Auch die slavischen Pommern verehrten den Hahn und fielen anbetend vor ihm nieder; bei den Litauern wurde bei der Beziehung eines neuen Hauses Hahn und Henne zuerst ins Haus gelassen. Diese Exemplare galten dann als unantastbar, wurden gehegt und niemals geschlachtet und gegessen. In diesem Falle sehen wir, wie sich mit der Zeit das praktische Moment mit dem religiösen abfand. Als man sich erlaubte, das Huhn zu essen, haftete die Beschränkung des Nichtessendürfens nur noch an einzelnen auserlesenen Individuen. Bei den verschiedensten Völkern begegnet uns noch später in gewissen, am Althergebrachten hängenden Kreisen solche Enthaltung vom Genusse von Hühnerfleisch. Wie im altindischen Gesetzbuch war auch den Teilnehmern an den Mysterien in Eleusis das Essen von Hühnerfleisch verboten, weil diese Tiere den Erdgottheiten, der Persephone und Demeter, geweiht waren. Bei den Römern wurde der Vogel der Lichtgottheit, der dessen Kommen verkündet, bei Nacht der Nachtgöttin geopfert. Im Mittelalter begegnen uns bei den verschiedensten Völkern Hahnenopfer. Bei den Wenden in der Altmark war es noch in christlicher Zeit Sitte, einen Hahn auf ihr Malzeichen zu setzen, wie A. Kuhn uns in den märkischen Sagen berichtet. Gleicherweise haben es die Deutschen aus der Heidenzeit übernommen, das Bild des Hahnes über dem Kreuze auf Dächern und Kirchtürmen anzubringen. Jenes ist älter als dieses; beider Zweck aber ist, die bösen Geister, die ja auch das Christentum nicht leugnet, sondern nur in ihrem Ursprunge anders erklärt, aus dem Kreise der menschlichen Ansiedelungen fernzuhalten.
Im Mittelalter, als die Scheu vor dem Essen dieses altheiligen Tieres gewichen war, war die Hühnerzucht durch ganz Mitteleuropa ein sehr wichtiger Kulturfaktor, dem besonders die Klöster Vorschub leisteten. So war es vornehmlich ein fürsorglicher Bischof namens Martinus, der im Eierlegen leistungsfähige Hühnerrassen aus Italien nach Deutschland und Frankreich sandte, wo sie in den Klöstern Verbreitung fanden und von da an deren Hörige und Zinsbauern abgegeben wurden. Wie wir aus den mittelalterlichen Zinsregistern der Gutsherrschaften entnehmen können, bildeten Hühner und Eier für die Herrschaften das Haupterträgnis ganzer Güter und oft den einzigen Wirtschaftsbestand der ärmeren Klasse, lebende Hühner in großen Käfigen aus Holz zugleich den beliebtesten Proviant für Heereszüge und größere Menschenansammlungen. Schon der vorsorgliche Kaiser Karl der Große hatte befohlen, daß auf seinen größeren Gütern 100 Hühner und 30 Gänse, auf seinen kleineren wenigstens 50 Hühner und 12 Gänse gehalten und im Herbst, soweit sie geschlachtet wurden, gemästet werden sollten. Auch späterhin traf man sie überall auf den Bauernhöfen, wo sie frei herumliefen und sie sich vom Abfall der Körner, Samen aller Art und kleinem Gewürm und Insekten ernährten. Als einst Bischof Meinward von Hildesheim auf einen solchen Hof kam, wo er keine Hühner bemerkte, tadelte er die Wirtin darob. Als sie sich mit Futtermangel entschuldigte, gab er ihr den Rat, sie solle sie ihr Futter selbst suchen lassen. Das befolgte sie nun und hatte beim nächsten Besuche des Bischofs eine ordentliche Hühnerschar, so daß er sie belobte und beschenkte.
Bis auf den heutigen Tag spielt das Huhn überall in der Kleinwirtschaft eine wichtige Rolle, besonders in den Ländern, in denen sich die Bodenwirtschaft dem Gartenbau nähert, während es dort, wo die Landwirtschaft überwiegend Großbetrieb ist, weniger geschätzt wird. Letzteres ist beispielsweise in England der Fall, das seinen hohen Eierbedarf vom Kontinente her deckt. Auch Deutschland kann seinen eigenen Bedarf nicht selbst decken. Von der Hühnerzucht in Deutschland meint Eduard Hahn: „Schlimm steht es mit der deutschen Zucht; trotzdem in letzter Zeit viel geredet und geschrieben worden ist, will das echte deutsche Huhn, das allen Anforderungen entsprechen soll, immer noch nicht erscheinen. Unsere Hühnerologen, wie sie sich ernstlich nach einem Schwankwort nennen, sind Liebhaber und züchten Spanier, Franzosen, Italiener, Chinesen und andere, die für unser Klima nicht passen, und die Hühner auf unsern Bauernhöfen sind ein kümmerliches Gemengsel aus allen möglichen Rassen, die weder in Eiern noch Fleisch leisten, was man von ihnen verlangen kann, freilich auch nur geringe Pflege verlangen und erhalten. Ausnahmen sind bei uns selten; so will ich die Hamburger Hühner nennen, die in den Gartendistrikten des „alten Landes“ gezogen werden, sonst aber muß Frankreich und in neuerer Zeit vielfach Italien unsern Bedarf an feinerem Geflügel decken helfen. Die Eier aber, die unsere Großstädte bei der gesteigerten Lebenshaltung immer mehr brauchen, kommen aus Galizien und Russisch-Polen zu uns. Auch hier ist das Huhn kein Beweis eines extensiven Betriebes, sondern das Produkt einer nachlässigen extensiven Wirtschaft, die zu Gelde machen muß, was sich zu Gelde machen läßt. Daß auch diese Zucht im Rückgang ist, beweisen die Eier, die rapide kleiner werden.“
Welch große volkswirtschaftliche Bedeutung die Hühnereier als Nahrungsmittel erlangt haben, ergibt eine von Professor Sonndorfer von der Wiener Handelsakademie aufgestellte Statistik, wonach England im letzten Jahre 2265 Millionen Stück im Werte von 180 Millionen Franken einführte. In demselben Zeitraum importierten: Deutschland 2454 Millionen Stück im Werte von 185 Millionen Franken, Frankreich 205 Millionen Stück im Werte von 15 Millionen Franken und die Schweiz 188 Millionen Stück im Werte von 141⁄2 Millionen Franken. Frankreich produziert seinen Bedarf größtenteils selbst, während Deutschland, England und die Schweiz hauptsächlich auf den Import angewiesen sind. Die Hauptmenge Eier erzeugen die Agrarstaaten. So exportierte im Jahre 1907 Rußland 2833 Millionen Stück im Werte von 148 Millionen Franken, Österreich-Ungarn 966 Millionen, Dänemark 294 Millionen, die Balkanstaaten 580 Millionen und Italien 511 Millionen Stück.
Nach Südamerika kam das Huhn schon 1493 bei der zweiten Reise des Kolumbus. Die Indianer müssen dies leicht zu haltende Haustier gern aufgenommen und rasch verbreitet haben; denn schon 1530 fand es Federmann am Oberlauf des Amazonenstroms. Auch nach Mittel- und Nordamerika kam das Huhn mit den verschiedenen europäischen Kolonisten. Nach Garcilasso wollte es sich nur in dem hochgelegenen Cuzko nicht fortpflanzen. Vom Niltal aus verbreitete sich das Huhn über ganz Afrika, wo es überall von den Negern gern aufgenommen wurde. Teilweise kam es als Proviant der indischen Segelschiffe direkt aus Indien nach Ostafrika und verbreitete sich von der Küste nach dem Innern. In Indien und Hinterindien bis nach China und den Philippinen ist das Tier als Sportobjekt sehr geschätzt. Hier stehen überall die Kampfhähne hoch im Preise und dienen, wie im Mittelalter in Europa, zu den beliebten Volksbelustigungen, deren Reiz noch durch Wetten erhöht zu werden pflegt. Weitaus am grausamsten sind diese Hahnenkämpfe bei den Malaien Indonesiens, besonders der Philippinen, indem den kämpfenden Hähnen scharf geschliffene Stahlklingen an den Sporn gebunden werden, mit denen der Gegner erstochen wird. Oft erliegen beide Gegner dieser fürchterlichen Waffe.
Eduard Hahn nimmt an, daß der Hahn zunächst nicht aus Nutzungs-, sondern aus Sportgründen, dann auch als eine Art Weckeruhr vom Menschen gezähmt wurde. „In die Gefangenschaft übergeführte Hühner pflanzten sich nicht fort, legten keine Eier und waren also völlig nutzlos. Aus diesem Grunde sind sie also nicht gehalten worden und ihre anfängliche Gefangenschaft und spätere Zucht ist sicher nicht deshalb erfolgt. Die Eier, das wesentliche Produkt unseres heutigen Huhnes, erreichten erst im weiteren Verlauf der Zucht eine so große Zahl, daß sie dem Menschen zugute kamen; für den Beginn der Zucht müssen wir nach einem andern Grunde suchen. Da ist es nun natürlich schlimm, wenn nicht ein Grund, sondern gleich zwei, und zwar sehr abweichende Gründe, zu Gebote stehen, wie das beim Huhn der Fall ist. Beide schließen sich nicht aus, immerhin decken sie sich keineswegs, und, was besonders schlimm ist, das Ursprungsgebiet beider Hypothesen deckt sich mit dem Urgebiet des wilden Huhnes und beide sondern sich doch geographisch. Wie sollen wir uns entscheiden? Wurde unser Huhn auf indobaktrischem Boden als Uhr ein Haustier (nach F. Spiegel, Eranische Altertumskunde wurde der Hahn von Tahmuhrath dazu eingeführt) oder auf malaiischem Boden zum Kampfhuhn erzogen? Eine dieser beiden seltsamen Verwendungsweisen ist für mich der Ursprung der Zucht des Huhnes, vielleicht ist aber das Kampfhuhn bei den Malaien das ältere und ursprünglichere gewesen, weil die Verbindungen zwischen den einzelnen polynesischen Inseln doch nach allem, was wir wissen, keine sehr häufigen waren.“ Uns will letzteres auch bedünken. So möchten wir unbedingt annehmen, daß der Kampfhahn die ältere Zucht ist, und daß der Hahn als Wecker erst später, und zwar besonders bei den Iraniern Bedeutung gewann. Über letztere Tatsache sagt Hahn: „Ebenso fremdartig (wie der Kampfhahn) berührt uns moderne Menschen der Hahn als Uhr; wir können uns eigentlich kaum vorstellen, wie es Menschen geben kann, die nie wissen, was die Glocke geschlagen hat; freilich müssen wir neidisch bekennen, daß dem Glücklichen keine Stunde schlägt. Trotzdem gab es natürlich auch auf niedrigen Kulturstufen bereits Lebenslagen, in denen Zeitbestimmungen nötig waren. Am Tage reicht die Sonne aus, aber wie soll z. B. eine Karawane, die möglichst die kühlen Stunden des jungen Tages genießen will, erfahren, wann man mit dem langwierigen Packen der Kamele beginnen muß? Da trat nun aufs glücklichste eine Eigenschaft des Hahnes ein. Es ist seltsam genug, daß der Hahn um Mitternacht kräht; die Dämmerung morgens und abends begrüßen ja eine ganze Reihe Tiere mit ihren Tönen, aber gerade die Mitternacht wohl nur der Hahn. Es ist selbstverständlich, daß eine so auffallende und nützliche Eigenschaft dem Hahn eine feste mythologische Stellung von hohem Rang verschaffte; sein Abbild steht bekanntlich noch heutzutage auf der Spitze unserer Kirchtürme. Wie es scheint, wurde auf persisch-baktrischem Boden diese Eigenschaft entdeckt und so der Hahn und späterhin das Huhn gezähmt. Auf die Diener Ahuramazdas mußte ja das Betragen des Vogels einen tiefen Eindruck machen. War er doch gewissermaßen der Herold des Lichts. Und wenn nun gar erst ein weißer Hahn mit dem feuerfarbenen Kamm dieses Amt übte! So wurde der weiße Hahn der Repräsentant der lichten Tagesgottheiten, das schwarze Huhn geriet ebenso selbstverständlich in Beziehung zu den Gottheiten der Nacht. Bei der leichten Zucht und schnellen Vermehrung wurde dann das Huhn sehr bald das gewöhnliche Opfertier des kleinen Mannes; wo der Reiche Ochsen, Schafe und Schweine spendete, kam der Arme, wie Sokrates, mit einem Hahn aus. — Die Verwendung des Hahns als Ersatz der Uhr ist ungemein weit verbreitet und vielleicht noch weiter, wie jetzt bekannt, wenn man darauf achtet. In Abessinien sind Hähne die Kirchenuhr; als Uhren schätzen sie die Kaffern und ebenso traf sie Bastian in Birma. Endlich nahmen sie die Spanier hauptsächlich als Uhren nach Amerika und deshalb fiel es ihnen (wie Oviedo in seiner Historia de las Indias berichtet) auf, daß sie nicht mehr so pünktlich krähen wollten. — Im Altertum war man gewöhnt, sich nach der Stimme des Hahnes zu richten, zumal die Römer wie die Griechen ihre bürgerliche Tätigkeit sehr früh begannen, so daß das Haus schon vor dem Beginne der Dämmerung rege war. Deshalb sagt Plinius vom Hahn, daß ihn die Natur geschaffen habe, um die Sterblichen zur Arbeit zu rufen und ihren Schlaf zu brechen. So gewann der Hahn für das bürgerliche Leben damals eine große Bedeutung. Eine Redensart, die bei vielen Dichtern und auch sonst wiederkehrt, erklärt uns das; man unterschied die Tätigkeit des Friedens und des Krieges einfach so: im Frieden beginnt der Tag mit dem ersten Hahnenschrei, im Kriege mit dem ersten Trompetenstoß. Da es auch später im kirchlichen Dienst sehr nötig war, eine gewisse Einteilung der Nacht zu haben, so mußte auch hier unser Haushahn herhalten; zog eine noch so kleine Mönchskolonne aus, um eine neue Niederlassung zu gründen, so nahm sie einen Hahn mit, wie wir einen Regulator zur notwendigen Wohnungseinrichtung rechnen. Im Orient hat der Hahn diese Stellung wahrscheinlich heute noch. Es wird wenigstens erwähnt, daß große Karawanen gewöhnlich einen recht schönen Hahn mit sich führen, dessen Krähen den Aufbruch der Reisenden regelt. Im Okzident ist der Hahn durch die Schlaguhren verdrängt worden, welche ja schon verhältnismäßig früh (um 1100) vorkommen.“
In China und Japan spielt die Hühnerzucht eine wichtige Rolle. Dort sind eine große Anzahl ausgezeichneter Rassen erzogen worden, die dann nach dem englischen Opiumkrieg in den 1840er Jahren zu uns nach Europa gebracht wurden, so vor allem die Bramaputras und Cochinchinas. Mit den Malaien wanderte das Huhn über die mikronesische Inselwelt, doch gelangte es nicht nach Neuseeland. Dorthin und nach Australien wurde es erst durch die Europäer gebracht.
Bevor wir nun näher auf die verschiedenen Hühnerrassen eingehen, wollen wir kurz die Stammform derselben, das Bankivahuhn (Gallus ferrugineus), in seinen Hauptmerkmalen würdigen. Es ist ein Waldvogel, der morgens und abends, aber auch tagsüber oft beim Suchen der Nahrung auf Äckern angetroffen wird. Sein Verbreitungsgebiet ist das größte von allen Wildhühnern und reicht nach Armand David von Kaschmir und den Vorbergen des Hindukusch bis nach der Insel Hainan, Cochinchina und über die Halbinsel von Malakka bis nach Sumatra. Auf Java und den östlich davon gelegenen Inseln, auch auf den Philippinen, ist es wahrscheinlich eingeführt worden. Es hat im männlichen Geschlecht einen gezackten Kamm und am Schnabel jeweilen einen Fleischlappen, trägt schmale, lange, einen Kragen bildende Halsfedern, ist am Nacken und am Hals goldgelb schimmernd, am Oberkörper purpurbraun, am Unterkörper schwarz gefärbt; die Brust schillert grün, die Schwanzfedern sind lang, schwarz, die mittleren schillernd wie beim Haushahn. Im weiblichen Geschlecht ist die Farbe am Nacken schwarz mit blaß gelbbraunen Federsäumen, auf der Oberseite hellbraun mit feinen schwarzen Wellenlinien, am Oberkopf und auf der Unterseite rotbraun. Der Ruf des Hahn ist kein Kikeriki wie bei seinem gezähmten Abkömmling, sondern ein kurzes Kikeri. Die übrigen Laute sind, wie auch beim Weibchen, ganz ähnlich demjenigen des Haushuhns. Das Huhn brütet im Frühjahr und legt 5–6, zuweilen auch 9–11 blaß lehmgelbe Eier in einer gewöhnlich mit Gras und abgestorbenen Blättern ausgekleideten Bodenmulde. Die Hähne sind besonders zur Brutzeit außerordentlich kampfeslustig. Nach Hutton lassen sich junge Bankivahühner, wenn sie auch im Anfang wild sind, leicht zähmen. Auf den Philippinen, wo die Hahnenkämpfe sehr beliebt sind, scheinen wilde Hähne oft in Gefangenschaft gehalten zu werden, um dann bei den Kampfspielen zu dienen. Dies gibt uns einen Fingerzeig, daß wohl die Benutzung der Kampfeslust der Hähne zu Hahnenkämpfen das erste Motiv der Domestikation des Bankivahuhns innerhalb des malaiischen Verbreitungsgebiets in Südasien war. Überhaupt scheinen die östlichen Varietäten des Bankivahuhnes viel leichter zähmbar zu sein als die westlichen in Indien, weshalb Darwin mit gutem Grunde an die Möglichkeit dachte, daß das Huhn zuerst von Malaien domestiziert wurde. Die Kreuzung desselben mit unserem Haushuhn gelingt leicht und die Bastarde sind unter sich unbegrenzt fruchtbar und geben mit anderen Hühnern, so mit Bantamhühnern, reichliche Nachkommenschaft. Die Bastarde von andern südasiatischen Wildhühnern dagegen, wie dem Gallus sonnerati, G. stanleyi und G. varius sind, als sicherer Beweis einer entfernteren Verwandtschaft, stets unfruchtbar. Übrigens lassen schon Abweichungen im Gefieder und namentlich eine durchaus verschiedene Stimme alle diese Wildhühner als Stammformen unserer zahmen Hühner nicht zu. Wenn verschiedene Rassen unserer Haushühner miteinander gekreuzt werden, so schlagen sie gern in die Färbung der wilden Stammform, des Bankivahuhns, zurück. So erzog Darwin einen Hahn, der ein Bastard einer weißen Seidenhenne mit einem dunkelgrünen spanischen Hahn war und dem wilden Bankivahahn außerordentlich glich. Endlich kann als weiterer Beweis für die Abstammung des Haushuhns vom Bankivahuhn angeführt werden, daß W. Elliot in Pegu Haushennen antraf, die von den wilden Bankivahennen nicht unterschieden zu werden vermochten. Es ist dies also eine ganz primitive Rasse, die sich hier noch erhielt, während sie sonst überall auch in der Färbung durch die Domestikation weitgehend verändert wurden.
Da das Bankivahuhn schon im Wildzustande eine ausgesprochene Neigung besitzt, Varietäten zu bilden, und dadurch, sich den verschiedensten Lebensbedingungen anpassend, in den verschiedenen Ländern seines großen Verbreitungsgebietes sich in zahlreiche Lokalrassen spaltete, darf es nicht überraschen, daß auch die seit alter Zeit geübte künstliche Züchtung eine ganze Reihe von zahmen Hühnerrassen hervorgebracht hat. Im allgemeinen ist bei hochgezüchteten Rassen der Unterschied in der Färbung beider Geschlechter verringert. Dabei sind teils Riesen-, teils Zwergformen hervorgegangen, die wir in besonders ausgesprochenem Maße bei den ostasiatischen Kulturrassen antreffen. Zwerghühner können eine in allen Proportionen den gewöhnlichen Hühnern gleichende Form darstellen. Es kann aber auch die Größe des Körpers gewahrt bleiben, so daß nur die Beine verkürzt werden, wie dies bei den kurzbeinigen Krüpern der Fall ist. Da diese Tiere infolgedessen nur wenig ausgiebig scharren können, kann man sie in Gärten frei laufen lassen. Bei manchen Hühnern, wie bei der Cochinchinarasse, sind die Federn vermehrt und bedecken den ganzen Lauf, bei andern ist das Federkleid rückgebildet, wie bei den Chittagongs, die eine nackte Kehle haben, und den Nackthalshühnern, oder die Federn sind haarähnlich geworden, wie bei den Strupp- oder Seidenhühnern. Bei manchen, wie beim japanischen Phönixhuhn, sind die Schwanzfedern ins Ungeheuere verlängert, beim Kluthuhn dagegen sind sie ganz in Wegfall gekommen. Der Verlust geht bei diesen sogar so weit, daß ihnen überhaupt das den Schwanz tragende Knochenstück fehlt. Selbst der Kamm, das wichtigste unterscheidende Merkmal der wilden Hühner, ist mannigfachen Veränderungen ausgesetzt gewesen, verschwand bei den Haubenhühnern sogar vollkommen und wurde durch eine Federhaube ersetzt. Zwei Haushuhnrassen haben sogar statt vier fünf Zehen erlangt, indem bei ihnen der als atavistische Mißbildung zuerst aufgetretene überzählige fünfte Zehe in der Zucht erblich wurde.