Haben die Bienen sich stark vermehrt, so pflegen sie eine Kolonie auszusenden. Man bemerkt ihre Absicht im voraus an zwei Zeichen: 1. einige Tage lang hängen sie in einer traubenförmigen Masse am Flugloch; 2. wenn sie eben ausziehen wollen oder schon begonnen haben es zu tun, summen sie heftig und der Lärm gleicht einigermaßen dem, welchen eine Armee macht, wenn das Lager abgebrochen wird. Einige bilden die Vorposten, fliegen im Angesicht des Stockes auf und nieder und warten ab, ob der Schwarm sich in Bewegung setzt oder nicht. Sieht das der Bienenwärter, so wirft er Staub nach ihnen, klingelt mit ehernen Instrumenten und bringt sie dadurch wohin er will. Nicht weit vom alten Stock bestreicht er einen neuen Stock mit Vorwachs und Melisse oder anderen Dingen, die den Bienen angenehm sind. Haben sich nun die Bienen angesetzt, so bringt der Bienenwärter einen Stock herbei, welcher inwendig mit den genannten lockenden Dingen ausgestrichen ist, setzt ihn in die Nähe des Schwarms, räuchert diesen ein wenig und zwingt ihn so zum Einzug. Hat die neue Kolonie den Stock bezogen, so bleibt sie gern darin und zieht auch dann nicht aus, wenn er ganz nahe an den alten gestellt wird.

Ist der Stock schwer, so kann man ihm Honig entnehmen. Die mit Honig gefüllten Zellen sind mit einem dünnen Wachsdeckel geschlossen. Einige sagen, man müsse den Bienen 9⁄10 nehmen und 1⁄10 lassen, weil sie den Stock verlassen, wenn man ihnen alles nimmt. Schneidet man die Stöcke nicht alle Jahre oder wenigstens nicht zu stark aus, so sind die Bienen fleißiger und tragen mehr ein. Die erste zum Schneiden der Bienenstöcke (zur Honigernte) taugliche Zeit ist die, da die Vergilien (die Plejaden oder das Siebengestirn) aufgehen, die zweite zu Ende des Sommers, die dritte zur Zeit, da die Vergilien untergehen. Ist zu dieser Zeit der Stock schwer, so nimmt man ihm doch nicht über 1⁄3 des Honigs und läßt ihm 2⁄3 für den Winter. Sind Waben, die man den Bienen genommen, leer oder schmutzig, so schneidet man solche Stellen mit dem Messer weg.

Ist ein Volk so schwach, daß es von anderen überwältigt wird, so vereinigt man es heimlich mit einem stärkeren. Entstehen unter den Bienen häufig Raufereien, so bespritze man sie mit Honigwasser, worauf sie sich freundlich lecken, statt die Zänkerei fortzusetzen. Nimmt man statt des Honigwassers flüssigen Honig, so lecken sie sich noch eifriger und sind ganz entzückt über die herrliche Leckerei. Fliegen sie spärlich aus dem Stock und bleibt ein Teil darin, so räuchert man ihn etwas von unten und legt in seine Nähe wohlriechende Kräuter, vorzüglich Melisse und Thymian. Vor allzu großer Hitze und Kälte hat man den Stock sorgfältig zu beschützen. Sind die Bienen auf Nahrung ausgeflogen und dabei plötzlich von einem Platzregen oder von Kälte überfallen worden (was jedoch selten geschieht, da sie jedes Wetter im voraus merken), so sammelt man sie und setzt sie an einen lauen Ort. Bei gutem Wetter nimmt man sie aus diesem, bestreut sie mit warmer Asche von Feigenholz, schüttelt sie, ohne sie mit der Hand zu berühren, gelinde und bringt sie an die Sonne. Sind sie auf solche Weise warm geworden, so leben sie wieder auf. Bringt man sie nun in die Nähe der Stöcke, so kehren sie dann an ihre Arbeit und in ihre Wohnung zurück.“

Es ist erstaunlich, wie groß auch bei Barro die Erkenntnis in der Beurteilung der Lebensweise der Bienen ist, wenn auch er, wie Aristoteles, noch gar vielen Irrtümern huldigte, worunter auch dem, daß die Bienen aus dem Aase von Rindern, wie die Wespen aus solchem von Pferden und die Mistkäfer aus solchem von Eseln hervorgehen. Am ausführlichsten behandelt der römische Dichter Vergil die vermeintliche Entstehung der Bienen aus dem Aase von Rindvieh im 4. Buche seiner Georgica, das mit seinen 566 Versen ganz den Bienen gewidmet ist. Er sagt, daß wenn durch irgend ein Unglück der Bienenstand ausgestorben sei und man keine bevölkerten Stöcke kaufen könne, so wende man die höchst merkwürdige Kunst an, die der arkadische Hirt Aristäus erfunden habe und die noch jetzt in Ägypten mit großem Gewinn angewendet werde. Einem zweijährigen Stiere verstopfe man trotz allem Sträuben Mund und Nase und prügle ihn so lange, bis, ohne daß die Haut verletzt wird, inwendig alles zu Brei geschlagen sei. So lasse man den Kadaver ruhig liegen, nachdem man ihm Thymian und Zimt untergelegt habe. Bald komme das Innere desselben in Gärung, man sehe darin ein wunderbares Gewimmel fußloser Tiere (Maden), bis zuletzt geflügelte Bienen hervorkämen und die Menge wachse und ganze Wolken davon herumschwirren. Tatsächlich sind das aber aus Eiern entstandene Schweißfliegen und keine Bienen.

Im ganzen Altertum war die Anschauung von solcher Urzeugung gang und gäbe. Es sei hier nur an das uns allen geläufige Rätsel erinnert, das, wie im 14. Kapitel des Buches der Richter erzählt wird, vom Helden Simson bei seiner Hochzeit mit der Philisterin zu Thimnath den 30 um ihn weilenden Gesellen aufgegeben wurde, wobei er ihnen 30 Hemden und 30 Festkleider versprach, falls sie es lösen sollten. Könnten sie es aber nicht erraten, so sollten sie ihm 30 Hemden und 30 Festkleider geben. Das Rätsel lautete: „Speise ging aus von dem Fresser und Süßigkeit von dem Starken.“ Er meinte damit den Bienenschwarm im Kadaver des jungen Löwen, den er einige Tage zuvor am Wege durch die Weinberge zu Thimnath mit seinen starken Armen zerrissen hatte, „wie man ein Böcklein zerreißet“. Dieser Bienenschwarm sollte aus dem Aase des Löwen hervorgegangen sein und hatte bereits Honig gesammelt, den Simson in die Hand nahm und von dem er unterwegs aß; „und er ging zu seinem Vater und zu seiner Mutter und gab ihnen, daß sie auch aßen. Er sagte ihnen aber nicht, daß er den Honig von des Löwen Aas genommen hatte.“

Mehrfach berichten Livius in seiner Geschichte Roms und Cicero in seinem Buche de divinatione von Wundern, die durch das merkwürdige Verfliegen von Bienenschwärmen angezeigt worden seien. Es galt als unglückbringend, wenn sich ein solcher vor einer geplanten Unternehmung irgendwo einfand. So berichtet Livius: „Als die Römer am Flusse Ticinus (dem heutigen Ticino) dem Hannibal gegenüberstanden, war ihnen nicht ganz wohl zumute und ihre Furcht nahm zu, als ein Wolf ins Lager drang und unversehrt wieder hinauslief, und als sich ein Bienenschwarm auf einem Baume niederließ, der das Zelt des Befehlshabers beschattete. Man suchte dem üblen Erfolg dieser Unglückszeichen dadurch vorzubeugen, daß man den Göttern Sühnopfer darbrachte. — Im Verlaufe desselben Krieges ereigneten sich zur Zeit, da Quintus Fulvius und Appius Claudius Konsuln waren, neue Wunderzeichen: In Campanien wurden zwei Tempel und einige Gräber vom Blitze getroffen, zu Cumä benagten die Mäuse im Tempel des Jupiter das Gold, zu Catinum ließ sich ein ungeheurer Bienenschwarm auf dem Markte nieder, zu Caere flog ein Adler auf den Tempel des Jupiter. Wegen dieser drohenden Zeichen wurde ein allgemeiner Bettag angesagt und einige Tage lang mit ungünstigem Erfolge geopfert. Endlich verhießen die Opfer Glück, und der Erfolg zeigte, daß das Unglück die Konsuln traf, der Staat aber ohne Schaden davonkam.“ Nach dem griechischen Geschichtschreiber Dio Cassius (155–229 n. Chr.) soll dem Pompejus seine Niederlage bei Pharsalus im voraus verkündet worden sein, indem Blitze in sein Lager schlugen, Bienen sich auf seine Fahnen setzten und viele Opfertiere vor dem Altar die Flucht ergriffen. Die Niederlage, die Varus im Jahre 14 n. Chr. in Germanien erlitt, sei den Römern durch Zeichen prophezeit worden, indem der Blitz in den Tempel des Mars auf dem Marsfeld schlug, viele Heuschrecken in die Stadt Rom flogen und dort von den Schwalben weggeschnappt wurden und Bienen an römischen Altären Wachszellen bauten. Auch des Kaisers Claudius Tod sei durch einen Kometen, einen blutigen Regen, die freiwillige Öffnung des Tempels des Jupiter Victor und auch dadurch voraus verkündet worden, daß sich ein Bienenschwarm im Lager festsetzte. Und Plinius (23–79 n. Chr.) meint: „Bienenschwärme geben einzelnen Menschen und ganzen Staaten wichtige Vorbedeutungen, wenn sie sich an Häuser oder Tempel hängen, worauf schon oft schrecklicher Jammer erfolgt ist. Als Plato noch ein Kind war, setzten sich Bienen auf seinen Mund und deuteten dadurch auf das Liebliche seiner zukünftigen Beredsamkeit. Im Lager des Feldherrn Drusus ließ sich ein Schwarm während der glücklichen Schlacht von Arbalo (in Germanien) nieder, woraus man sehen kann, daß die Wissenschaft der Zeichendeuter, welche eine solche Begebenheit immer für ein Unglück erklärt, nicht untrüglich ist.“

Auch Plinius behandelt die Bienen sehr ausführlich in seiner Naturgeschichte. Er sagt von ihnen: Wir müssen ihnen die höchste Bewunderung zollen und ihnen den Vorzug vor allen Insekten geben, sind sie doch die einzigen bloß um des Menschen willen geschaffenen. Man braucht sich deshalb nicht zu wundern, wenn man hört, daß manche Menschen ganz verliebt in ihre Bienen gewesen seien. So habe Aristomachos von Soli sich 58 Jahre lang mit nichts anderem als mit ihnen beschäftigt, und Philiskos aus Thasos habe mit seinen Bienen einsam in einer Einöde gelebt. Beide haben über sie geschrieben. Dann fährt er fort: „Den Winter über verbergen sich die Bienen, denn woher sollten sie auch die Kräfte nehmen, um der Kälte, dem Schnee und den Nordstürmen zu widerstehen? Aber ehe noch die Bohnen blühen, kommen sie heraus, um zu arbeiten, und wenn das Wetter günstig ist, geht kein Tag verloren. Zuerst bauen sie die Waben, dann erzeugen sie die Brut, sammeln Honig und Wachs von den Blüten, wie auch Vorwachs aus den klebrigen Abscheidungen der Bäume. Mit letzterem streichen sie erst inwendig den Stock aus, und weil sie wohl wissen, daß ihr Honig ein Leckerbissen ist, so mischen sie zur Abhaltung kleiner Schmarotzer dem Vorwachse noch bittere Säfte bei. Mit derselben Masse verengern sie auch den Eingang, wenn er allzu weit sein sollte. — Bei ihren Geschäften beobachten die Bienen eine bestimmte Ordnung: Am Tage steht eine Schildwache am Eingang; nachts ruhen sie, bis der Morgen anbricht und bis eine durch zwei- oder dreimaliges Sumsen gleich einem Trompeter das Zeichen zum Aufbruche gibt. Jetzt fliegen alle hinaus, wenn ein heiterer Tag bevorsteht. Ist aber Wind und Regen in Aussicht, so bleiben sie zu Hause, denn sie wissen im voraus, wie das Wetter sich gestalten wird. Sind sie zur Arbeit ausgezogen, so tragen die einen Blütenstaub mit den Füßen ein, andere Wasser im Munde und an den Haaren, womit ihr ganzer Leib bedeckt ist. Die Jungen fliegen aus und tragen ein, die Alten dagegen besorgen die häuslichen Arbeiten. Diejenigen, welche Blütenstaub sammeln, bedienen sich der Vorderfüße, welche behaart sind, und des Rüssels, um die Vorderfüße zu beladen, und so kehren sie denn endlich, von der schweren Last gebeugt, nach Hause zurück. Hier kommen ihnen sogleich drei bis vier entgegen und nehmen ihnen die Last ab, denn auch im Stocke sind die Arbeiten verteilt. Die einen bauen, die andern glätten, andere tragen den Baustoff herbei, andere bereiten aus dem, was eingetragen wird, die Speisen; denn sie halten gemeinschaftliche Mahlzeiten ab, damit die allgemeine Ordnung der Geschäfte nicht gestört wird. Den Bau beginnen sie oben an der Decke des Stockes und bauen nun die Waben abwärts so, daß dabei zwei Wege offen bleiben, auf deren einem sie herbei-, auf dem andern aber weggehen können. Die Waben hängen oben und auch ein wenig an der Seite fest; bis auf den Boden aber gehen sie nicht herab. Bald haben sie eine längliche, bald eine mehr runde Gestalt, wie es gerade die Form des Stockes mit sich bringt. Wollen die Waben fallen, so setzen sie Stützen darunter, wölben sie aber vom Boden aus so, daß ein Zugang für neue Ausbesserung übrig bleibt. Etwa die drei ersten Zellenreihen bleiben leer, damit nicht so leicht Diebe angelockt werden; die hintersten werden am meisten mit Honig gefüllt, und deswegen schneidet man den Stock auch von hinten aus.

Die Honig eintragenden Arbeitsbienen (gerula apis) sehen sehr auf günstigen Wind; beginnt ein Sturm, so nehmen sie ein Steinchen als Balast zu sich (wie schon Aristoteles geglaubt hatte), welches sie, wie einige behaupten wollen, auf den Schultern tragen. Geht ihnen der Wind entgegen, so fliegen sie an der Erde hin und weichen den Dornbüschen aus. Man ist erstaunt, wenn man ihre Arbeit beobachtet. Die Faulen werden getadelt, gestraft, ja sogar getötet. Sie sind äußerst reinlich. Jeder Unrat, der sich irgendwo im Stocke vorfindet, wird sogleich hinausgeschafft. Sobald der Abend kommt, nimmt allmählich der Lärm im Stocke ab, bis endlich eine Biene herumfliegt und durch dasselbe Sumsen, womit die Schar morgens geweckt wird, das Zeichen zur Ruhe gibt, worauf alle augenblicklich schweigen.“

Auch Plinius glaubt, daß der Honig aus der Luft herabfalle. Er sagt darüber: „Der Honig kommt aus der Luft, und zwar gegen Tagesanbruch, weshalb man auch mit dem Erscheinen der Morgenröte die Blätter der Bäume von Honig betaut findet und Menschen, die sich zufällig im Freien aufhalten, ihre Kleider und Haare mit Honig gesalbt fühlen. Mag nun der Himmel den Honigtau ausschwitzen, oder mögen ihn die Sterne ausspucken, oder mag er eine Reinigung der Luft sein, so wäre nur zu wünschen, daß er so rein, flüssig und echt sein möchte, wie er anfänglich herabträufelt. So aber fällt er aus der unermeßlichen Höhe herab, wird im Fallen durch schmutzige Beimischungen verunreinigt, vom Hauche der Erde vergiftet, außerdem von den Blättern abgeleckt, in den Magen der Bienen geschluckt, obendrein durch Blumensaft vermischt, im Bienenstocke geknetet, und dennoch behält er noch ein gutes Teil seiner himmlischen Eigenschaften bei.

„Der Honig ist immer da am besten, wo er in den Behältern der besten Blumen aufbewahrt wird. Am berühmtesten sind in dieser Hinsicht der Berg Hymettus in Attika, der (Berg) Hybla auf Sizilien und die Insel Kalydna (bei Kleinasien). Anfangs ist der Honig flüssig wie Wasser, gärt die ersten Tage wie Most und reinigt sich; am 20. beginnt er dick zu werden. Bald überzieht er sich mit einer Haut, welche sich aus dem durch Gärung entstehenden Schaume bildet. Der beste und am wenigsten nach Laub schmeckende wird von den Blättern der Linden, Eichen und der Rohrarten entnommen. Die Güte des Honigs hängt zwar von der Beschaffenheit der Gegend ab; übrigens zeigt sich aber doch noch ein Unterschied; denn z. B. im Lande der Peligner (in Italien) und in Sizilien zeichnet sich das Wachs aus, in Kreta, Zypern und Afrika der Honig, im Norden die Größe, so daß man in Germanien schon eine acht Fuß lange Wabe gesehen hat, deren Höhlungen schwarz waren. Allerwärts gibt es dreierlei Honig: