Die den Purpurfarbstoff liefernde kleine Drüse mündet in eine Umschlagsfalte des Mantels und liefert ein anfänglich farbloses Produkt, das an der Sonne zuerst gelb, dann grünlich und zuletzt violett wird und um so dunkler, bis schwärzlich erscheint, je mehr davon auf dem betreffenden Stoff aufgetragen und je länger er nachher den Sonnenstrahlen ausgesetzt wurde. So hatte der geschickte Färber alle Grade von einem matten bis dunkeln Violett in der Hand. Zur Gewinnung von 1,5 g Purpursaft sind die Drüsen von nicht weniger als 12000 Purpurschnecken nötig; so läßt es sich begreifen, daß damit gefärbte Gewänder außerordentlich hoch zu stehen kamen und nur den Fürsten und Reichen zugänglich waren. Noch zur Zeit des Kaisers Diokletian im Jahre 301 n. Chr. kostete das Pfund der besten Purpurwolle 950 Mark unseres Geldes. Und doch war die Farbe ein ziemlich unreines, rotstichiges Violett, das sich in keiner Weise weder an Glanz, noch an Echtheit der Färbung mit den modernen, synthetisch gewonnenen Teerfarbstoffen vergleichen läßt. Übrigens dienten nach dem römischen Dichter Martial die Purpurschnecken außer zum Färben auch zum Essen. Sie wurden nach den antiken Autoren in mit Miesmuscheln beköderten kleinen Reusen gefangen, die kleinen Arten samt den Schalen, die größeren dagegen ohne diese zerstampft, mit Wasser ausgelaugt und auf mäßigem Feuer in bleiernen Gefäßen eingekocht. Je nach der Mischung der verschiedenen Purpurschneckenextrakte wurden verschiedene Nuancen erzielt. So schreibt Plinius in seiner Naturgeschichte: „Die Purpurschnecke (buccinum) ist allein nicht brauchbar, weil ihre Farbe nicht hält, wird sie aber mit dem Saft der Murexschnecke (purpura) vermischt, so wird sie dauerhaft und gibt jener dunkeln Farbe eine Beimischung, welche ein schönes Scharlachrot hervorbringt. Je nach der Mischung beider wird die Farbe bald heller bald dunkler. Um eine herrliche Amethystfarbe zu haben, nimmt man auf 50 Pfund Wolle 200 Pfund Purpurschnecke (buccinum) und 110 Pfund Murexschnecke (purpura). In Tyrus taucht man die Wolle erst in Murex- und dann in Purpuraschneckensaft. Am beliebtesten ist der tyrische Purpur, wenn er die Farbe geronnenen Blutes hat, von vorn gesehen schwärzlich aussieht und von der Seite gesehen schimmert. Auch Homer nennt das Blut purpurfarbig. — Färbt man bloß mit Murexschnecken oder Purpuraschnecken, so setzt man Wasser und Menschenurin zu und erlangt dadurch die beliebte blasse Farbe, welche desto schwächer ist, je weniger durstig die Wolle war.“
Weiter sagt Plinius: „Das Kleid der römischen Konsuln und freigeborenen Knaben wird mit einem Purpursaum geschmückt. Purpur unterscheidet den Senator vom Ritter, versöhnt die Götter, gibt den Kleidern seinen Glanz und mischt sich beim Triumphzuge unter das Gold.“ Von Anfang an war der Purpur in Rom gebräuchlich; Romulus trug ihn an der trabea, Tullus Hostilius an der praetexta (verschieden gestalteten Röcken). Nepos Cornelius, der unter der Regierung des Augustus starb, sagte: „Als ich noch jung war, schätzte man den veilchenfarbenen Purpur am höchsten, wovon das Pfund 100 Denare (60–70 Mark) kostete, bald darauf zog man den roten tarentinischen vor und später den doppelgefärbten tyrischen, wovon man das Pfund nicht unter 1000 Denaren (600–700 Mark) kaufen konnte. Der Ädil Publius Lenthulus Spinther, der diesen tyrischen Purpur zuerst trug, wurde darob getadelt; jetzt aber hat jedermann bei Schmausereien mit tyrischem Purpur gefärbtes Tischzeug. Spinther war im Jahre 691 der Stadt (62 v. Chr.) Ädil, (d. h. Hilfsbeamter der beiden Volkstribunen und als solcher mit der Straßen- und Baupolizei, wie auch mit der Überwachung des Marktverkehrs betraut), da Cicero Konsul war, und damals nannte man den tyrischen Purpur doppelt gefärbt (dibapha) und betrachtete ihn als eine sehr kostspielige Sache; jetzt aber ist jeder gute Purpur doppelt gefärbt.“ Und Plutarch schreibt in seiner Biographie Alexanders des Großen: „Als Alexander die Stadt Susa in Persien erobert hatte, fand er daselbst Geld und Kostbarkeiten in unsäglicher Menge; dabei sollen auch 5000 Talente (= 301000 kg) hermionischen Purpurs (Hermione war eine Stadt in Argolis) gewesen sein, den man 190 Jahre lang aufbewahrt hatte und der noch so glänzend aussah, als ob er neu wäre.“
Jedenfalls hat die Wertschätzung des Purpurs von der syrischen Küste aus schon im hohen Altertum ganz Vorderasien erobert, lange bevor die Griechen durch die phönikischen Kaufleute mit ihm bekannt wurden und die Bekanntschaft damit den Römern übermittelten. In Babylonien und Assyrien war der purpurgefärbte Mantel das Abzeichen des Königs und wurde als besondere Auszeichnung auch an Private verliehen, wie dies Nebukadnezar (Nabûkuduriussur), der von 604–561 über Babylon herrschte, nach Daniel 5, 16 dem Juden Daniel tun wollte. Wie im alten Rom die purpurati die höchste Adelsklasse darstellten, haben, durch sie beeinflußt, auch die Nachbarvölker von ihnen eingehandelte Purpurgewänder als königliches Abzeichen benutzt. Erst mit dem Untergang der antiken Kultur verlor sich im Abendlande mehr und mehr die Kenntnis von der Bereitung des Purpurs. Nur im byzantinischen Reiche blieb sie das ganze Mittelalter hindurch erhalten. Auch dort durfte nur der Herrscher sich mit Purpurstoffen bekleiden, so daß der Ausdruck den Purpur nehmen, wie bei den Römern der Kaiserzeit, so viel als sich der Herrschaft bemächtigen bedeutete und der Beiname Porphyrogenetos, d. h. der in Purpur Geborene, den bei der Geburt schon mit der Kaiserwürde Bekleideten bezeichnete. Die letzte Erwähnung von Purpurgewändern als Galatracht des basileus in Byzanz datiert vom Jahre 1440, 13 Jahre vor der Eroberung durch die Osmanen. Mit der Invasion der Türken ging auch im byzantinischen Reiche die Kenntnis der Gewinnung des Purpurs verloren, bis in der Neuzeit der französische Zoologe Lacaze-Duthiers durch Zufall sie wieder entdeckte. Als er nämlich im Sommer 1858 im Hafen von Mahon auf der spanischen Insel Menorca mit Hilfe eines Fischers allerlei Seetiere aufsuchte, bemerkte er, daß sein Schiffer sein Hemd mit der schleimigen Absonderung einer Meerschnecke, die sich alsbald als Purpura haemastoma entpuppte, zeichnete. Die mit einem Stückchen Holz aufgetragenen Buchstaben und Figuren erschienen bald gelblich und der Fischer sagte, sie würden rot werden, sobald die Sonne eine Zeitlang darauf geschienen habe. Der Zoologe ließ auch sein Hemd mit diesem schleimigen Safte zeichnen und machte alsbald die Entdeckung, daß bei der Einwirkung der Sonnenstrahlen sich ein höchst unangenehmer durchdringender Geruch entwickelte und eine immer intensiver werdende Violettfärbung auftrat. Dies war die Veranlassung zur Wiederentdeckung der Herstellung des Purpurfarbstoffs, von dem wir heute wissen, daß er aus Dibromindigo besteht, d. h. aus Indigo, in welchem zwei Wasserstoffatome durch zwei Bromatome ersetzt sind. Außer Purpura haemastoma ermittelte Lacaze-Duthier auch die im Mittelmeer sehr gemeinen Murex brandaris und Murex trunculus als Träger des Purpurfarbstoffs. Übrigens haben die nordamerikanischen Indianer von sich aus, unabhängig von den Europäern, den Saft der einheimischen Purpurschnecken zum Rotfärben benutzt. So färbten sie einst, wie heute noch die Indianer von Tehuantepec, mit dem Safte von Purpura patula ihre Frauenröcke purpurrot.
Bild 54. Der Tuchfärber.
(Nach einem Holzschnitt von Jost Ammann 1539–1591.)
Von den großen Meeresschnecken des Mittelmeers hat wahrscheinlich die große Tonnenschnecke (Dolium galea) das Vorbild für das Spiralornament der jonischen Säule gegeben. Als Prof. Troschel bei seinen zoologischen Studien in Messina sie lebend zur Untersuchung erhielt, ließ sie, gereizt, aus ihrem einen halben Fuß weit ausgestülpten Rüssel einen Strahl einer wasserklaren Flüssigkeit einen Fuß weit hervorspritzen. Zu seinem höchsten Erstaunen nahm Troschel wahr, daß der Kalkstein des Fußbodens von der Flüssigkeit stark aufbrauste, der vermeintliche Speichel also eine scharfe Säure war. Die genaue chemische Untersuchung des von einer dicht neben der Speicheldrüse gelegenen besonderen Drüse abgesonderten Saftes ergab darin die Anwesenheit von 3–4 Prozent freier Schwefelsäure und 0,3 Prozent freier Salzsäure. Sie dient dem Tiere dazu, die Kalkgehäuse der Schnecken und Muscheln, von denen sie sich ernährt, im Bereiche des Mundes aufzulösen, damit sie dann mit der Zunge ins Innere eindringen kann, um die Weichteile aufzufressen.
Die großen Tritonshörner dagegen, besonders das Tritonium nodiferum des Mittelmeers, die buccina der alten Römer, diente mit einer künstlich gemachten Öffnung an der Spitze der gewundenen Schale, in welcher das Tier einst seinen Eingeweidesack trug, als Kriegstrompete. Deshalb sagt der Dichter Vergil: „Die buccina zwang schon die alten Quiriten zu den Waffen.“ Teilweise schon im Altertum, mehr aber noch in der Rokokozeit, wurden ihre Schalen nicht nur als Signaltrompete, sondern auch mit dem Delphin als eigentliches dekorativ ausgestaltetes Attribut der Meeresgötter immer wieder auf Statuen und Reliefs angebracht. Man gab ihnen später bei den Deutschen, die sie zur Zierde als Nippsache in ihren besseren Stuben aufstellten, den Namen Kinkhörner, weil sie kinken, d. h. klingen oder sausen, wenn man ihre Mündung an die Ohren hält. Man wollte darin das Brausen des Meeres hören. Dies ist natürlich unrichtig. Alle Muschelschalen sind vielmehr natürliche Resonanzböden für bestimmte schwache Geräusche, die sie so verstärken, daß sie uns hörbar werden. Bei absoluter Stille lassen sie kein Brausen hören. Diese und andere große Schneckenschalen dienen auch zum Einschneiden von allerlei bildlichen Darstellungen oder zur Herstellung von Kameen, wobei durch Benutzung verschieden gefärbter Schichten die Figuren eine andere Farbe als der Grund erhalten. Mit prächtig perlmutterartig glänzenden Stücken von Kreiselschnecken der Gattung Turbo stellen die Chinesen allerlei Einlegearbeiten in ihre lackierten Möbel und Schränke her, während bei uns die durch Interferenz schön irisierenden inneren Schichten auch anderer Schneckenschalen und Muscheln, vor allem der alsbald zu besprechenden Perlmuschel dazu benutzt werden, wie auch zur Herstellung von Knöpfen, Zahlmarken usw. Die zum Schutze gegen das Weggeschwemmtwerden von seiten der Brandung außerordentlich fest an der felsigen Unterlage haftenden Napfschnecken der Gattung Patella sind, wie auch manche der größeren Meeresschnecken, ein nicht besonders wohlschmeckendes, aber von den ärmeren Klassen der europäischen Küstenbewohner viel gesuchtes und gern gegessenes Nahrungsmittel.
Außerordentliche volkswirtschaftliche Bedeutung besitzen unter allen Meerschnecken heute nur die Porzellanschnecken in ihrem wichtigsten Vertreter, der Kaurischnecke (Cypraea moneta). Diese Schnecke mit 1,5–2 cm langer, breiteiförmiger, weißlicher oder gelblicher Schale kommt in großen Mengen auf den Malediven im Indischen Ozeane vor, wo sie, nach älteren Angaben, zweimal im Monat, drei Tage nach Voll- und Neumond, eingesammelt wird, um nach dem Ablaufenlassen der Weichteile die Gehäuse teils nach Bengalen und Siam, vorzugsweise aber nach Afrika zu verschiffen, wo sie als Schmuck und Münze zugleich dienen. In Indien, wo sie als Verkehrsmittel seit dem 6. Jahrhundert n. Chr. nachweisbar sind, gelten etwa 24–36, in Afrika etwa 6 Stück gleich einem deutschen Pfennig, früher überall mehr wegen der größeren Transportkosten. Der Hauptstapelplatz für den ausgedehnten afrikanischen Kaurihandel ist Sansibar. Von dort und anderen Orten der Ostküste Afrikas gehen seit vielen Jahrhunderten große Karawanen mit diesem Artikel, der zugleich Geld und Ware ist, nach dem Innern des Kontinentes ab. Ganze Schiffsladungen wiederum werden von europäischen Schiffen von dort, besonders von Sansibar, abgeholt und an der Westküste gegen die dortigen Produkte: Goldstaub, Elfenbein, Palmöl und neuerdings auch Gummi eingetauscht, soweit die Stämme noch nicht den Gebrauch der europäischen Münzen angenommen haben. In Gure hatten einst 700000 Stück den Wert von 990 Mark, also etwa 2120 denjenigen von 3 Mark, und es beliefen sich die Einkünfte des Herrschers auf 30 Millionen Kaurischneckenschalen. Ihr Wert ist natürlich dem Kurs unterworfen und hängt von der Zufuhr und der Entfernung ab. Gewöhnlich sind sie zu Hunderten auf Schnüre gereiht, um das Zahlgeschäft zu erleichtern. An manchen Orten ist dies aber nicht Sitte und müssen die Tausende einzeln abgezählt werden. Solange die Holländer Ceylon besaßen, war diese Insel der wichtigste Stapelplatz für die Kauris, von wo sie in Körben oder Ballen von je 12000 Stück oder für Guinea in Fässern versandt wurden. Eine Zeitlang wurde vermittelst der Kauris der ganze afrikanische Sklavenhandel betrieben, indem für 12000 Pfund 500–600 Sklaven eingekauft werden konnten. Gegen die Mitte des 18. Jahrhunderts hatte sich der Preis bereits verdoppelt. Als dann aber die Küstendistrikte Westafrikas mit dem Kaurigelde überschwemmt waren, traten andere Tauschobjekte an dessen Stelle, und heute wird überall in den Kolonialgebieten mit der betreffenden Münze bezahlt. Noch Henry Stanley bestritt auf seiner berühmten ersten Reise quer durch Afrika auf der Suche nach dem verschollenen David Livingstone mit 6 Kauris die Tageskost eines Trägers und erhielt von den kein anderes Tauschmittel kennenden Eingeborenen für 3 ein Huhn und für 2 zehn Maiskolben. In Angola werden kleine, scheibenförmig geschnittene Stückchen einer großen Landschnecke (Achatina monetaria) als Geld verwendet, in Neuguinea die kleine Nassa camelus und globosa, an der Nordwestküste Nordamerikas noch vor kurzem ein Dentalium, das deshalb pretiosum heißt, und die große Haliotis splendens; es gab eine Zeit, da man für ein einziges Stück der letzteren im Binnenland ein Pferd bekommen konnte.
Keine andere Konchyliengattung genießt so alte und allgemeine Beliebtheit als Schmuck des Menschen als die größeren Arten von marinen Porzellanschnecken. In allen Erdgegenden, selbst bei unkultivierten Völkern, trifft man sie vermöge ihres glänzenden, buntgefärbten Äußern als Zierat der Wohnungen oder der Personen.
Als menschliche Speise übertreffen aber die Muscheln an Bedeutung weit die Schneckenarten. Schon dem vorgeschichtlichen Menschen Europas wie Südamerikas und anderer Küsten waren die am Strande oder in wenig tiefen Meeresbuchten gesammelten Muscheln eine willkommene Speise, die sie gern verzehrten. So treffen wir zu Beginn der neolithischen Zeit an den Küsten Dänemarks eine vorzugsweise von Muscheln lebende Bevölkerung, die uns ganze Hügel von weggeworfenen Schalen mit ihren Herdstellen dazwischen hinterließ. Unter Knochenresten der verschiedensten Landtiere und Hochseefische finden sich darin besonders Schalen der Auster, Miesmuschel, Herzmuschel, Gehäuse von allerlei Strandschnecken und anderen Weichtieren. Auch späterhin haben die Küstenbewohner gern solche Muschelspeise gegessen, wenn sie auch nicht die Schalen dieser Weichtiere zu derartigen Haufen aufstapelten wie sie uns in den Kjökkenmöddings Dänemarks und den Sambaquis Brasiliens entgegentreten.