen Spaß mit ihnen. Die Zähne und Krallen waren ihnen kurz und stumpf gemacht. Bisweilen, wenn er ein Gastmahl gab, ließ er beim Nachtisch die Bestien eintreten und neben den Gästen Platz nehmen und lachte sich über die Angst seiner Freunde halb tot. Er fütterte auch seine Löwen und Leoparden oft mit Papageien und Fasanen. — Er fand auch großes Vergnügen daran, seine Gäste abends betrunken zu machen, brachte sie dann in einen Saal und schloß sie ein; dann ließ er Löwen, Leoparden und Bären hinein, deren Zähne und Krallen abgestumpft waren. Die meisten Gäste starben, wenn sie aufwachten und die Ungeheuer sahen, vor Schreck. — Er ließ auch Löwen vor seinen Wagen spannen und sagte, er sei die Göttin Cybele“, die man sich mit einem Löwengespann fahrend vorstellte.
Auch der Tiger war schon im Altertume teilweise gezähmt. So schreibt der griechische Geschichtschreiber Älian: „Unter den Geschenken, welche die Inder ihrem Könige bringen, sind auch zahme Tiger.“ Dann berichtet der ältere Plinius in seiner Naturgeschichte: „Pompejus der Große hat zu Rom den ersten zahmen Tiger in einem Käfig gezeigt, Kaiser Claudius aber vier zu gleicher Zeit.“ Und der römische Geschichtschreiber Lampridius bemerkt: „Kaiser Heliogabalus spannte Tiger vor den Wagen und sagte, er sei Bacchus.“ Der Tiger war bekanntlich das Attribut des aus dem Morgenlande, und zwar dem fernen Indien, über Kleinasien zu den Griechen gekommenen Gottes der ausgelassenen Lebensfreude und Fruchtbarkeit des Bodens, nämlich Bacchus. Er ließ sich der Sage nach auch im Abendlande von den Tigern Indiens ziehen und behing sich mit dem Tigerfell, an dessen Stelle erst später das Leopardenfell trat. Ähnlichen Zeitvertreib wie Heliogabalus hatte sich übrigens schon Kaiser Vespasians Sohn Titus als Kronprinz geleistet, bis er dann mit der Übernahme der Regierung löblicherweise eine ernste Lebensführung begann. Sonst haben diese großen Katzenarten nur als Prunkstücke für einzelne Vornehme oder Herrscher eine Rolle gespielt, nie jedoch praktische Bedeutung für den Menschen erlangt.
Anders ist dies mit dem Gepard der Fall, welcher schon im hohen Altertum im Morgenlande zum Jagdgehilfen des Menschen abgerichtet wurde. So treffen wir ihn mehrfach an der Kette geführt als Begleiter des vornehmen Jägers auf Wandgemälden des alten Ägypten; doch gelangte er als gezähmter Genosse des Menschen nie zu den Griechen und Römern; wenigstens ist uns nichts davon überliefert. Dagegen hat er im Orient bis auf den heutigen Tag eine bedeutende Rolle als Jagdgehilfe des Menschen gespielt, so daß er hier eine eingehende Besprechung verdient.
Von Afrika aus, wo er sich in verschiedenen Unterarten fast über den ganzen Erdteil ausdehnt, erstreckt sich das Verbreitungsgebiet des Geparden über ganz Westasien bis Indien. Der am ganzen Körper getüpfelte asiatische Gepard oder Tschita (Cynailurus guttatus) ist schlanker und hochbeiniger als der mit weißem Bauch, ohne Fleckenzeichnung daran versehene afrikanische Gepard oder Fahhad der Araber (C. guttatus). Letzterer wird auch gelegentlich für die Jagd dressiert und ist die gewöhnlich in den Menagerien und Tiergärten angetroffene Art. Aber der eigentliche „Jagdleopard“ ist der asiatische Gepard, der gezähmt ein wichtiges Zubehör des Hofstaates indischer Fürsten bildet. Dieses Tier, von der Größe eines Leoparden, nur viel schlanker und höher gestellt, ist in eigenartiger und weitgehender Weise dem Leben in der Steppe angepaßt. Sein Körper trägt die charakteristische gelbbräunliche Wüstenfärbung mit kleinen, runden, innen nicht helleren schwarzen Flecken und ist durch die hohen Beine und den schlanken Leib zum außerordentlich schnellen Verfolgen seiner Beutetiere befähigt. Letztere bilden in Indien die Schwarzbockantilopen (Antilope cervicapra), die viel in unsern zoologischen Gärten gehalten und gezüchtet werden und meist unter dem Namen Hirschziegenantilopen bekannt sind. In der Nachbarschaft der Ebenen, auf denen diese Antilopen weiden, hält sich der Gepard auf niedrigen Felsenhügeln auf und beschleicht von hier aus mit außerordentlichem Geschick gegen den Wind und jede Unebenheit des Bodens, Gebüsch und dergleichen als Deckung benutzend, seine Beute. Hat er sich ihr auf 150–200 Schritte genähert, so schießt er in gewaltigen Sätzen unglaublich schnell auf sie los und hat sie bald eingeholt. Mit gewaltigen Tatzenhieben schlägt er die Antilope zu Boden und tötet sie durch einen Biß in die Kehle. Gelingt es ihm nicht, das Wild nach 400–600 Schritten einzuholen, so läßt er von der Jagd ab, da er diese außerordentliche Schnelligkeit, die ihn beim Laufen auf kurze Strecken als schnellstes aller Säugetiere erscheinen läßt, nicht längere Zeit entwickeln kann.
Der Gepard jagt paar- oder familienweise. Seine Zähmung und Abrichtung zur Jagd ist eine sehr einfache und wird von Angehörigen einer besonderen Kaste vollzogen. Er wird in der Weise gefangen, daß rund um einen besonderen Baum, um den sich diese Tiere zum Spiele zu versammeln und an welchem sie ihre Krallen zu schärfen pflegen, Schlingen aus getrockneten Antilopensehnen mit Pflöcken auf dem Boden befestigt werden. Kommen die Tiere bei Sonnenuntergang zu dem betreffenden, an seinen Kratzspuren erkennbaren Baum, so fangen sie sich leicht in den geschickt angebrachten Schlingen. Die in der Nähe auf der Lauer liegenden Inder eilen alsbald herbei, werfen eine Wolldecke über sie, binden ihnen die Beine zusammen und fahren sie auf dem inzwischen herangekommenen Ochsenfuhrwerk in das Dorf, wo die Frauen und Kinder dazu beordert werden, den ganzen Tag über bei den frischgefangenen Tieren zu verweilen und sich laut miteinander zu unterhalten, um die Geparde dadurch an die menschliche Stimme zu gewöhnen. Haben sie sich daran gewöhnt, so werden sie an einen Baum oder eine Hütte möglichst nahe an einem belebten Ort angekettet, damit sie fortwährend Menschen sehen und sich an ihren Anblick gewöhnen. Dann beginnt die verschiedene Stufen durchlaufende Abrichtung der Geparde, die in etwa sechs Monaten beendet ist. Dabei sind die Tiere so sanft und gelehrig wie Hunde geworden, nehmen zutraulich die Liebkosungen des Menschen entgegen, sind selbst Fremden gegenüber gutmütig, glätten beim Streicheln ihr Fell an ihren Freunden, nach Art der Hauskatzen schnurrend. Gewöhnlich hält man die zahmen Jagdleoparden vor dem Haus mit einer Kette an der Wand befestigt, auf einer Eingeborenenbettstelle, nicht aber in einem Käfig.
Nur erwachsen gefangene Geparde werden in Indien zur Jagd abgerichtet; denn die indischen Schikaris oder Gepardjäger halten mit Recht dafür, daß nur solche, die von ihren Eltern in der Wildnis das Jagen erlernt haben, gute Jäger in der Gefangenschaft abgeben. Will man mit dem gezähmten und abgerichteten Geparde jagen, so setzt man ihm eine ihn am Sehen hindernde Kappe aus Leder auf, bindet eine Schnur an einen um seinen Hals oder um seine Weichen gehenden Lederriemen, setzt ihn auf ein Ochsenfuhrwerk und fährt mit ihm so nahe als möglich in die Nachbarschaft von Antilopen, die sich vor gewöhnlichen Landwagen, die sie täglich sehen, nicht fürchten und deshalb leicht eine starke Annäherung eines solchen Gefährtes erlauben. So kann sich ein Karren bis auf 200 Schritte einem Rudel Antilopen nähern. Alsbald nimmt der Jäger dem Jagdleoparden die Kappe vom Kopf und läßt ihn los. Je nach der Entfernung von den Antilopen eilt er dann entweder ohne weiteres auf sie zu, oder er schleicht sich, indem er die Unebenheiten des Bodens mit Vorteil benutzt, so weit an sie heran, daß er einen erfolgreichen Überfall unternehmen kann. Ist ein Antilopenbock in der Herde, so ergreift der Gepard gewöhnlich diesen, wahrscheinlich aber nur deswegen, weil der Bock als Führer des Rudels am weitesten zurückbleibt. Der Jagdleopard stürzt sich auf die Antilope und soll sie dadurch, daß er mit einer Pranke von unten an ihre Beine schlägt, zu Falle bringen, worauf er das gefallene Tier an der Kehle ergreift und so lange festhält, bis der Jäger herangekommen ist. Darauf durchschneidet dieser mit seinem Jagdmesser die Kehle der Antilope, sammelt etwas von ihrem Blut in die mitgenommene Freßschüssel des Jagdleoparden und gibt es diesem, der es eifrig aufleckt, zu trinken, wobei er ihm in einem geeigneten Augenblick die Kappe wieder über den Kopf zieht, um ihn alsbald wieder zur Jagd zu verwenden; denn ein guter Jagdleopard soll manchmal nicht weniger als vier Böcke an einem einzigen Morgen erbeuten.
In ganz Indien ist der gezähmte Gepard ein geschätzter Jagdgehilfe des Menschen. An den Höfen der indischen Fürsten wird er in großer Menge, bis hundert Stück, gehalten, was allerdings ein sehr kostspieliges Vergnügen bedeutet, da dessen Unterhalt und Wartung durch ein ganzes Heer von Wärtern und Jägern, die ungefähr die geachtete Stellung der Falkner bei uns im Mittelalter bekleiden, große Summen verschlingt. Der reichste von allen indischen Fürsten, der Großmogul von Delhi, soll bis zu tausend Geparde auf seinen Jagdzügen mit sich geführt haben. Der Schah von Persien läßt sie sich aus Arabien kommen und hält sie in einem besonderen Hause. Im Jahre 1474 sah der Italiener Guiseppe Barbaro beim Fürsten von Armenien etwa hundert Stück Jagdleoparden. Früher kamen gelegentlich solche Jagdleoparden als Geschenke orientalischer Fürsten auch an europäische Höfe. So erhielt beispielsweise der deutsche Kaiser Leopold I. um 1680 vom türkischen Sultan zwei abgerichtete Jagdleoparden, mit denen er oftmals jagte. Da aber diese Tiere sehr der Wärme bedürfen, so sind sie bei uns recht hinfällig und kurzlebig, dauern aber in ihrer heißen Heimat sehr lange aus.
Wie außerordentlich zahm und zutraulich der Gepard wird, das bezeugt Brehm, der selbst einen solchen besaß und dreist wagen durfte, ihn an einem Stricke durch die Straßen seiner Heimatstadt zu führen. Solange er es nur mit Menschen zu tun hatte, ging er ihm stets ruhig zur Seite; nur wenn er Hunden begegnete, zeigte er eine große Unruhe und wäre gern gegen sie losgesprungen. Das war das einzige Tier, das ihn in Aufregung brachte. In seinem Tierleben schreibt Brehm von ihm: „Daß die Zähmung nicht schwierig sein kann, wird jedem klar, der einen Gepard in der Gefangenschaft gesehen hat. Ich glaube nicht zuviel zu sagen, wenn ich behaupte, daß es in der ganzen Katzenfamilie kein so gemütliches Geschöpf gibt wie unseren Jagdleoparden, und bezweifle, daß irgend eine Wildkatze so zahm wird wie er. Gemütlichkeit ist der Grundzug des Wesens unseres Tieres. Dem angebundenen Gepard fällt es gar nicht ein, den leichten Strick zu zerbeißen, an den man ihn gefesselt hat. Er denkt nie daran, dem etwas zuleide zu tun, der sich mit ihm beschäftigt, und man darf ohne Bedenken dreist zu ihm hingehen und ihn streicheln und liebkosen. Scheinbar gleichmütig nimmt er solche Liebkosungen an, und das höchste, was man erlangen kann, ist, daß er etwas beschleunigter spinnt als gewöhnlich. Solange er nämlich wach ist, schnurrt er ununterbrochen nach Katzenart, nur etwas tiefer und lauter. Oft steht er stundenlang unbeweglich da, sieht träumerisch starr nach einer Richtung und spinnt dabei höchst behaglich. In solchen Augenblicken dürfen Hühner, Tauben, Sperlinge, Ziegen und Schafe an ihm vorbeigehen, er würdigt sie kaum eines Blickes. Nur andere Raubtiere stören seine Träumerei und Gemütlichkeit. Ein vorüberschleichender Hund regt ihn sichtlich auf: das Spinnen unterbleibt augenblicklich, er äugt scharf nach dem gewöhnlich etwas verlegenen Hunde, spitzt die Ohren und versucht wohl auch, einige kühne Sprünge zu machen, um ihn zu erreichen.“ Soweit dies bekannt ist, hat er sich aber in der Gefangenschaft noch nicht fortgepflanzt, ist also noch nicht zum eigentlichen Haustier des Menschen geworden.
Weiter sind von Raubtieren Wiesel und Frettchen bei den Griechen und Römern gezähmt und zum Mäusevertilgen in ihren Wohnungen gehalten worden, lange bevor die Katze aus Ägypten zu ihnen gebracht wurde. Besonders letzteres, das Frettchen, war ein häufig angetroffenes, sehr beliebtes Haustier. Es hieß bei den Griechen iktis und bei den Römern mustela. Das Frett (Mustela furo) ist nichts anderes als der durch Gefangenschaft und Zähmung kleiner und zugleich albinotisch gewordene Abkömmling des Iltis. Es ist weiß bis semmelgelb, am Leibe 45 cm und am Schwanze 13 cm lang. Nur wenige sehen dunkler und dann echt iltisartig aus. Es ist weniger lebhaft als sein wilder Verwandter, steht ihm aber an Blutgier und Raublust nicht nach. Sein Zähmungsherd scheint in Nordafrika gewesen zu sein, und zwar wurde es dort nicht nur gegen Mäuse, sondern besonders auch gegen Kaninchen losgelassen, die es aus ihrem Bau heraustrieb. So schreibt Strabon: „In Turdetanien (einer spanischen Landschaft) bedient man sich der Frettchen aus Libyen, um die Kaninchen zu jagen. Man schickt sie mit einem Maulkorb in die Löcher; so ziehen sie die Kaninchen entweder mit den Krallen heraus oder jagen sie empor, so daß sie von den Leuten gefangen werden können.“ Schon lange vorher schrieb Aristoteles, es gleiche an Gestalt, weißer Farbe des Bauches und Bosheit den Wieseln (galé), könne jedoch außerordentlich zahm gemacht werden. Es gehe gern über die Bienenstöcke und nasche Honig, hasche aber auch gern Vögel, wie die Katze. Aus Spanien kam dann das Frett zu uns, um bei der Kaninchenjagd zu dienen. Dabei legt man ihm, damit es sich nicht am Blut seines Opfers berausche, auch heute noch einen Maulkorb an; früher war man so roh, ihm den Mund zusammenzunähen, damit es solches nicht tue und dann im Kaninchenbau bleibe, so daß der Jäger lange warten kann, bis es zum Bau herauskommt. In England benutzt man es viel als Rattenjäger, doch muß es dazu besonders erzogen werden, indem man es zuerst nur mit jungen Ratten kämpfen läßt. Später wächst dann sein Mut, so daß es schließlich in einer Stunde bis 50 Ratten in einem 2–3 qm großen Raum zu töten vermag. Durch Kreuzung mit dem Iltis zum Zwecke der Blutauffrischung entstehen die „wildfarbigen“ sogenannten Iltisfrettchen, welche etwas stärker sind als das eigentliche Frettchen. Stets muß das Frettchen in Käfigen gehalten werden, da es der Anhänglichkeit an Haus und Hof entbehrt, durch die sich die eigentlichen Haustiere auszeichnen. Es wird jetzt namentlich zur Jagd auf Kaninchen gezüchtet, ist sehr empfindlich gegen Kälte, aber gleich vielen anderen Haustieren fruchtbarer als die Stammart, indem das Weibchen 5–10 Junge wirft, und zwar zweimal im Jahr.