Der römische Geschichtschreiber Livius weiß allerlei solche Hühnergeschichten vom Diktator Lucius Papirius Cursor zu erzählen. Als er gegen die Samniten zog, machte ihn der Hühnerwärter darauf aufmerksam, daß die Hühner kein Glück prophezeit hätten. Da eilte er nach Rom, um die Hühner abermals zu befragen, befahl aber seinem Reiteroberst (magister equitum) Quintus Fabius Maximus Rullianus, während seiner Abwesenheit keine Schlacht zu liefern. Dieser benutzte aber doch eine Gelegenheit, erfocht einen glänzenden Sieg, geriet aber darüber mit dem Diktator in einen Streit, der fast zu offenem Aufruhr Veranlassung gab. „Diese letztere dem römischen Staate drohende Gefahr war also eigentlich von den Hühnern gemeint und prophezeit worden,“ meint dazu Livius. Also sollten die Hühner in jedem Falle recht behalten.
An einer anderen Stelle schreibt dieser Autor: „Als später Papirius den Samniten bei Luceria gegenüberstand, kamen Gesandte von Tarent, wollten beiden Parteien befehlen, die Waffen niederzulegen, und drohten auch noch gar, sie wollten derjenigen Partei, die ihrem Willen nicht gehorche, entgegentreten. Wie nun die Gesandten den Papirius verlassen hatten, rüstete sich dieser sogleich zur Schlacht, versäumte aber auch nicht, seine Hühner zu befragen. Gerade wie er damit beschäftigt war, kamen die Tarentiner zu ihm und Papirius verkündigte ihnen: Ihr Tarentiner, die Hühner meines Hühnerwärters verkünden mir den Sieg, und so werde ich mit Hilfe der Götter sofort den Feind angreifen! Er tat das wirklich, siegte mit Leichtigkeit und machte große Beute.“
„Ein anderes Mal stand Papirius den Samniten bei Aquilonia gegenüber. Sie hatten ein gewaltiges Heer; aber Papirius begeisterte seine Soldaten durch eine Rede so sehr, daß sie laut eine Schlacht forderten. Papirius befahl nun in aller Stille seinem Hühnerwärter, die heiligen Hühner zu befragen. Dieser tat es; doch die Hühner wollten nicht fressen. Aber der Hühnerwärter war so begeistert für die zu schlagende Schlacht, daß es ihm auf eine Lüge nicht ankam und er dem Konsul meldete, die Hühner hätten Heil und Segen prophezeit. Voller Freude gab nun Papirius das Zeichen zum Aufbruch. Aber unterwegs begann unter den Hühnerwärtern ein Zank über die Hühnerprophezeiung. Die Reiter hörten den Disput mit an und meldeten die bedenkliche Sache dem Konsul. Dieser tat den Ausspruch: Wenn ein Vogelprophet lügt, so trifft ihn allein alles aus der Lüge entstehende Unglück. Mir und dem römischen Volke ist nur Glück prophezeit worden, also munter vorwärts! Er befahl nun, die Hühnerwärter in die erste Schlachtlinie zu stellen. Der erste feindliche Speer streckte den lügnerischen Hühnerwärter nieder und der Konsul rief mit lauter Stimme: Die Götter stehen uns bei, das schuldige Haupt ist bestraft! Wie er dies sagte, krächzte ihm ein Rabe laut entgegen. Er begrüßte dieses günstige Zeichen mit Freuden, befahl den Trompetern, das Zeichen zum allgemeinen Angriff zu geben und erfocht einen ruhmvollen Sieg. Er verdankte diesen teils der Klugheit, mit der er das prophezeite Unglück auf das Haupt des Hühnerwärters abwälzte, teils auch dem Umstande, daß er im entscheidenden Augenblick dem Jupiter einen Becher Wein versprach, wenn die Feinde durch seine Hilfe geschlagen würden.“ Diese Erklärung des Plinius kennzeichnet ihn vollkommen in seinen Anschauungen. Er war ebensogut wie Livius ein Kind seiner Zeit. Damals dachten eben alle Römer so wie er.
Eine begeisterte Beschreibung des Hahnes liefert der ältere Plinius in seiner Naturgeschichte in folgenden Worten: „Ruhmbegierig ist der Vogel, der in der Nacht für uns wacht, der vor Anbruch des Morgens den Menschen weckt und zur Arbeit ruft. Er kennt die Sterne und kräht (canet = singt) am Tage jedesmal, wenn drei Stunden verflossen sind. Mit der Sonne geht er schlafen und ruft gegen Morgen den Menschen zu neuen Sorgen und Arbeiten wach. Ehe er kräht, schlägt er mit den Flügeln. Er ist herrschsüchtig und ein jeder führt auf seinem Hofe das Regiment. Sie kämpfen untereinander um die Herrschaft, als ob sie wüßten, daß sie zu diesem Zwecke die Waffen an den Füßen trügen, und hören nicht eher auf, als bis einer tot auf dem Platze liegt. Der Sieger kräht gleich auf dem Schlachtfelde und verkündet dadurch seine Heldentat. Der Besiegte verkriecht sich stillschweigend und grämt sich über die verlorene Herrschaft. Der gemeinste Hahn schreitet übermütig einher, trägt sein gekröntes Haupt hoch und stolz, schaut oft gen Himmel, was kein anderer Vogel tut, und hebt auch seinen sichelförmigen Schwanz empor. Er flößt daher dem mutigsten Tiere, dem Löwen, Schrecken ein. Manche Hähne werden zu Krieg und Schlacht geboren und bringen selbst ihrem Vaterlande Ruhm und Ehre, so die Hähne von Rhodus und Tanagra. Nach diesen sind die berühmtesten die von Melos und Chalcis. Der Hahn ist der Ehre wert, die ihm selbst die römischen Konsuln erweisen. Sein mehr oder weniger begieriges Fressen gibt die wichtigsten Aufschlüsse über dem römischen Staate bevorstehendes Glück oder Unglück. Täglich regiert er unsere Obrigkeiten oder verschließt und öffnet ihnen ihr eigenes Haus. Er befiehlt den römischen Konsuln vorzurücken oder stehen zu bleiben, befiehlt oder verbietet Schlachten; er hat alle auf Erden erfochtenen Siege im voraus verkündet, beherrscht die Beherrscher der Welt und ist, als Opfer dargebracht, ein herrliches Mittel, die Gunst der Götter zu erhalten. Kräht er zu ungewohnter Zeit oder des Abends, so deutet er auf wichtige Begebenheiten hin. Als die Böotier jenen berühmten Sieg über die Lakedämonier erfochten, hatten es die Hähne dadurch vorausverkündet, daß sie die ganze Nacht krähten. Da der Hahn nicht kräht, wenn er besiegt ist, so war die Deutung zweifelhaft.“ Plinius geht so weit, daß er dem Hühnervolke sogar sonst rein menschliche Eigenschaften, wie den Besitz von Religion und Sprache, beilegt. So sagt er: „Auch die Haushühner (villares gallinae) haben ihre Religion: Sobald sie nämlich ein Ei gelegt haben, schütteln sie sich und nehmen eine Zeremonie vor, indem sie um das Ei ein Grashälmchen herumtragen.“ Es kommt nämlich öfter vor, daß sich die Hühner nach dem Eierlegen schütteln, daß sie dann Hälmchen mit dem Schnabel fassen und sie neben und hinter sich legen, ohne Zweifel, weil sich dann die angeborene Neigung zum Nestbau regt. Plinius betrachtet diese Eigenschaft poetisch als Zeremonie, wie sie damals bei den Menschen gebräuchlich war und purificare und lustrare genannt wurde. Was das Vermögen der Sprache anbetrifft, sagt er: „In den Jahrbüchern ist aufgezeichnet, daß unter dem Konsulat des Marcus Lepidus und Quintus Catulus ein Haushahn auf dem Landsitze des Galerius gesprochen hat; dies ist aber auch, so viel mir bekannt, das einzige Beispiel der Art.“
Weiterhin sagt Plinius: „Zu religiösen Zwecken hält man Hähne und Hühner mit gelben Füßen und gelbem Schnabel nicht für rein, zu geheimen Opfern die schwarzen. Es gibt auch Zwerge unter den Hühnern, und zwar fruchtbare, was bei andern Vögeln nicht der Fall ist.“ Natürlich war man in der Kaiserzeit, zu der ja Plinius lebte, nicht mehr so von der Heiligkeit dieses Vogels eingenommen, daß man sich, wie noch zur älteren Zeit der Republik, scheute, sein Fleisch zu profanen Zwecken zu essen; als Opferfleisch war es ja schon früher gegessen worden. Damals kamen gemästete Hühner — richtige Poularden, nur daß zu jener Zeit die Kastration derselben noch nicht geübt wurde — sehr häufig auf den Tisch der reichen Römer. Aber sehr alt kann diese Sitte zu jener Zeit noch nicht gewesen sein. Plinius schreibt nämlich in seiner Naturgeschichte folgendes darüber: „Die Bewohner der Insel Delos haben sich zuerst mit Mästung der Hühner beschäftigt und seitdem sind die Menschen so albern, daß sie Vögel schnabulieren wollen, die in ihrem eigenen Fett gebraten wurden. In den alten Gesetzen über Schmausereien finde ich ein elf Jahre vor dem Beginn des dritten punischen Krieges (also im Jahre 160 v. Chr.) vom Konsul Gajus Fannius gegebenes, daß bei einem Gastmahl kein Vogel außer einer einzigen Henne aufgetragen und diese nicht gemästet sein dürfe. Diese Bestimmung ist später in allen Gesetzen wiederholt worden, aber man hat sie recht listig zu umgehen gewußt, indem man statt der Hühner Hähne mit Speisen mästete, die mit Milch getränkt waren, worauf sie weit besser schmecken. Man darf zur Mast nicht alle Hühner nehmen, sondern nur die, deren Halshaut fett ist.“
Mancherlei weiß Plinius von den Hühnereiern zu berichten. Er sagt, daß, wenn Hühner keinen Hahn haben, die Eier unfruchtbar, kleiner, von schlechterem Geschmack und flüssiger als die guten (befruchteten) seien. Man nenne sie Windeier, weil manche Leute glauben, sie seien vom Winde (Zephyr) erzeugt. Manche Hühner legen lauter Eier mit doppeltem Dotter „und brüten aus solchen auch manchmal Zwillinge aus, wie Cornelius Celsus schreibt. Andere aber behaupten, es kröchen nie Zwillinge aus. Es ist am besten, die zum Brüten bestimmten Eier nicht über 10 Tage alt werden zu lassen, alte oder gar zu frische sind unfruchtbar. Man muß eine ungleiche Zahl unterlegen. Wenn man sie am vierten Tage nach Beginn des Brütens mit den Fingern (an einem dunklen Orte) gegen das Licht hält und sie rein und durchsichtig sind, so sind sie unfruchtbar und müssen durch andere ersetzt werden. Man kann sie auch im Wasser probieren, denn die leeren schwimmen dann, und man muß die vollen, welche sinken, zum Brüten unterlegen. Schütteln darf man die Eier nicht, denn es kann sich darin kein Junges mehr erzeugen, wenn die Lebensgefäße untereinander geworfen sind. Wenn es während des Brütens donnert, so gehen die Eier zugrunde; dasselbe geschieht auch, wenn ein Falke in der Nähe schreit. — Selbst Menschen können Eier ausbrüten. Als Julia Augusta (die Tochter des Kaisers Augustus) mit Kaiser Tiberius Nero vermählt worden war und wünschte, ihr erstes Kind möchte ein Sohn sein, so brütete sie an ihrem Busen ein Ei aus. Mußte sie es einmal weglegen, so gab sie es ihrer Amme, damit es nicht erkalten könne. Sie glaubte von dem auskriechenden Küchlein eine Vorbedeutung entnehmen zu können, ob ihr Kind ein Sohn oder eine Tochter sein werde. Es soll auch richtig eingetroffen sein. Von daher kommt vielleicht die neulich gemachte Erfindung, daß man Eier an einem warmen Orte auf Spreu legt, durch Feuer mäßig erwärmt und zuweilen wendet, wobei die Küchlein am bestimmten Tage auskriechen. (Also kannten die Römer der Kaiserzeit bereits einen Brutapparat für Hausgeflügel.) — Ein sonderbares Schauspiel hat man, wenn eine Henne Enteneier ausgebrütet hat. Erst bewundert sie die Kleinen und will sie nicht recht anerkennen, bald aber ruft sie dieselben sorgsam zusammen und, wenn sie sich nun, von einem innern Triebe geleitet, ins Wasser stürzen, so läuft sie jammernd am Ufer herum.“
Bei der kampfesfrohen, streitsüchtigen Natur der Hähne ist es kein Wunder, daß schon sehr frühe auch bei den Griechen Hahnenkämpfe als öffentliche Volksbelustigungen aufkamen. So schreibt Plinius: „Zu Pergamum (in Kleinasien) werden jährlich öffentliche Hahnenkämpfe abgehalten.“ Daß er solches in seiner Naturgeschichte erwähnt, beweist, daß diese Sitte um die Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. bei den Römern noch nicht üblich war. Was für Gründe etwa zur Einrichtung von Hahnenkämpfen bei den Griechen maßgebend waren, darüber schreibt der griechische Geschichtschreiber Älian: „Als die Athener die Perser besiegt hatten, bestimmten sie einen Tag, an welchem im Schauspielhause öffentliche Hahnenkämpfe abgehalten werden sollten. Die Veranlassung dazu war folgende: Als Themistokles mit dem Heere auszog, sah er in der Nähe des Zuges zwei Hähne, die miteinander kämpften. Er ließ sogleich das Heer Halt machen und redete es so an: „Diese Hähne kämpfen nicht für ihr Vaterland, nicht für ihre Götter, für die Gräber ihrer Väter, nicht für Ruhm, für Freiheit, für ihre Kinder, sondern jeder von ihnen kämpft nur, um zu siegen.“ Diese Rede begeisterte die Soldaten, sie fochten mit kühnem Mute und der Feldherr wünschte, durch die Abhaltung jährlicher Hahnenkämpfe das Andenken an den Sieg zu erhalten und den Keim für neue Siege zu legen.“
Nach Varro waren die Hähne von Tanagra, Medien und Chalcis zum Kampfe besonders brauchbar. Er nennt sie sehr schön, aber die betreffenden Hühner weniger fruchtbar als die italienischen. Letztere hatte man gern so gefärbt, daß Schwanz und Flügel schwarz, das übrige Gefieder aber bräunlich war. „Will man auf einem Landhause 200 Stück Haushühner halten, so gibt man ihnen einen besonderen Stall, zäunt den Platz davor, auf dem auch Sand zum Bade liegen muß, ein und hält ihnen einen eigenen Wärter. Will man die Eier für die Küche aufbewahren, so reibt man sie mit gepulvertem Salz oder legt sie drei Stunden in Salzwasser, trocknet sie und bedeckt sie mit Kleie oder Spreu. Sollen Haushühner gemästet werden, so sperrt man sie an einem lauen, dunkeln Orte ein und nudelt sie mit Gerstenabkochung. So oft sie genudelt werden, wird ihnen auch der Kopf, wenn es nötig ist, von Läusen gereinigt. In 25 Tagen müssen sie fett sein. Manche machen sie auch in 20 Tagen fett und erzeugen ein zartes Fleisch, indem sie sie mit Weizenbrot füttern, das in einer Mischung von Wasser und Wein aufgeweicht wurde.“
In seinem Buche über den Landbau gibt Columella ausführliche Anleitung über die Anlage des Hühnerhofes, die Pflege der Hühner, das Brüten und die Aufzucht der Küchlein. Diese entspricht in ihren Grundzügen vollständig den heutigen; nur daß dabei noch allerlei heute aufgegebene sympathische Mittel angewandt wurden, um sie vor Erkrankung und aller sonstiger Gefährdung zu beschützen. Er rät, den Hühnerstall neben der Küche oder neben dem Backofen anzubringen, so daß der Rauch in ihn hineindringen könne; denn dieser sei den Hühnern sehr gedeihlich. Er hält die dunkeln Hühner für empfehlenswerter als die hellen. „Die weißen Haushühner sind meist weichlich, weniger lebhaft, auch meist nicht sonderlich fruchtbar im Legen. Sie werden auch, weil sie aus großer Ferne in die Augen fallen, leicht von Raubvögeln erbeutet. Die Zwerghühner sind nur für den Liebhaber, der sie wegen ihrer geringen Größe schätzt. Übrigens bringen sie nicht den Gewinn, wie die gemeinen großen Haushühner; auch sind die Zwerghähne entsetzlich zänkisch gegen die großen Hähne, so daß man sich oft genötigt sieht, ihnen einen ledernen Gurt um den Leib zu legen, durch den die Füße gesteckt und die Kampfgelüste gemindert werden.“ Nach den um 200 n. Chr. lebenden Athenäus waren Zwerghühner besonders in Athen beliebt. Pausanias sagt, daß in Tanagra zwei Arten von Hühnern gehalten werden: 1. kampfesstarke, 2. die Amselhühner, so genannt, weil sie (wie die Amseln) rabenschwarz sind und auf der Schnabelspitze kleine, weiße Flecken haben. Kamm und Kammlappen seien bei ihnen rot wie Anemonen. Er meint damit die in Griechenland heimische Anemone pavonina mit scharlachroten Blüten.
Die schönen Rassen des asiatischen Haushuhns bezogen die Römer von den Griechen; so waren besonders die Hühner von Delos, Rhodos und Melos durch ihre Größe und fleißiges Eierlegen berühmt und gesucht. Mit den römischen Kolonisten kamen diese auch in die Gebiete nördlich der Alpen. So fanden sich Reste von Haushühnern mehrfach im Wegwurf der helvetisch-römischen Kolonie Vindonissa und anderwärts. Aus dem römischen pullus Huhn wurde das französische poule. Doch hatten die Kelten und Germanen schon vor der römischen Invasion das Haushuhn besessen und eine besondere Bezeichnung dafür, ganz unabhängig von der römischen. Der Hahn hieß gotisch hana, althochdeutsch hano, angelsächsisch hona, das Huhn gotisch hôn. Das deutsche hana ging dann bei den benachbarten Finnen in kana über. Alles deutet darauf hin, daß das Huhn als Haustier selbständig von Südosten nach Mittel- und Nordeuropa gelangte, soweit es ihm nicht zu kalt war. Und auch hier drang es überall als etwas Fetischhaftes, Heiliges, das zwar nicht selbst, höchstens dessen Eier gegessen werden durften, ein. So sagt Julius Cäsar, der um die Mitte des letzten vorchristlichen Jahrhunderts an der Südküste Englands landete, von den dortigen keltischen Einwohnern, sie hätten zwar das Haushuhn, aber sie fänden es eine Sünde (nefas), das Tier zu essen, ebenso die Gans und den Hasen. Noch im Mittelalter, als das Huhn längst zum Speise- und Provianttier degradiert war, wohnte dem Hahn im Glauben der Leute noch eine große Zauberkraft inne. So sagt der mittelalterliche Bischof Burchard von Worms, man solle nachts nicht vor dem Hahnenrufe das Haus verlassen, weil die unreinen Geister vor diesem Rufe mehr Macht zu schaden hätten als nachher und weil der Hahn mit seinem Schrei jene besser zu vertreiben und zu bändigen vermöge als selbst das Kreuzeszeichen. Es ist dies die Weiterleitung desselben Fetischgedankens, den wir schon bei den alten Persern antrafen und der uns in der griechischen Benennung des aléktõr, d. h. Abwehrer, Kämpfer, entgegentrat. Noch in Shakespeares Hamlet sagt Horatio: „Ich habe gehört, daß der Hahn, der die Trompete des Morgens ist, mit heller Stimme den Gott des Tages weckt und daß bei seinem warnenden Ruf alle die Geister, die in Wasser und Feuer, in Luft oder Erde schweifen und irren, jeder an seinen Ort zurückschlüpfen.“